Gemeinwohl statt Glitzerprojekte: Abschied von Harald Endreß in Markt Nordheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.04.2026 12:30

Gemeinwohl statt Glitzerprojekte: Abschied von Harald Endreß in Markt Nordheim

Harald Endreß gibt das Bürgermeisterschild an seine Nachfolgerin Karin Schirmer weiter. Sie beschloss bereits die Bürgerversammlung. (Foto: Anita Dlugoß)
Harald Endreß gibt das Bürgermeisterschild an seine Nachfolgerin Karin Schirmer weiter. Sie beschloss bereits die Bürgerversammlung. (Foto: Anita Dlugoß)
Harald Endreß gibt das Bürgermeisterschild an seine Nachfolgerin Karin Schirmer weiter. Sie beschloss bereits die Bürgerversammlung. (Foto: Anita Dlugoß)

„Gemeinwohl entsteht nicht von allein.” Das waren die ersten Worte des Markt Nordheimer Bürgermeisters Harald Endreß in seiner letzten Bürgerversammlung.

Deshalb umfasste seine Rede am Donnerstagabend nicht nur die Arbeit des Gemeinderates im vergangenen Jahr. Endreß hielt auch Rückblick auf zwölf Jahre seiner Amtszeit als Bürgermeister. Von 2014 bis 2026 habe man große Projekte mit vielen Zuwendungen stemmen können.

Dies war Endreß eine extra Liste wert, die im gut besuchten Saal des Gasthauses Grüner Baum in Herbolzheim durchaus auf Interesse stieß. Vom Hochgeschwindigkeitsnetz über den Hochwasserschutz bis hin zum Leitungsbau zur Kläranlage in Uffenheim: Die Maßnahmen in den zwölf Jahren haben rund 10,3 Millionen Euro gekostet, darin sind 5,7 Millionen Euro enthalten. „Darin sind kein Leuchtturm und keine Glitzerprojekte”, kommentierte Endreß.

Drei Hauptorte, drei Kindertagesstätten

Endreß hob hervor, dass alle drei Hauptorte Kindertageseinrichtungen hätten und führte die Kosten dafür auf: Der Neubau in Ulsenheim wurde mit rund zwei Millionen Euro veranschlagt, wozu man Zuschüsse in Höhe von rund einer Million Euro erwartet. Das „Mäusenest” in Markt Nordheim kostete rund eine Million Euro und wurde mit 630.000 Euro bezuschusst. Für die Errichtung des Landkindergartens in Herbolzheim hatte man rund 263.000 Euro ausgegeben und eine Förderung von 115.000 Euro erhalten.

Auch den aktuellen Vorhaben widmete sich Endreß ausführlich. So wird die Erschließung des Baugebietes Spörer in Herbolzheim 1,4 statt 1,1 Millionen Euro kosten; etwa 1,1 Hektar werden erschlossen. Dazu hatte eine Bürgerin eine Frage: Warum kann man den 10.000 Euro kostenden Sedimentationsschacht, der vom Planer ebenfalls vorgestellt wurde, nicht bauen? Besser man erledige das jetzt, als dass man in vier Jahren das Vierfache bezahle.

Reichen die Informationen an die Bevölkerung nicht aus?

Endreß erklärte die einstimmige Entscheidung des Gemeinderates. Man müsse solch einen Sedimentationsschacht, der das Straßenabwasser sammelt, alle paar Jahre durch eine Spezialfirma reinigen lassen. Das sei kostspielig. Man habe aber einen Bagger in der Gemeinde, mit welchem man die Sedimente im zu bauenden Sammelbecken selbst entfernen könne. Den Schacht könne man immer noch nachrüsten, machte er deutlich.

Seit 2018 beschäftige sich der Rat mit der Bauschuttdeponie. „Wir haben das Glück, dass wir da noch etwas hereinbringen, 20.000 Kubikmeter”, erklärte Endreß zum Ende seiner Amtszeit. Ein Bürger fragte nach, wie es weitergehe. „Die Gemeinde wäre nicht gut beraten, wenn sie gleich eine neue Bauschuttdeponie aufmachen würde”, sagte er, der stets betont hatte, dass die Bauschuttentsorgung eine Aufgabe des Landkreises sei, obwohl viele Bauschuttdeponien früher als Service vor Ort von nicht wenigen Kommunen eingerichtet worden waren.

Im Vorfeld waren zwei Anträge von Bürgern eingegangen, die allerdings nicht an der Bürgerversammlung teilnahmen. Im ersten Antrag wurde behauptet, dass die Gemeinde ihrer Informationspflicht nicht genüge. Endreß widerlegte dies aus seiner Sicht – von den Schaukästen für öffentliche Aushänge bis hin zur Homepage.

Übergabe des Bürgermeisterschildes

Der Antrag des zweiten Bürgers bezog sich auf den Unterhalt des Markt Nordheimer Friedhofs. „Eine Kostendeckung wird bei allen dörflichen Friedhöfen nicht erreicht”, bilanzierte Endreß, nachdem er alle Investitionen, Ausgaben und Einnahmen aufgeführt hatte. In der Versammlung machte ein Ortsbewohner Vorschläge zur Finanzierung von Wirtschaftswegen. Diese seien gut und immer erwägenswert, aber nicht neu, befand der Bürgermeister. Ein anderer Redner monierte den Zustand in einem Biberrevier, wo sich drei Wanderwege kreuzen.

Endreß’ Nachfolgerin im Amt, Karin Schirmer, beschloss die Veranstaltung. Bevor er das Bürgermeisterschild an sie übergab, erbat er Beifall für die Sekretärin Beate Büchler und den ehemaligen Feuerwehrkommandanten Bernd Dingfelder (beide abwesend), bevor langer Applaus für ihn selbst einsetzte.

Schirmer kündigte an, die Bürgersprechstunden weiterzuführen, und zwar im Mai noch donnerstags, ab Juni dann montags. Sie dankte Endreß für dessen stets offenes Ohr. Auch auf das knappe Wahlergebnis ging sie ein und schloss: „Ich bin jetzt allen gleichermaßen verpflichtet.”

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