Der Agenda-21-Beirat hat sich in einem Empfehlungsbeschluss einstimmig dafür ausgesprochen, dass der Landkreis Ansbach eine Rezertifizierung als Fairtrade-Landkreis anstreben soll. Allerdings wurde in der Beiratssitzung auch deutlich, dass es nicht einfach so weitergehen kann wie bisher.
Die Kreistagsfraktion der Grünen hatte im Juni einen Sachstandsbericht zu Fairtrade im Kreistag beantragt. Zuständigkeitshalber befasste sich nun der Agenda-21-Beirat mit dem Stand der Dinge.
Thomas Merkel von der Wirtschaftsförderung des Landkreises, bei dem auch die Fäden in Sachen fairer Handel zusammenlaufen, zeichnete ein eher kritisches Bild der bisherigen Aktivitäten. Es sei nicht leicht gewesen, die Kriterien für die ursprüngliche Zertifizierung während der Corona-Pandemie zu erfüllen.
Die zweijährige Laufzeit des Fairtrade-Siegels endet im August. Dann müsse man das gesamte Prozedere mit ähnlichem Aufwand erneut durchlaufen. Die eigens gegründete Fairtrade-Steuerungsgruppe mit ehrenamtlichen Mitgliedern habe in den letzten zwei Jahren viermal getagt, so Merkel.
Der Ansatz sei dabei gewesen, den fairen Handel gemeinsam mit regionaler Vermarktung zu denken. Es habe sich als schwierig erwiesen, neue Akteure zu gewinnen. Neue Kommunen seien nicht dazugekommen, die Stadt Feuchtwangen befinde sich aber seit drei Jahren im Bewerbungsprozess.
Es sei nicht gelungen, so Merkel, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Es gebe zwar eine „Faire Woche“, aber relativ wenig Feedback und Mobilisierung. „Ernüchternd“ lautete sein Fazit der ersten Laufzeit der Zertifizierung. „Wir müssen uns anders aufstellen, wenn wir weiterkommen wollen“, forderte er.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) sprach sich dafür aus, auf jeden Fall an dem Thema weiter zu arbeiten. Er meldete aber Zweifel an, ob dafür die Rezertifizierung mit dem damit verbundenen formalen Aufwand nötig sei. „Das muss alles einer machen“, erklärte er: „Aber wenn der Kreistag es trotzdem haben will, ok.“
Isabella Hirsch (Grüne) sprach sich dagegen aus, schon jetzt „hinzuschmeißen“. Im Moment überlegen nach ihren Informationen drei Kindertagesstätten, Fairtrade-Kitas zu werden. „Vielleicht kriegen wir gar nicht alles mit“, sagte sie. Sie ist für die Rezertifizierung wegen der damit verbundenen Signalwirkung an die Aktiven.
Der Aufwand sei da, gestand Maria Hetzel (ÖDP) zu. Damit dieser für die Verwaltung nicht zu groß wird, seien „alle inklusive der Steuerungsgruppe“ gefordert. Stefanie Nejedlo (CSU) warf die Frage auf, ob die vorhandenen Strukturen ohne die Rezertifizierung wegbrechen würden und damit der Austausch nicht mehr so wie bisher stattfinden würde.
Uwe Reißmann (SPD) meinte, Fairtrade sei zwar nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ und werde nicht die Welt retten, setze aber ein Zeichen, „dass wir auch in eine andere Richtung gehen können“. Er riet zur Vorsicht bei einer Entscheidung, aber „wenn sich in den nächsten zwei Jahren nicht spürbar etwas verändert“, werde man voraussichtlich aufgeben. Ehrenamtliche müssten in die Pflicht genommen und Partner gesucht werden.