Warum ist das eigentlich so, dass an Karfreitag in vielen mehr oder weniger christlich geprägten Haushalten traditionell Fisch gegessen wird? Dahinter steckt ein Fastenritual. Davon profitiert auch die heimische Teichwirtschaft. Bei Fischzüchtern und Direktvermarktern sind in diesen Tagen Karpfen mehr gefragt als sonst im Jahr.
Am Freitag vor Ostern gedenken gläubige Christen des Leidens und Sterbens Jesu. Mit den Anfängen des Christentums war es üblich, am Freitag eine Fastenzeit einzulegen, um damit an den Karfreitag zu erinnern. An Freitagen wurde kein Fleisch gegessen.
Das galt auch für den Gründonnerstag, den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit. Bei Gabriele Herrmann, Praxislehrkraft und Semesterleiterin an der Landwirtschaftsschule Abteilung Hauswirtschaft in Dinkelsbühl, gibt es am Gründonnerstag Spinat mit Salzkartoffeln und Spiegelei. Bei anderen ist es Brauch, an diesem Tag Kartoffeln mit Quark oder Pfannkuchen mit Spinatfüllung zu essen, um bewusst auf Fleisch zu verzichten.
Traditionell wird am Karfreitag in vielen Haushalten Fisch gegessen. Karpfen und Forellen sind dabei die Klassiker. Dazu gibt es beispielsweise Kartoffeln oder Gemüse als Beilage. Der Fisch ist ein altes christliches Symbol. Das zeigen auch die Geschichten aus dem Evangelium, in denen es um Fische geht, die wunderbaren Fänge, die Speisung der Menschenmassen oder die Berufung zu „guten Menschenfischern“.
Fachlehrerin Gabriele Herrmann hat zwei Vorschläge für Karpfengerichte an Karfreitag (siehe Kasten): Karpfenfilet gebacken mit Kartoffel-Endiviensalat und „Karpfenknusper“ als Alternative zu konventionellen Fischstäbchen. Die Zubereitung regionaler Fischgerichte ist auch Inhalt des Küchenpraxis-Unterrichts in der Fachschule für Ernährung und Haushaltsführung. Im September startet ein neues Semester.
Andrea Denzinger, Regionalmanagerin im Landkreis Ansbach, verweist auf Nahversorger, die frischen Fisch aus nachhaltiger und regionaler Produktion anbieten. Zu finden sind sie über die Datenbank direktvermarktung-landkreis-ansbach.de (Stichwort „Karpfen“). Es gibt auch einen Überblick zu Fischzüchtern und Teichwirten (teichgenossenschaft-landkreis-ansbach.de).
Die Karpfenteichwirtschaft in der Region habe eine mehr als 1000-jährige Tradition, erläutert Andrea Denzinger. Bereits im Mittelalter entstanden Teichlandschaften. Wegen der Fastentage war die Fischzucht von besonderer Bedeutung für die Klöster. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Karpfen seinerzeit eine teure Delikatesse war. So kostete ein Kilogramm Karpfen so viel wie sechs Kilogramm Rindfleisch oder 24 Maß Bier.
In Bayern werden heute nach Schätzung der bayerischen Fischereiverwaltung auf einer Fläche von 20.000 Hektar hauptsächlich in den Karpfengebieten Frankens und der Oberpfalz von etwa 5500 Teichwirten jährlich rund 6000 Tonnen Speisekarpfen erzeugt. Dies entspreche etwa der Hälfte der gesamten Karpfenproduktion Deutschlands. Die heimischen Fischzüchter stehen dabei in Konkurrenz mit der Importware des Fischgroßhandels.
Vielen bäuerlichen Betrieben dient die klein strukturierte Karpfenteichwirtschaft als zusätzliche Einnahmequelle, so Andrea Denzinger. Für einige Unternehmen sei sie der wichtigste Betriebszweig. Auf naturnahe Weise werde in extensiver Form auf der Grundlage von Naturnahrung (Wasserflöhe, Hüpferlinge, Insektenlarven) und ausbalancierter Zufütterung von Getreide der schmackhafte Karpfen erzeugt. Neben dem Karpfen ziehen die heimischen Teichwirte auch Schleien, Hechte, Zander und Welse auf. Die Teiche halten zudem Wasser im niederschlagsarmen Franken zurück und bieten Pflanzen und Tieren Lebensraum.
Karpfenfilet gebacken:
4 Filets (je 180 g), Zitronensaft, Salz, Pfeffer, 4 EL Mehl, 2 Eier, 2 EL Milch, 100 g Semmelbrösel, 150 g Pflanzenfett oder Öl, 4 Zitronenscheiben, Petersilie.
Filets mit Zitronensaft säuern, mit Salz und Pfeffer würzen, in Mehl wenden. Durch Eimasse (Eier mit Milch und Salz verquirlt) ziehen, in Semmelbrösel panieren. In einer Pfaffe Fett erhitzen. Die Filets auf beiden Seiten goldbraun braten. Mit Petersilie und Zitronenscheiben garnieren. Als Beilage eigenen sich Kartoffelsalat, grüner Salat, Remouladensoße.
Karpfenknusper (Ka-Fritten):
2 Filets (eingeschnitten), 1 Zitrone (Saft) 1 TL Salz, Pfeffer, Paprika, 100 g Maismehl, 50 g Maisgrieß, reichlich Rapsöl zum Ausbacken.
Die Karpfenfilets säuern, kräftig würzen, in 2 cm breite Streifen schneiden und in der Maismehl-Maisgrieß-Mischung wenden. Anschließend die Panade fest andrücken und portionsweise in heißem Öl schwimmend ausbacken. Nach dem Backen auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die knusprigen Ka-Fritten sind vor allem bei Kindern beliebt. Dazu passen Kartoffelsalat und Blattsalat.