„Das Jahr 2024 hat insgesamt aus meiner Sicht ein sehr gutes Pilzaufkommen gezeigt.“ So lautet das Resümee von Dr. Ekkehard Schell, Mykologe aus Diespeck. Von Frühjahr bis in den schon kalten Herbst kam der Pilzkundige und Pilzgenießer auf seine Kosten. Sammler aus dem ganzen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim berichteten von reichhaltigen Funden.
Ab Mitte April waren bereits etliche leckere Morcheln und Verpeln verschiedener Art zu finden. Auch der Maipilz und verschiedene Rötlinge traten häufig auf, schreibt Schell in seiner Zusammenfassung.
Bedingt durch den nicht zu heißen Sommer und durch etwa dreimal so viel Niederschlag wie im September 2023 eröffnete sich ab der zweiten Septemberwoche 2024 ein „reichhaltiges und äußerst mannigfaltiges Pilzaufkommen“ bis in die erste Novemberwoche hinein. Auffällig war allerdings, dass vor allem im Steigerwald „Erfolg und leerer Korb“ oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt lagen. Viele seiner Pilzfreundinnen und -freunde haben Schells Beobachtungen bestätigt.
Schell: „So fand ich zum Beispiel an einer Stelle im Steigerwald regelhaft große Mengen an Steinpilzen, während nicht weit davon an anderen, sonst fruchtreichen Plätzen tatsächlich fast nichts wuchs. Dafür habe ich ehrlicherweise keine plausible Erklärung, aber es war in diesem Jahr in der Form das erste Mal so.“
Aber nicht nur Steinpilze traten sehr zahlreich auf den Plan, auch Reizker, vor allem Reifpilze, viele verschiedene schmackhafte Röhrlingsarten, Krause Glucken und Semmel-Stoppelpilze waren zu finden. „Pfifferlinge gab es schon mal mehr, aber Anfang Oktober konnte man auch bei ihnen doch erfreulich fündig werden.“ Etwas später traten sehr stark Parasolpilze und Perlpilze auf. „Relativ spät im Oktober fand ich am Hohenlandsberg und am Iffigheimer Berg wirklich Unmengen von Herbsttrompeten, während in Frankenhöhe und Steigerwald nur sporadisch Exemplare zu finden waren“, berichtet Dr. Schell weiter.
An den geschotterten Waldwegen erlebte die Herbstlorchel ein enormes Wachstum, während die Trompetenpfifferlinge ab Ende Oktober auch noch einmal „schier explodierten“. Interessant war laut Schell insbesondere „das doch häufige Auftreten von sehr giftigen Riesenrötlingen im Buchen- beziehungsweise Eichenwald“. Im Einzelfall kann dieser Pilz auch Todesfälle verursachen, warnt der Mykologe.
Schell – er ist im Hauptberuf Arzt – wurde aufgrund des hohen Pilzaufkommens und seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Sachverständiger etwa jede dritte Nacht von der Giftnotrufzentrale oder verschiedenen Krankenhausabteilungen der Region Franken wegen zahlreicher Pilzvergiftungen kontaktiert. „Tödliche Ausgänge waren erfreulicherweise in keinem Fall aufgetreten.“ Zumeist blieb es bei starken Magen-Darm-Beschwerden, ohne bleibende Schäden.
Am problematischsten war der Konsum von unsachgerecht zubereitetem Hallimasch, der stärkeres Magen- und Darmbluten ausgelöst hatte. Aber auch sogenannte unechte Pilzvergiftungen waren recht zahlreich zu registrieren. Insbesondere der schmackhafte Parasol wurde von drei unabhängig voneinander agierenden Pilzsammlerinnen und Pilzsammlern mit deutlich zu viel Fett zubereitet und löste – obwohl sonst essbar und schmackhaft – starken Durchfall aus.
Ein Fall hatte Dr. Schell – und vor allem jungen Eltern – zwei schlaflose Nächte bereitet. Ein Säugling hat es beim Krabbeln irgendwie geschafft, einen lebensgefährlichen Gift-Häubling auf Rindenmulch in die Finger zu bekommen. „Es war unklar, ob er reingebissen hatte. Gott sei Dank hat sich alles zum Guten gefügt und es war offensichtlich nicht zum Konsum dieses schwer giftigen Pilzes gekommen.“ Gift-Häublinge können auf Kleinstholz überall wachsen – und das auch noch in den meisten Monaten des Jahres.
Die Pilzsachverständigen sind immer überregional tätig. Wer zuerst kontaktiert werden kann, gibt Auskunft. Anfragen erreichten Dr. Schell aus dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, zudem aus Oberfranken und dem Ballungsraum Nürnberg, Fürth, Erlangen sowie aus Augsburg. Auch häufige „Privatanfragen“ bei eher „harmloser klingenden Situationen“ habe es gegeben. Dazu hatte die Giftnotrufzentrale Schells Nummer an die jeweiligen Betroffenen herausgegeben.