Leutershausen und Szendrö: Eine Partnerschaft im Koma | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.07.2025 14:43

Leutershausen und Szendrö: Eine Partnerschaft im Koma

Da war die Partnerschaft zwischen Szendrö und Leutershausen noch in voller Blüte: 2005 trat bei der Kirchweih eine Folkloregruppe aus Ungarn auf. (Archivfoto: Ulrich Brühschwein)
Da war die Partnerschaft zwischen Szendrö und Leutershausen noch in voller Blüte: 2005 trat bei der Kirchweih eine Folkloregruppe aus Ungarn auf. (Archivfoto: Ulrich Brühschwein)
Da war die Partnerschaft zwischen Szendrö und Leutershausen noch in voller Blüte: 2005 trat bei der Kirchweih eine Folkloregruppe aus Ungarn auf. (Archivfoto: Ulrich Brühschwein)

Vor 25 Jahren wurde in der ostungarischen Kleinstadt Szendrö im Beisein einer Delegation aus Franken die Städtepartnerschaft mit Leutershausen besiegelt. Inzwischen liegt sie quasi im Koma – doch gänzlich aufgeben will man die Patientin nicht.

Einen ganzen Reisebus füllten die Leutershäuser, die Ende Juni 2000 ins 1000 Kilometer entfernte Szendrö fuhren zur feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde. Es waren vier feucht-fröhliche Tage, die sie im hintersten Winkel Ungarns verbrachten. Die Teilnehmenden erfreuten sich herzlicher Gastfreundschaft, die sie alsbald bei Gegenbesuchen in Franken erwiderten. Immer wieder überwanden in den folgenden Jahren Abordnungen in beide Richtungen die große Distanz und die Sprachbarriere.

Über vereinzelte Freundschaften hinaus ging das Bündnis indes nie. Ein Schüleraustausch beispielsweise entwickelte sich nicht. „Die sprachliche Hürde ist eine große Herausforderung“, sagt Leutershausens Bürgermeister Markus Liebich, der darin auch einen der zentralen Gründe dafür sieht, dass die Partnerschaft über die Jahre nicht erblühte wie andere Städtebündnisse, sondern allmählich welkte.

Es fehlt der Motor

„Das ist sehr eingeschlafen“, bedauert auch Willi Krauß aus Frommetsfelden, dem es maßgeblich zu verdanken ist, dass der Kontakt überhaupt entstanden ist. Denn in seiner Zimmerei arbeitete Martin Karl, der „Urvater“ der Städteverbindung. Der 71-Jährige kommt bis heute regelmäßig, wenn auch immer seltener ins Leutershäuser Gäu, um gebrauchte Gerätschaften einzusammeln und in Ungarn runderneuert zu vermarkten. Er hatte seinerzeit mit dem damaligen Bürgermeister Dieter Gundel die Partnerschaft eingefädelt.

Warum davon kaum noch etwas übrig ist? „Da sind viele Probleme zusammengekommen“, meint Martin Karl. Als mit Ex-Bürgermeister Siegfried Heß im Jahr 2023 einer der letzten Protagonisten verstarb, schlief der Austausch vollends ein. „Von beiden Seiten“, betont Karl. Auch in Szendrö fehle ein Motor, der die Sache am Laufen hält. Aus dem dortigen Rathaus kam auf eine Anfrage der FLZ keinerlei Reaktion.

Heß’ Nachfolgerin Sandra Bonnemeier habe sich nicht um die Partnerschaft gekümmert, und auch vom aktuellen Leutershäuser Rathauschef gebe es kaum Impulse, bedauert Martin Karl. Das räumt Markus Liebich ein, sagt aber: „Es liegt nicht am mangelnden Willen, sondern an fehlenden Kapazitäten.“ Im Jahr 2020, zum 20. Jubiläum, hatte er kurz nach seinem Amtsantritt noch erklärt, er wolle die schon damals schlummernde Verbindung neu beleben.

Funkstille zum Jubiläumstag

Vor fünf Jahren schickte die Stadt Leutershausen noch eine von Christine Krach getöpferte Erinnerungstafel, und Szendrö sandte eine Video-Botschaft. Das aber waren, abgesehen von gegenseitigen Weihnachtsgrußkarten, die beiden letzten offiziellen Lebenszeichen des Ost-West-Brückenschlages, der so vielversprechend begonnen hatte. Zum heutigen Jubiläumstag herrscht Funkstille.

Dabei sind solche Impulse für die Völkerverständigung gerade jetzt wichtiger denn je, findet Liebich. Zwar hätten sich die politischen Rahmenbedingungen inzwischen geändert – als der Kontakt entstand, war Ungarn noch EU-Beitrittskandidat. Doch das Zusammenwachsen Europas beginne auf kommunaler Ebene, ist der Bürgermeister überzeugt. Städtepartnerschaften leisten ihren Beitrag, um gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. Die Väter der Partnerschaft mit Szendrö hätten da „Pionierleistungen“ erbracht für das friedliche Zusammenleben und für den Abbau von Ängsten und Vorurteilen.

25 Jahre – das sei ein Anlass, „darüber nachzudenken, ob und wie wir das wieder beleben können“, findet Liebich. Aber man müsse durchaus auch die Frage stellen, ob nicht auch „andere Partnerschaften förderungswürdig sind“. Denn „über allem steht das Thema Sprache“.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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