„Vom Lachen ins Weinen”: Wieso Humor in der Hospizarbeit wichtig ist | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.08.2024 09:00

„Vom Lachen ins Weinen”: Wieso Humor in der Hospizarbeit wichtig ist

Ursula Memhardt ist Koordinatorin des Hospizvereins Rothenburg. (Foto: Irmeli Pohll)
Ursula Memhardt ist Koordinatorin des Hospizvereins Rothenburg. (Foto: Irmeli Pohll)
Ursula Memhardt ist Koordinatorin des Hospizvereins Rothenburg. (Foto: Irmeli Pohll)

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Ursula Memhardt ist seit zwölf Jahren Koordinatorin des Hospizvereins in Rothenburg. Für sie ist Humor ein wichtiger Faktor, um Menschen auf einer tieferen Ebene begegnen zu können – die Ebene, die es braucht, um sie würdevoll in der letzten Lebensphase zu begleiten.

Lange gibt es die Hospizbewegung noch nicht: Erst seit den 1980er-Jahren setzten sich Menschen dafür ein, dass Patientinnen und Patienten, die sterben werden, würdevoll und eng begleitet werden. Memhardt erlebte als junge Krankenschwester das Gegenteil. „Sterbende Patienten wurden damals ins Badezimmer geschoben und von den anderen separiert.“ Das habe sie als schockierend und belastend empfunden – ihr eigener Großvater starb im Stationszimmer.

Das Unmögliche möglich machen

Das habe sich in den vergangenen Jahren gravierend geändert – zum Guten, wie Memhardt findet. Die Pflege sei weggekommen von der Hightech-Medizin hin zum Menschen als Ganzes. Es werde akzeptiert, wenn ein Mensch austherapiert ist, und Wert darauf gelegt, die Lebenszeit der Betroffenen qualitativ hochwertig zu gestalten. Dabei komme es nicht darauf an, diese zu verlängern, so die 56-Jährige. Vielmehr seien die Momente, in denen Wünsche erfüllt, Bedürfnisse gestillt oder Themen besprochen werden können, wichtig.

Oftmals erscheinen dabei Wünsche der Betroffenen unerfüllbar, nach dem Motto: „Das darfst du doch nicht mehr.“ Hier sei die Hospizarbeit gefragt, mit Kreativität und Fantasie dieser Denkweise entgegenzuwirken. Sei es, eine Fahrt über die Felder zu unternehmen, ein Ausflug in die Berge oder an die See – Kleines kann hier Großes bewirken.

Auch Humor kann ein Türöffner sein, ist sich Memhardt sicher. Als „tolles Vorbild“ nennt sie den Humortrainer Dr. Dr. Berend Feddersen, der Humor in der Palliativarbeit verwende. Durch den Einsatz sei es möglich, einen Zugang zu den Gefühlen der Menschen zu finden, zu dem, „was eigentlich im Mittelpunkt steht“, weiß Memhardt.

Kommunikation auf einer tieferen Ebene ermöglichen

Oftmals sei es so, dass die Menschen „vom Lachen ins Weinen“ kommen, erklärt sie. So werde die Kommunikation auf einer tieferen Ebene ermöglicht. Lernen kann man den Umgang mit den Sterbenden und deren Angehörigen in der Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleitenden.

Die Schulungen, Fortbildungen und den Einsatz der Ehrenamtlichen organisiert Memhardt mit zwei weiteren Kollegen in der Koordinationsstelle. In der Ausbildung sei es wichtig, sich auch mit dem eigenen Endlichsein zu beschäftigen, findet Ursula Memhardt.

Wer sich mit dem Thema Tod befasse, finde einen Umgang damit. „Sterben möchte keiner gern“, stellt sie fest. „Aber es nimmt dem Ganzen seinen Schrecken.“

50 Personen sind aktiv im Einsatz

Insgesamt arbeiten aktuell 62 Ehrenamtliche für den Hospizverein, aktiv im Einsatz sind 50 Personen, schildert sie. Die Ehrenamtlichen begleiten die Menschen, die wissen, dass sie sterben werden – manchmal dauert die Begleitung einen Tag, manchmal sind es Jahre.

Für Memhardt ist das Ehrenamt eine wichtige Säule der Gesellschaft. Denn der demografische Wandel und der Pflegenotstand sorgten dafür, dass es immer schwerer werde, alle Menschen angemessen palliativ zu versorgen. Speziell für Rothenburg als Stadt der Vielfalt liege es dem Hospizverein am Herzen, für alle Menschen da zu sein, egal welchen Geschlechts, welcher Nation oder welcher Hautfarbe.

Kochkurs für Männer

Auch für die Angehörigen sind die Ehrenamtlichen da. In Trauergruppen oder beim Stammtisch für trauernde Menschen sei ein Austausch möglich und das Erlebte werde aufgearbeitet. Auch ein Kochkurs für trauernde Männer soll angeboten werden, eine Gruppe für Angehörige von Menschen, die palliativ gepflegt werden, sei im Gespräch.

Für Memhardt ist eines bezüglich des Themas Tod und Sterben gewiss: „Ich kann nur jeden ermutigen, beim Eis essen oder am Stammtisch darüber zu sprechen.“ Wie stelle ich mir mein Lebensende vor? Was wünsche ich mir? All das seien Fragen, die es gilt, zu klären, bevor es keine Möglichkeit mehr gibt, sie zu besprechen. Dies gebe den Angehörigen die Chance, Wünsche ihrer Verwandten am Lebensende möglich machen zu können. Und gebe dem Thema Tod die Natürlichkeit, die es verdient – denn er gehört zum Leben dazu.


Von Irmeli Pohl
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