Ein neues Angebot bei Tee oder Kaffee: „Gespräche am Waldfriedhof” in Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.05.2025 08:00

Ein neues Angebot bei Tee oder Kaffee: „Gespräche am Waldfriedhof” in Ansbach

Tisch, Stuhl, Getränk – und ein offenes Ohr: So stellt sich Adelheid Seiler das Angebot vor. Zunächst würde sie es allein bestreiten. (Foto: Oliver Herbst)
Tisch, Stuhl, Getränk – und ein offenes Ohr: So stellt sich Adelheid Seiler das Angebot vor. Zunächst würde sie es allein bestreiten. (Foto: Oliver Herbst)
Tisch, Stuhl, Getränk – und ein offenes Ohr: So stellt sich Adelheid Seiler das Angebot vor. Zunächst würde sie es allein bestreiten. (Foto: Oliver Herbst)

Eine Besucherin des Ansbacher Waldfriedhofs blickt überrascht drein. Sie sieht den Tisch und die Stühle, die Adelheid Seiler fürs FLZ-Gespräch aufgebaut hat. „Wir stören Sie nicht, oder?“, fragt diese die Frau, die verneint. Die Initiatorin will Menschen zu „Gesprächen am Waldfriedhof“ einladen. Was hat sie damit im Sinn?

„Der Friedhof ist einfach herrlich, oder?“, betont die Ansbacherin, „egal wo du bist.“ Sie könnte hier Stunden verbringen. Ein Trauercafé im engeren Sinn hat sie mit ihrer Idee nicht vor. Das Wort „Trauer“ findet sich deshalb auch nicht im Namen. „Ich biete einfach an, dass man sich hier ein bisschen gemütlich hinsitzen kann“, stellt sie fest. Wer dann möchte, kann einen Tee, einen Kaffee oder Wasser erhalten.

Starten will Adelheid Seiler zunächst mit einem Termin einmal in der Woche, immer donnerstags von 15 bis gegen 16.30 Uhr oder etwas länger. „Jetzt mache ich es dieses Jahr, dann werde ich eine Bilanz aufstellen und dann mache ich es entweder weiter oder nicht“, macht die ehemalige ehrenamtliche Leiterin der Wärmestube deutlich. Bei Regen fallen die Treffen aus.

Der erste Termin ist für den 15. Mai geplant

Erst einmal will sie Termine bis einschließlich Oktober vorhalten. Der erste ist für 15. Mai vorgesehen. Vom linken Eingang des Friedhofs müssen die Menschen nur hinauf zu dem kleinen Platz neben einer kleinen Gerätehalle laufen. Adelheid Seiler will aber auch kleine Plakate aufhängen. „Die Idee habe ich schon seit Jahren“, sagt die 80-Jährige.

Die Menschen sollen sich hier ausruhen, die Bäume oder die Stille (abgesehen vom Verkehrslärm) genießen, die Vögel zwitschern hören oder sich einfach kurz oder lange unterhalten können.

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Der Traueraspekt spielt für Adelheid Seiler dennoch eine Rolle. „Sehr viele gehen alleine über den Friedhof“, erzählt sie. Zwar gebe es hier Sitzbänke, aber die wenigsten setzten sich alleine hin. Sie möchte bei den „Gesprächen am Waldfriedhof“ niemandem ein Gespräch aufzwingen, aber vielleicht erzählen die Menschen gern oder sind glücklich, dass sie hier jemanden treffen.

Im Hospizverein Ansbach machte sie ihr Angebot schon bekannt. Die Menschen dort „finden das ganz toll“, führt die Ansbacherin aus. Einer Gruppe des Vereins legte sie ihr Konzept bereits dar. „Viele Menschen sind, wenn sie jemanden verlieren, sehr einsam“, unterstreicht sie. Ihr Angebot soll dazu dienen, dass sie kurze Zeit nicht allein sind.

Die Initiatorin freut sich über Zuwachs

Von der Stadt bekommt sie zwei Klapptische und vom städtischen Betriebsamt sechs Stühle, wie die pensionierte Gymnasiallehrerin erzählt. Aufwendiger ausgestattet soll das Ganze erst einmal gar nicht sein. „Und wem es dann nicht gefällt und wem es zu einfach ist, der kommt halt nicht mehr“, meint sie resolut. Der städtische Baureferent Jochen Büschl jedenfalls sei höchst angetan von ihrer Idee.

Die ersten Wochen der „Gespräche am Waldfriedhof“ würde die ehemalige Stadträtin in der BAP-Fraktion allein bestreiten. Allerdings freut sie sich über Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sich von dem Gedanken anstecken lassen und mitwirken möchten. Sie können sich bei ihr melden. Viel Arbeit sieht sie damit nicht verbunden.

Warum entschied sie sich gerade für den Waldfriedhof? „Ich liebe den, viel mehr als den Stadtfriedhof“, erwidert sie. Der Stadtfriedhof sei vom Verstand her betrachtet sehr schön und stelle eine besondere Ruhestätte dar – aber der Waldfriedhof „ist das, was ich mir vorstelle“.

Wer mehr über Adelheid Seilers Angebot erfahren oder mitwirken will, wendet sich per E-Mail an sie: adelheid.seiler@gmx.de.

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