Die Kommunalwahl am 8. März läuft in Ornbau etwas anders als anderswo. Die kleinste Stadt Mittelfrankens, wie sie sich selbst gern nennt, zählt lediglich einen Bürgermeisterkandidaten und zwölf Bewerberinnen und Bewerber nur einer Stadtratsliste, die sich um Amt und Mandate bemühen. Aber das ist allein noch nicht das Besondere.
Der amtierende Rathauschef Marco Meier ist derzeit noch 32 Jahre alt und stellte sich vor sechs Jahren zum ersten Mal zur Wahl, damals für CSU und Unabhängige Wähler. Von Beruf ist er Sportmanager mit Bachelor-Abschluss und Wirtschaftspsychologe mit Master. Nun wirbt das Stadtoberhaupt allein für die Unabhängigen Wähler um seine Wiederwahl – und ist zugleich der Landratskandidat der Freien Wähler.
Marco Meier machte 2020 gegen Thomas Blaumeier von der Liste Eintracht mit 58,3 Prozent das Rennen. Der Stadtrat und er konnten in sechs Jahren einiges erreichen, wie der Bürgermeister im FLZ-Gespräch zurückblickt. CSU/Unabhängige Wähler erreichten sieben von zwölf Sitzen, die Eintracht fünf.
„In Ornbau sind Ruhe und Frieden eingekehrt”, betont Marco Meier. Zu Beginn der Wahlperiode „standen wir erst einmal vor einer schwierigen finanziellen Situation, die wir dann erfolgreich in den Griff bekommen haben”.
Zunächst habe man Maßnahmen baulich und finanziell abgewickelt, die vor 2020 beschlossen worden seien. Er meint zum Beispiel das Sanierungsprojekt Altstadt 7 oder den Neubau der Kinderkrippe. Trotz finanziell angespannter Situation habe die Kommune weiter investiert, etwa in einen Filtratwasserbehälter für die Kläranlage, und habe Förderprogramme genutzt.
„Wichtig war uns, dass man die bewährten Feste erhält”, zum Beispiel Fasching oder Jakobi-Kirchweih. Aber auch darum, neue Formate zu etablieren, sei es gegangen, etwa mit Thekentour oder Brückenschoppen.
Was neue Projekte betrifft, geht er zum Beispiel darauf ein, das Feuerwehrhaus zu sanieren: mit neuem Sozialtrakt, in dem in Zukunft die Mitarbeitenden des Bauhofes ihre Sozial- und Büroräume bekämen. Als weitere Vorhaben nennt er das neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Altmühlgrund GmbH und den Ausbau des Nahwärmenetzes sowie die Breitbandversorgung in der Kernstadt und im Stadtteil Gern.
Überdies berichtet Marco Meier etwa über das Projekt, den Bebauungsplan Am Kappelweiher umzusetzen. Damit meint er eine neue Arztpraxis, eine Tagespflegeeinrichtung und barrierefreie Wohnungen.
Außerdem sei es das Ziel, zum Beispiel das Gewerbegebiet weiterzuentwickeln, die Gastronomie wiederzubeleben sowie Rundwege in der Altstadt und um die Stadtmauer sowie einen Wohnmobilstellplatz oder mehr Übernachtungsplätze zu schaffen.
Viele Beschlüsse laufen im Stadtrat einstimmig. Man ziehe an einem Strang, sagt der Amtsinhaber, auch wenn es natürlich Diskussionen gebe. Es sei gelungen, das Image der Stadt ins Positive zu rücken und deutlich zu steigern. Zu dieser Wahl treten die Unabhängigen Wähler ohne die CSU und als einzige Liste an.
Von den zwölf Ratsmitgliedern stellen sich, abgesehen vom Bürgermeister selbst, sechs wieder zur Wahl, darunter die zweite Bürgermeisterin Diana Fichtner. Landrat oder Bürgermeister: Ausüben kann Marco Meier nur ein Amt. Was sollen Ornbauerinnen und Ornbauer wählen, die ihn als Bürgermeister behalten wollen? „Das muss der Bürger selbst entscheiden”, hält er sich bedeckt.
Er kandidiere zweifach, weil er „Kommunalpolitiker mit Leib und Seele” sei. In der freien Wirtschaft würde er seinen Job ohne einen neuen auch nicht kündigen. Aber er kündigt an: „Sollte ich zum Landrat gewählt werden, habe ich vor, mit meiner Freundin in Ornbau wohnen zu bleiben und weiterhin auch kommunalpolitisch aktiv zu sein, sofern es gewünscht ist, zum Beispiel im MVZ als Aufsichtsratsvorsitzender.”
Einen potenziellen Bürgermeisterkandidaten von außen „gäbe es, aber jetzt schon gegeneinander zu kandidieren, war keine Alternative”. In jedem Fall will Marco Meier bis zum Ende der Wahlperiode am 30. April als Bürgermeister Vollgas geben.
Was ist, wenn er am 1. Mai Bürgermeister und nicht Landrat ist? „Ich hätte ein weinendes Auge, weil ich einfach fest glaube, dass der Landkreis eine Veränderung braucht, und auf der anderen Seite hätte ich aber auch ein lachendes Auge.”