Eindrücke von der historischen Bausubstanz der Altstadt und Kenntnisse alter Handwerkstechniken haben angehende Architektinnen und Architekten aus Kanada bei ihrem Aufenthalt in Dinkelsbühl gewonnen. Die Studierenden der Laurentian University School of Architecture setzten die Fenster des Parkwächterhauses der Kinderzeche instand.
Nach Dinkelsbühl geführt hat die jungen Leute eine Studienreise, die Randall Kober organisiert hat. Er ist mit einer Dinkelsbühlerin verheiratet und Dozent an der kanadischen Hochschule in Sudbury (Ontario). Dort hat er Aufenthalte in Deutschland als Bestandteil des Architekturstudiums eingeführt. Auf diese Weise hat er bereits viele Gruppen nach Dinkelsbühl gebracht. Einen Einschnitt bedeutete die Pandemie, mit der die Reisen gestoppt wurden und danach weitere Jahre auf Eis lagen. Mit der 13-köpfigen Gruppe, die jetzt zu Gast war, will Kober, wie er sagte, „das sehr erfolgreiche Programm“ wieder aufleben lassen.
Die Studierenden haben die Fenster des Parkwächterhauses auseinandergebaut, die Holzrahmen abgeschliffen und mit Leinöl eingelassen. Schadhafte Gläser wurden durch neue ersetzt und der Fensterkitt erneuert. Alle Arbeiten seien auf baubiologischer Basis erfolgt, wie Kober hervorhob.
Den Kontakt zu Kober und den jungen Kanadiern hatte Hans-Peter Mattausch, Ehrenvorsitzender der Kinderzeche, hergestellt. Der Arbeitseinsatz sei Auftakt zur Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, erläuterte er gegenüber der FLZ. Das Häuschen am Rothenburger Weiher will die Kinderzeche für ihre Zwecke herrichten - als Lager, aber auch für Besprechungen und Zusammenkünfte. Gedacht ist auch an eine Nutzung als Trau-Ort. Die Fenster hätten einen Wetterschutz erhalten, so Mattausch weiter, sollen aber noch in einem Farbton gestrichen werden.
In die erforderlichen Arbeitstechniken hat die Studierenden Manfred Sandmeir eingeführt. Er ist Schreiner sowie bei der Interessengemeinschaft Bauernhaus und beim Dinkelsbühler Verein Pro Altstadt aktiv.
In einem weiteren Sanierungsobjekt zeigte Jürgen Häfelein den Studierenden bei ihrem Dinkelsbühl-Aufenthalt, wie Lehmputz verarbeitet wird. Gearbeitet wurde dabei in einer Scheune, die Manfred Weihermann für Wohnzwecke herrichtet. Dabei habe die Gruppe sehr viel gelernt, hob Kober hervor. Denn Putzarbeiten seien in Kanada kaum gebräuchlich.
An der Architekturschule im Norden von Ontario wird laut Kober großer Wert darauf gelegt, dass die Ausbildung einen starken Bezug zu Praxis und Handwerk hat. Auch Themen wie Nachhaltigkeit und Baubiologie würden dort verstärkt vermittelt. Dabei handele es sich um Bereiche, in denen man in Deutschland und Österreich den Kanadiern durchaus voraus sei, wie Kober findet. Gerade deshalb seien die Aufenthalte in Europa für die Studierenden interessant.
Neben ihrer Zeit in Dinkelsbühl besuchten die jungen Leute unter anderem auch den Werkraum Bregenzerwald, wo traditionelle Handwerkstechniken beim Bauen mit Holz im Mittelpunkt stehen. Die dort gezeigten Holzverbindungen gehören auch zum Ausbildungsplan der Studierenden.