Der Hospizverein Rothenburg begleitet schwerstkranke beziehungsweise sterbende Menschen und möchte gleichzeitig deren Angehörige entlasten und unterstützen. Jetzt gab es einen Erfahrungsaustausch.
Die drei Koordinatorinnen Ursula Memhardt, Susanna Henselin und Christiane Phillipp luden die in der Ausbildung zur Hospizbegleiterin oder Hospizbegleiter stehenden Frauen und Männer zu einem Erfahrungsaustausch über die vergangenen Monate ein. Im Detwanger Gemeindehaus hatte die aus 14 Frauen und einem Mann bestehende Runde in der Mitte der Ausbildung nach der langen Sommerpause Gelegenheit, über ihre Erlebnisse während des Praktikums in der ambulanten und stationären Pflege zu berichten.
„Dass wir so viele Ehrenamtliche haben, die bereit sind, sich auf die Begleitung Sterbender und die Sorgen und Nöte trauernder Angehörige einzulassen, ist keine Selbstverständlichkeit“, so Ursula Memhardt. „Wir sind offen für alle Lebensfragen und bieten allen Hilfesuchenden an, bei uns anzurufen.“
Auf die Frage, was sie denn in der Ausbildung besonders beeindruckt hat, kommen aus der Runde ganz unterschiedliche Antworten: „Ich habe eine entsprechende Anzeige in der Tageszeitung entdeckt und gedacht: Das wäre was für mich. Die Ausbildung in einer Diakoniestation und in einem Pflegeheim hat meinen Horizont enorm erweitert. Kontakt zu Menschen zu gewinnen und die Dankbarkeit der Hilfsbedürftigen und der Angehörigen zu spüren, ist etwas Großes. Alles, was ich vorher in der Theorie zum Thema Demenzbetreuung gehört hatte, konnte ich nun im Pflegeheim in der Praxis erleben.“
Eine andere Antwort stellt die eigene Dankbarkeit als Motivation in den Vordergrund: „Ich habe meinen Mann durch eine unheilbare Krankheit verloren. Er hat daheim in seiner vertrauten Umgebung sterben dürfen. In dieser schweren Zeit habe ich aber auch viel Gutes erfahren dürfen. Ich möchte etwas zurückgeben, Menschen begleiten und damit meinen Dank zum Ausdruck bringen.“
Die Telefonnummer 0151/54809353 sei immer zuverlässig erreichbar. Jeder könne sich darauf verlassen, dass auf den Anrufbeantworter gesprochene Nachrichten sehr zeitnah beantwortet werden, verlautete bei dem Treffen.
Susanna Henselin berichtet von einem besonderen Angebot für trauernde Männer. „Aktuell trifft sich ein Team mit sechs Teilnehmenden zum Kochen auf dem Gelände des Campus Rothenburg. Wir sind sehr dankbar, dass man uns für diese Form der Trauerbewältigung Räumlichkeiten im Campus zur Verfügung stellt.“
Von einer anderen Auszubildenden kam der dringende Appell, sich rechtzeitig Gedanken zu machen über die Patientenverfügung. Der Hospizverein bietet allen Interessierten ein informelles Gespräch an. Das Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ist auch ein weiterer Baustein in der Hospizbegleiter-Ausbildung.
„Im Hospizverein gibt es drei geschulte Berater, die für dieses sensible Thema zur Verfügung stehen“, ergänzt Ursula Memhardt. Leider würden Gedanken ans Lebensende von vielen Menschen ausgeklammert und im Ernstfall seien Angehörige oft total überfordert. Allerdings würden sich gerade ältere Menschen oft weigern, Empfehlungen anzunehmen und die nötigen Schritte zu tun.
Ob es einen Zusammenhang zwischen dem persönlichen Glauben und dem ehrenamtlichen Dienst gibt? „Wenn ich Menschen Hilfe bringe, ist das gelebte Nächstenliebe. Ich würde das nicht von meinem Glauben abhängig machen wollen“, hieß es aus der Runde. Oder: „Die Hospizarbeit setzt sich für das Leben ein – das kann man nicht einer Religionszugehörigkeit festmachen.“
Die zukünftigen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter berichteten, dass sie bei der Ausübung ihres Dienstes durchaus ganz unterschiedliche Erfahrungen machen würden. „Da gibt es echt schöne Momente, die mich glücklich machen.“ Aber andererseits werde man auch mit sehr schwierigen Schicksalen konfrontiert, bei denen man unsicher werde: „Ich weiß nicht, ob ich das machen kann, habe ich mich in einem konkreten Fall gefragt.“
„Wenn wir Rat und Hilfe brauchen, sind unsere Koordinatorinnen jederzeit für uns da.“ Da war sich die Runde der Auszubildenden einig: “Wenn wir einmal an unsere Grenzen kommen, haben wir so viel Vertrauen, dass wir bei ihnen gut aufgehoben sind.“ Als ob sie für alle sprechen möchte, hat eine andere Auszubildende ihre Motivation so zusammengefasst: „Jedes gute Wort ist eine Wohltat. Darum komme ich auch gerne hierher.“