Neue Greifvogelstation in Krautostheim: Sie retten Falken das Leben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.10.2023 15:15

Neue Greifvogelstation in Krautostheim: Sie retten Falken das Leben

Maria Auer mit einem Wüstenbussard. Die Männchen, in der Fachsprache „Terzel“, sind bei den meisten Greifvögeln kleiner als die Weibchen, dafür sind sie wendiger und flinker. (Foto: Ulli Ganter)
Maria Auer mit einem Wüstenbussard. Die Männchen, in der Fachsprache „Terzel“, sind bei den meisten Greifvögeln kleiner als die Weibchen, dafür sind sie wendiger und flinker. (Foto: Ulli Ganter)
Maria Auer mit einem Wüstenbussard. Die Männchen, in der Fachsprache „Terzel“, sind bei den meisten Greifvögeln kleiner als die Weibchen, dafür sind sie wendiger und flinker. (Foto: Ulli Ganter)

Die Geschichte, die Maria Auer mit Greifvögeln und Eulen verbindet, reicht zurück bis in ihre Kindheit in Rumänien. Sie hat weniger mit adeligem Jagdvergnügen zu tun als mit dem Schützen und Retten, das ihr heute noch – genau wie ihrem Sohn Danilo Batz – am Herzen liegt. Im Sugenheimer Ortsteil Krautostheim ist seit kurzem eine Greifvogelauffangstation.

In der Sommerküche der Großeltern, so erzählt sie, hätten sich früher immer Waldohreulen eingenistet. „Wenn angeschürt wurde, mussten sie ausgehorstet werden.“ Zum Teil seien sie zahm geworden. Eine blieb sogar da.

In Deutschland kann man aber nicht so einfach mit einer Waldohreule zusammenleben: Es hieß, man braucht einen Jagdschein. In der Familienphase geriet das Projekt deshalb erst einmal in den Hintergrund. Zwischenzeitlich versuchte Maria Auer, mit einem Kakadu warm zu werden. Aber: „Das ist nicht das Gleiche.“

Familie ist fasziniert von Greifvögeln

Vor knapp vier Jahren erfuhr sie, dass ein Sachkundenachweis zum Halten eines Greifvogels reicht. Gesagt, getan. Der große Sohn Christoph bekam den Wüstenbussard Aria, denn die Lieblingstiere ihrer beiden Söhne waren noch nie Pferde oder Katzen: Christoph faszinierten von klein auf Falken, Danilo schloss Eulen in sein Herz.

Aria ist noch immer da – eine Diva, die nicht jagt und in deren Nähe sich sogar Ringeltauben aufhalten, wie Auer erzählt. Doch nicht mehr Christoph, der in seinem Job zu sehr eingespannt war, kümmert sich um sie, sondern sein Bruder Danilo und seine Mutter. Im Frühjahr 2021 kam ein Bengalen-Uhu dazu. Der „flatterte“ als Baby ins Haus und wurde per Hand aufgezogen. Es gab weiteren Zuwachs: eine sibirische Uhudame, Weißgesichtseulen – es mussten ständig neue Volieren gebaut werden.

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Der Turmfalke brauchte im Zwei-Stunden-Rhythmus Spezialnahrung.

Maria Auer

Vögel wurden in Krautostheim abgegeben, weil sie verletzt waren. Obwohl Maria Auer und Danilo Batz inzwischen zusätzlich den Jagd- und Falknerschein – er den großen, sie den kleinen (ohne das Schießen) – gemacht hatten, blieb die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt lange skeptisch gegenüber einer Greifvogelauffangstation.

Die 53-Jährige vermutet, dass den Ausschlag für den Gesinnungswandel das Tierheim in Unternesselbach gegeben hatte. Das machte klar, dass es diese Tiere nicht aufnehmen kann. Was sollte also mit dem hilfsbedürftigen kleinen Turmfalken geschehen, den die Leute nach Krautostheim gebracht hatten? Die Amtsveterinärin nahm erst vor wenigen Wochen alles ab. Die Greifvogelauffangstation ist genehmigt.

Beim Aufpäppeln verzeichnet Maria Auer Erfolge

Gerade wird ein Verein gegründet, der „Greifvogelschutz Palmenhorst“ – eine Anspielung auf die mediterranen Pflanzen, welche Maria Auer hauptberuflich verkauft. Die Aufnahme der Vögel ist mit hohen Kosten für den Tierarzt, weite Fahrten dorthin und das Futter verbunden – ganz abgesehen von der Mühe, die sie verursacht. Viele Vögel seien beim Sturm im August aus dem Nest gefallen. Maria Auer erzählt von Schützlingen, denen der Tierarzt keine Überlebens-Chance einräumte. „Auch der schon tot gesagte Turmfalke musste Tag und Nacht im Zwei-Stunden-Rhythmus mit einer Spezialnahrung aufgepäppelt werden.“ Mit Erfolg.


Eine Falknerei besteht nicht aus Flugschauen.

Danilo Batz

„Mit meinen erkälteten Sultanhühnern habe ich sogar schon inhaliert.“ Dazu saß sie mit dem Huhn auf dem Arm und einer dampfenden Schüssel unter einer großen Decke. Die Hühner – auch davon gibt es in Krautostheim exotische Arten – sind wieder wohlauf.

Bei dieser Affen-, pardon: Vogelliebe versteht man, dass unter den Falknern der Spruch kursiert: „Man muss schon einen Vogel haben, um einen (Greif-)Vogel zu haben.“

Es sei aber ein Irrglaube, dass man ein krankes Tier nur gesund pflegen muss und es dann freilassen kann. Den Jungvögeln muss man – anstelle der Eltern – das Jagen beibringen. Selbst bei einem älteren Vogel gelte: „Das Schlimmste, was man machen kann, ist einfach die Türe aufzumachen, wenn er wiederhergestellt ist. Er hat keine Muskulatur mehr, keine Kondition.“

Jagen wird mit Attrappen geübt

Fürs Training wird ihnen ein Geschüh angelegt – so heißen die Riemen an den Füßen – und mit einer Attrappe, auf die man Futter bindet, das Jagen geübt. Der Vogel ist an einer sehr langen Schleppleine. Der Wanderfalke, der seine Beute in der Luft fängt, wird anders trainiert als der Turmfalke, der auf dem Boden nach Mäusen Ausschau hält.

„Hades ist schlecht gelaunt wegen seiner Diät“, sagt Danilo Batz zwischendurch. Er will mit dem Federspiel die Jagdkünste des Wüstenbussards demonstrieren. Auer/Batz haben Gastjagdrecht in Welbhausen, Gollhofen und Markt Nordheim. „Aber wir legen es nicht darauf an, möglichst viel Strecke zu machen“, betont Auer. Zwar muss auch Hades genug Appetit haben, damit er wieder auf den Handschuh (in dem eine Belohnung auf ihn wartet) zurückkehrt. Aber in vielen klassischen Falknereien würden die Vögel systematisch hungern und haben eine viel kürzere Lebenserwartung, als sie natürlicherweise haben müssten, beklagt sie.

„Eine Falknerei besteht nicht aus Flugschauen. Falknerei bedeutet, sich den Greifvogel zum Freund zu machen“, sagt Danilo Batz voller Überzeugung. Das darf man sich aber nicht so vorstellen wie bei einem Hund. Die meisten Greifvögel sind – anders als Eulen – nicht auf einen bestimmten Menschen geprägt. Außerdem fasziniert den jungen Mann die 3000 Jahre alte Tradition der Falknerei. „Das wollen wir erhalten.“

Greifvögel als wichtiger Bestandteil im Ökosystem

Bei manchen Jägern, Bauern und Forstleuten seien Greifvögel immer noch in Verruf. Ganz aktuell wurde wieder ein vergifteter Uhu in Schauerheim (Neustadt) gefunden. Deshalb gehört als drittes Tätigkeitsfeld neben der Auffangstation und der klassischen Falknerei für das Mutter-Sohn-Duo die Öffentlichkeitsarbeit zwingend dazu. „Diese Vögel haben eine wichtige Stellung im Ökosystem. Es gibt etwa 100.000 Mäusebussarde in Deutschland, im Jahr frisst jeder davon 5000 bis 7000 Mäuse. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass von der Getreideernte etwas übrig bleibt.“


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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