Hermann Neuser aus Deutenheim kennt die weltweite Erfolgsgeschichte der aus Franken stammenden Rasse. 1875 wurde für sie in Uffenheim der erste Stammzuchtverein gegründet. Sie wird auch „Gelbes Frankenvieh“ oder einfach „Frankenvieh“ genannt. Tausende davon gibt es in den USA, Kanada, Australien und Südafrika, erzählt der Landwirt aus dem Ortsteil von Sugenheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Gelbvieh entstammt dem roten altfränkischen Vieh, in das im Laufe der Jahrhunderte verschiedene weitere Rassen eingekreuzt wurden. 1872 wurde begonnen, das Simmentaler Rind – das Fleckvieh – aus der Schweiz zu importieren und so die Zucht auf ein einfarbiges gelbes Rind umzustellen. Die ersten Zuchtverbände entstanden in Mittel-, Ober- und Unterfranken – heute ist der Zuchtverband in Nürnberg zu finden.
Weltweit wurden die verschiedensten Richtungen – vom Angus bis zu roten Dänen – eingekreuzt, so dass das Gelbvieh nicht nur „gelb“ ist, wie zu Beginn der Geschichte, sondern viele Farben hat, weiß Neuser. Aber jedes Tier ist für sich genommen einfarbig. Der „Scheinfelder Schlag“ bezeichnet eine sehr hellgelbe Farbe.
Die Halter und die Tiere in Deutschland werden immer weniger, so dass die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen“, kurz GEH, das Gelbvieh für das Jahr 2025 zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2025“ ausgerufen hat. Die Zahlen gingen dramatisch zurück; aktuell macht Gelbvieh nur noch 0,1 Prozent des bayerischen Rinderbestandes aus.
Der Deutenheimer Hermann Neuser zählt zu den Exoten: „Aktuell haben wir im Landkreis nicht viele herdbuchführenden Gelbviehhalter.” Die Zahlen seien für ihn „etwas erschreckend“. So seien es in der Doppelnutzung (Milch und Fleisch) zehn Betriebe mit 135 Kühen und in der Mutterkuhhaltung (nur Fleisch) fünf Betriebe mit 40 Kühen. Für die Erhaltungszucht seien nur Betriebe mit Herdbuch relevant, auch wenn es noch einige Betriebe mehr gibt, die noch Gelbvieh halten.
Der Biolandwirt Hermann Neuser betreibt seinen Hof nach Naturland-Regeln. Er hält die Tiere aus Tradition: Sein Vater wirtschaftete bereits mit Gelbvieh. Dieser hielt mehrere Rassen, darunter auch die „Schwarzbunten“. „Gelbvieh war noch in den 1950er Jahren als Dreifachnutzer stark geschätzt: als Zug-, Fleisch- und Milchtier“, erzählt Neuser. Doch die Arbeitskraft des „Frankenviehs“ war aufgrund des zunehmenden Maschineneinsatzes nicht mehr notwendig.
Neuser war bereits ausgebildeter Landwirt, als er 1991 in die Gelbvieh-Mutterkuhhaltung einstieg. Das heißt: Fleischtiere sollen es werden. Das Milchkontingent wurde verkauft. „Dass man unsere Kühe melkt, mögen sie gar nicht. Die kennen das nicht“, erzählt Tochter Alexandra, die an der TU München Agrarwissenschaft studiert. Von der Milchleistung der Mütter profitieren alleine die Kälber. 27 Tiere sind derzeit im Stall.
Chef ist Bulle Claudius, zwei männliche Jungtiere („Absetzer“ genannt) stehen in einem separaten Gatter, die restlichen 24 sind weibliche Tiere; 18 Mütter und sechs weibliche Absetzer. Die Seniorin im Stall ist elf Jahre alt. Ganz interessant: Genetisch bedingt haben einige Tiere Hörner, einige nicht. Das gilt auch für das weibliche Vieh.
Hermann Neuser hat Gründe, weshalb er sich ganz auf Gelbvieh konzentriert. Er kommt einfach mit diesen Tieren sehr gut klar. „Wenn es weltweit Tausende dieser Tiere gibt, wieso soll ich sie vor Ort nicht halten?“, dachte er sich. Und die Weidehaltung, so beschreibt Hermann Neuser, war genau sein Ding.
Seine Weiden sind nicht vor Ort, sondern in Markt Nordheim und Bad Windsheim in der Gräf. Dorthin werden die Tiere im Frühjahr transportiert und bleiben meist bis zum späten Sommer da, bis sie wieder in den heimischen Stall nach Deutenheim zurückgefahren werden, da sie dann auf den Weiden kein Gras mehr vorfinden.
Der Nebenerwerbslandwirt, der sich zusätzlich zum Techniker für Landbau ausbilden ließ und im Hauptberuf am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Uffenheim mittlerweile gehobenen Dienst verrichtet, schätzt am Gelbvieh so manches. Dessen ruhige und ausgeglichene Art hat ihm schon immer gefallen. Die Einfarbigkeit – genau gesagt die Komplettpigmentierung – welche die Tiere im Sommer vor Sonnenbrand schützt, sei ebenfalls von Vorteil.
Seine Kenntnis der Rasse in Kombination mit der Weidehaltung und die Tatsache, dass Letzteres viel Arbeit erspart, sind die Rahmenbedingungen, die Neuser auch in Zukunft am Gelbvieh festhalten lassen. Wie er betonte, habe er einen Natursprung-Betrieb, besamt wird hier nicht. Der Bulle Claudius gibt im Betrieb alleine seine Erbanlagen an die nächste Generation weiter.
Die weiblichen Tiere werden im Sommer auf natürliche Weise gedeckt – neun Monate später kommen die Kälber im Wesentlichen alleine auf die Welt. Nach zwei Jahren haben die männlichen Tiere die Schlachtreife erreicht. In diesem Alter werden die weiblichen Tiere teils an andere Betriebe verkauft oder zur Nachzucht eingesetzt. Gelbvieh gilt als Hausrasse mit guten Muskeln und kräftigen Knochen.
Wenn Neuser im Vollerwerb Rinder halten würde, wäre das auch Gelbvieh, sagt er auf Nachfrage. Die häufigste Rasse in Franken ist allerdings das Fleckvieh. Dies habe sich durchgesetzt, da dessen Milchleistung im Laufe der Jahrzehnte gesteigert werden konnte. Beim Gelbvieh dagegen veränderte sich diese kaum.
In Kanada und den USA wird „Gelbvieh“ heute mittlerweile überwiegend in einer schwarzen Farbvariante gezüchtet, die es in Deutschland nicht gibt. Bei dem in Deutschland verbreiteten Gelbvieh soll das Flotzmaul hell sein, die Hörner ebenfalls hell mit dunkler Spitze und die Klauen dunkel.
In Bayern und in Nordrhein-Westfalen wird die Zucht der Rinderrasse Gelbvieh staatlich gefördert, zum Teil auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Hessen. Für die Erhaltung der Rasse tritt die „Interessengemeinschaft für das Deutsche Gelbvieh“ ein, der auch Neuser angehört. Ebenso ist er Mitglied im Fleischrinderzuchtverband Bayern. Dort werden 28 Rassen betreut.
Stolz ist Neuser darauf, dass seine Kuh „Ismene“ es schon einmal auf das Cover einer Verbandszeitschrift geschafft hat. Ein Model, also.