Ärger mit dem Vermieter, eine Kündigung und enge Spielräume bei den Finanzen: Das Raubtier- und Exotenasyl im Ansbacher Ortsteil steht vor einer äußerst ungewissen Zukunft. Dass bei einer Mitgliederversammlung Endes des Jahres der große Knall ausgeblieben ist, ändert an der Situation erst einmal nichts.
Idyllisch am Ortsrand von Wallersdorf gelegen, kümmert sich der 2007 gegründete Verein um Raubkatzen und exotische Tiere aller Art, die aus illegalen oder schlechten Haltungen stammen. Die Ehrenamtlichen erfüllen also staatliche Aufgaben. Aktuell leben in Wallersdorf neun Tiere – darunter Tiger-Senior Boris, die eurasischen Luchse Rokko und Anubis sowie der Serval Bagheera.
So idyllisch das im ersten Moment klingen mag, ist es allerdings schon lange nicht mehr. Seit Jahren hängen dunkle Wolken über dem Verein. Das hat unter anderem mit Meinungsverschiedenheiten mit dem Verpächter des Grundstückes zu tun, die mittlerweile sogar vor Gericht ausgetragen werden. Zudem wurde den Verantwortlichen der Pachtvertrag zum 31. März 2026 gekündigt.
Eben wegen dieser fehlenden Zukunftsperspektive hatte ein Mitglied in der Versammlung am Wochenende den Antrag gestellt, den Verein aufzulösen, wie Manuel Buck, zoologischer Leiter und bis 1. Dezember dieses Jahres Vorsitzender, im Gespräch mit der Fränkischen Landeszeitung berichtet. Eine beeindruckende Mehrheit habe gegen den Antrag gestimmt, so Buck weiter. Der große Knall ist nach seinen Worten also ausgeblieben.
Gleichwohl zeigte er Verständnis für den Antrag. „Es kamen Argumente, die mich auch zum Nachdenken gebracht haben, weil wir einfach keine Perspektive haben”, gibt Buck zu. „Wir haben keine Aussicht auf ein neues Grundstück, wir haben auch keine Aussicht, dass das aktuelle Grundstück noch an uns verkauft wird.”
Im Idealfall ließe sich das Verhältnis zum Verpächter wieder kitten. „Wir würden es eigentlich anstreben.” Auch wenn die Situation gerade aussichtslos erscheinen mag, die Hoffnung wollen die Verantwortlichen des Raubtier- und Exotenasyls noch nicht aufgeben.
Trotzdem muss vorgesorgt werden. „Natürlich strecken wir jetzt sicherheitshalber die Fühler aus und schauen, dass wir auch Plätze haben.” Dass der Verein über gute Kontakte verfügt, hat sich erst im September gezeigt. Vor knapp drei Monaten wurde die Servalkatze „Feder” an eine Auffangstation in Spanien vermittelt, wo sie mit Artgenossen in einem besseren Klima leben kann.
Eine Garantie, dass dies in jedem Fall so funktioniert, gibt es nicht. Gerade bei einem Serval oder einem Tiger ist das nicht ganz so einfach, wie Buck betont. Das Thema Auswilderung, das gerne von Tierschützern gefordert wird, die grundsätzlich etwas gegen Käfighaltungen haben, bezeichnet Buck als absolut illusorisch. „Die Tiere sind an den Menschen gewöhnt und verbinden ihn mit Futter”, erklärt Buck. Die Folge: Auch in der Natur werden sie irgendwann die Nähe zu den Menschen suchen. „Das wird dann irgendwann gefährlich.”
Auf der Straße werden Verein und Tiere übrigens nicht stehen, wenn bis Ende März keine Lösung gefunden ist. „Die Tiere dürfen nicht obdachlos sein.” Die Stadt würde dem Verein das Grundstück wieder zuteilen, wie Buck berichtet. In der Folge würde sich wahrscheinlich das Veterinäramt einschalten und schauen, dass die Tiere vermittelt werden.
Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen bei Manuel Buck. Die Doppelbelastung aus Vereinsvorsitzendem und zoologischem Leiter wurde irgendwann zu viel. Auch aus gesundheitlichen Gründen hat er die Reißleine ziehen müssen, hat zum 1. Dezember sein Amt als Vereinschef abgegeben. Seine Nachfolgerin ist die bisherige Stellvertreterin Petra Schmidkte.
Buck will weiter kämpfen und alles dafür tun, das Worst-Case-Szenario zu vermeiden. Um persönliche Siege geht es ihm freilich nicht, es geht ihm um die Tiere, die im Exotenasyl in Wallersdorf leben.