Fairtrade-Town Bad Windsheim: Tut die Stadt zu wenig? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 31.10.2024 12:00

Fairtrade-Town Bad Windsheim: Tut die Stadt zu wenig?

Der Streit um die „Fairtrade-Town“ Bad Windsheim geht weiter. (Foto: Mirko Fryska)
Der Streit um die „Fairtrade-Town“ Bad Windsheim geht weiter. (Foto: Mirko Fryska)
Der Streit um die „Fairtrade-Town“ Bad Windsheim geht weiter. (Foto: Mirko Fryska)

Die Steuerungsgruppe Fairtrade Bad Windsheim fragt sich, ob ihre Arbeit noch Sinn ergibt. Die Mitglieder sind massiv enttäuscht von Bürgermeister, Stadtrat und Verwaltung. Diese tun ihrer Meinung nach zu wenig, um „Fairtrade-Town“ zu werden und das Ganze zu leben. In einem offenen Brief äußern sie Kritik.

Der Grund: Der Stadtrat hatte in seiner Sitzung Ende September den Antrag der Grünen, dem Pakt zur nachhaltigen Beschaffung beizutreten, abgeschmettert. Für das Zertifikat „Fairtrade-Town“, das laut Stadtratsbeschluss angestrebt werden soll, habe sich die Gruppe „mit großem ehrenamtlichem Engagement“ eingesetzt, damit „notwendige Kriterien“ erfüllt werden, heißt es in dem Schreiben, das auch an unsere Redaktion ging.

Der Planet wird ausgelaugt

Alle würden immer betonen, Fairtrade und nachhaltige Beschaffung seien ihnen wichtig; Geld dafür ausgeben oder Aufwand damit haben wolle man aber nicht. Das werde „unserer Verantwortung als Erdbewohnende nicht gerecht“, schreibt die Gruppe. Menschen würden ausgebeutet, mehr Ressourcen in Anspruch genommen, als gerecht sei, der Planet ausgelaugt. Es sollte „selbstverständlich sein, dass man sich als Stadt mehr dahinter klemmt, um nicht länger Teil des Problems zu sein“.

Das Thema Nachhaltigkeit sähen Teile des Stadtrats und der Verwaltung „vor allem als nice to have“ (Anmerkung der Redaktion: schön, wenn man es hat) oder „Trendsache“. Mehraufwand wolle aber niemand haben, betont die Gruppe. Eine nachhaltige Wirtschaftsweise sollte „als Grundpfeiler des eigenen Selbstverständnisses gesehen, gelebt und aktiv verfolgt werden“. Die Fairtrade-Gruppe unterstellt der Stadt Bad Windsheim diesbezüglich nur „wenig Unterstützung“ und stellt sich die Frage, „ob das weitere Engagement, um die Zertifizierung voranzutreiben, noch Sinn macht“.

Mehr als regionale Geschenke

Ein solches Zertifikat sei für eine Stadt, die die Inhalte nicht glaubwürdig verfolge, nicht sinnvoll oder ehrlich, heißt es weiter. Regionale Produkte in Geschenkkörben und fairer Kaffee seien „super“, kritisch werde es aber bei IT-Produkten, Textilien und Sanitärprodukten, die sich auch fair beschaffen ließen.

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Klares Signal vermisst

Die Steuerungsgruppe vermisse ein klares Signal seitens des Stadtrats, des Bürgermeisters und des Geschäftsleitenden Beamten der Stadt Bad Windsheim, „welches ein ernsthaftes Engagement für mehr faire Beschaffung erkennen lässt“. Sie habe Verständnis dafür, dass diese Dinge aufgrund des Personalmangels im Rathaus „bislang kaum eine Rolle gespielt“ haben. Es müsse aber einen Weg geben, „faire Beschaffung im Rathaus, tatkräftiger zu verfolgen“.

Die Gruppe sei für Ideen, „Vorschläge für Maßnahmen, eine Strategie, eine Ansprechperson, einen Arbeitskreis“ offen, fordert aber „ein deutliches Signal“, dass ein tiefergehendes Interesse an fairer und nachhaltiger Beschaffung besteht. Sollte Bad Windheim weiterhin an einer Zertifizierung als „Fairtrade-Town“ interessiert sein, werde sich die Steuerungsgruppe auch weiterhin dafür einsetzen, heißt es.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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