Im September startet der Hospizverein ein neues Angebot: Es gibt „Seelenfutter“ für trauernde Männer. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat, immer mittwochs für etwa drei Stunden.
Petra Underbrink ist die Vorsitzende des Hospizvereines. Das Trauercafé, das regelmäßig stattfindet, wird überwiegend von Frauen besucht, erzählt sie. Männer trauern anders. Man wolle ihnen die Möglichkeit geben, sich auszutauschen, etwas gemeinsam zu tun.
Da kam die Idee, eine Männerkochgruppe ins Leben zu rufen. Angeleitet und unterstützt wird die Kochgruppe von Susana Henselin mit den beiden Ehrenamtlichen Eva Eggler und Peter Baumüller. Man wolle gemeinsam schnippeln, rühren, kochen, brutzeln, so Henselin, und natürlich im Anschluss die selbst zubereitete Mahlzeit genießen, dabei ins Gespräch kommen, sich austauschen. Männern falle es scheinbar schwerer als Frauen, in einer größeren Runde gezielt über ihre Gefühle zu sprechen. Doch in der Kochgruppe liege der Fokus auf der Aktivität, Gespräche fänden eher nebenbei statt.
Schwierig sei es gewesen, so Eva Eggler, einen Ort zu finden, wo sich die trauernden Männer zum Kochen treffen könnten. Weder die Kirchen noch die Schulen konnten Räume dafür anbieten. Bei anderen Einrichtungen seien die Mieten so hoch gewesen, dass der Hospizverein sie nicht hätte bezahlen können. Es ist also eine Fügung, dass der Campus sofort „Ja“ gesagt, sich über die Anfrage sogar sehr gefreut habe.
Der Campus möchte nicht nur ein Lernort für Studierende sein, so der Geschäftsführer Dr. Florian Diener, sondern auch ein Ort des Wissens und der Begegnung für Menschen in der Stadt und der Umgebung. Man setze auf ein diversifiziertes Angebot für verschiedene Interessensgruppen.
Der Campus verfüge über eine „wunderschöne moderne Küche mit einem fantastischen Blick auf die Stadt“, die man gerne für die Männer, die in Trauer sind, öffne. Und auch die Finanzierung für „Seelenfutter“ konnte zur Zufriedenheit aller gelöst werden, denn der Verein Freunde und Förderer des Campus Rothenburg übernimmt die Kosten für die Miete.
Für die zu verarbeitenden Lebensmittel kommt der Hospizverein auf, so dass für die Teilnehmer der Kochgruppe keinerlei Kosten entstehen. Der Hospizverein sei dem Campus und seinem Förderverein sehr dankbar für die großzügige Unterstützung, nicht zuletzt sei dieses Engagement eine große Wertschätzung der Arbeit, betonte Underbrink.
Eingeladen sind in die offene Gruppe „Seelenfutter“ Männer aller Altersstufen, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Es werden alltagstaugliche Gerichte zubereitet, die auch zu Hause einfach nachkochbar sind.
Ziel sei es, die Männer zu motivieren, selbst wieder aktiv zu werden, auf andere zuzugehen, sich auszutauschen. Oft sind es die Partnerinnen, die verstorben sind – und mit ihnen eine Reihe an Sozialkontakten.
Während Männer bei ihrer beruflichen Tätigkeit eher den Aufstieg und die Arbeit als wichtig ansähen, müsse bei den Frauen das soziale Umfeld stimmen. Diese Rollenbilder würden in den Medien vorgelebt, sagt Diener. Männer würden als stark, leistungsorientiert und erfolgreich dargestellt, Frauen als sozial aktiv.
Peter Baumüller ist Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, war bereits in der Tauschbörse in Neustadt/Aisch ehrenamtlich aktiv. Auch er hat immer wieder beobachtet, dass bei Männern am Arbeitsplatz weniger soziale Kontakte entstehen als bei Frauen. Und er erinnerte daran, dass durch den Tod der Partnerin in der Regel auch eine Rente wegfalle.
Oft sei es die Frau gewesen, die eingekauft und gekocht habe, für ein ansprechendes Zuhause gesorgt und Außenkontakte gepflegt habe. Dies alles falle plötzlich weg, der Mann müsse mit allem alleine zurechtkommen. Doch darauf sei er nicht unbedingt vorbereitet. Berufstätige Männer müssten auch nach dem Tod eines geliebten Menschen zügig wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, funktionieren. Underbrink betonte, das sich der Hospizverein nicht nur mit Sterbebegleitung beschäftige, sondern den zurückgebliebenen Menschen wieder gute Tage geben und ihre Trauer begleiten möchte. Man will den Menschen Schritte zeigen, die sie zurück ins Leben finden lassen.
Einen weiteren wichtigen Aspekt griff Baumüller auf, denn die Babyboomer gehen in den nächsten Jahren in Rente, eine große Bevölkerungsgruppe. Die Pflegeheime seien jetzt schon überfüllt, es mangele an Fachpersonal, doch der Bedarf an Pflegeplätzen steige rasant. Eigentlich müsste die Politik für die Problematik Lösungen finden. Doch scheinbar verlasse man sich darauf, dass sich möglichst viel im Bereich Begleitung und Betreuung ehrenamtlich regeln lasse.
Und auch das Thema Altersarmut war im Pressegespräch präsent. Wenn das Geld nicht reiche, können sich ältere Menschen einen Stammtischbesuch einfach nicht leisten, blieben einsam zu Hause. In der Reihe „Lebenszyklen“, die der Campus für den Herbst vorgesehen hat, werden solche Themen zur Sprache kommen.
Die Kochgruppe trifft sich am 24. September, 29. Oktober, 19. November und 17. Dezember jeweils von 17 bis etwa 20 Uhr am Campus der Hochschule Ansbach. Um besser planen zu können, wird um eine Anmeldung über info@hospizverein-rothenburg.de gebeten. Die Teilnahme ist kostenlos. Bei Fragen kann sich unter 0151/54809353 gemeldet werden.