Rund 150 Menschen leben in Neustett, darunter die beiden Männer, die Rathauschef der Gemeinde Adelshofen werden wollen. An dem kleinen Dorf geht diese besondere Wahlkonstellation nicht spurlos vorüber. Auf die Bürgerversammlung, die letzte, die das scheidende Gemeindeoberhaupt Johannes Schneider dort hielt, wirkte sich das aber nicht aus.
Weil die Gastwirtschaft inzwischen nicht mehr in Betrieb ist, wurde die Veranstaltung ins örtliche Feuerwehrgerätehaus verlegt. Der normalerweise dort geparkte Tragkraftspritzenanhänger musste vorübergehend weichen, damit Bierbänke aufgestellt werden konnten. Ein Holzofen sorgte für eine angenehme Raumtemperatur. Gut 30 Leute hatten sich eingefunden, darunter die Bürgermeisterkandidaten Kristof Matthes, den fünf Ortsteilwählergruppen nominiert hatten, und Stefan Bininda, der für die AfD antritt.
Rathauschef Johannes Schneider machte aber gleich zu Beginn klar, dass der Abend „keine Wahlversammlung” sei. Die Veranstaltung blieb denn auch im Wesentlichen frei von politischen Botschaften. Stefan Bininda meldete sich zwar ein paar Mal zu Wort. Es handelte sich dabei aber jeweils um Stellungnahmen zu seinem bisherigen Schwerpunktthema Kanal, die sich jeweils auf Ausführungen von Rathauschef Schneider zu dieser Angelegenheit bezogen.
So wies Schneider darauf hin, dass der Gemeinderat dazu aufgerufen sei, noch im ersten Halbjahr 2026 zu entscheiden, ob das im Ort bestehende Mischwassersystem saniert werden oder stattdessen ein neues Trennsystem kommen soll. Inzwischen liege das Ergebnis eines Gutachtens mit neuen Zahlen vor.
Demnach würde die Sanierungsvariante 2,9 Millionen Euro kosten, wegen der hier nur geringfügigen Förderung aber mit relativ hohen Verbesserungsbeiträgen verbunden sein, die die Haushalte zu bezahlen hätten. Ein Trennsystem wiederum wäre mit etwa 4,3 Millionen Euro insgesamt zwar deutlich teurer. Das fange aber eine relativ hohe Förderung wieder auf. Überdies sei ein neues Rohrsystem natürlich länger haltbar als ein saniertes.
Zu entscheiden habe die Frage letztendlich der Gemeinderat, so Schneider. In der nächsten Sitzung des Gremiums werde das Gutachten ausführlich vorgestellt und könne dann auch diskutiert werden. Ob die Entscheidung noch der alte Gemeinderat fälle oder erst der neue, der sich im Mai konstituiere, werde man sehen.
Stefan Bininda merkte zum Thema kritisch an, dass bei den Berechnungen die von Eigentümerinnen und -eigentümern zu tragenden Kosten für Zusatzarbeiten auf ihren Grundstücken nicht ausreichend berücksichtigt würden. Darauf reagierte ein anderer Anwesender mit der Anmerkung „Eigentum verpflichtet“. Vertieft wurde das Thema nicht.
Angesprochen wurden vom Bürgermeister noch einige weitere Neustetter Spezialthemen, etwa ein zuletzt wieder aufgekommenes Gerücht, wonach die Gemeinde Adelshofen vor einigen Jahren von einer Windkraft-Projektgesellschaft Geld erhalten haben soll, das für den Ausbau der Neustetter Ortstraße gedacht gewesen sei. Das stimme definitiv nicht. Es habe eine solche Zahlung an die Gemeinde nicht gegeben, so Schneider.
Der Rathauschef trat auch der Behauptung entgegen, die Gemeinde habe die örtliche Gastwirtschaft zum Kauf angeboten bekommen, darauf aber nicht reagiert. Vielmehr habe es eine solche Offerte nicht gegeben, erklärte der Rathauschef. Völlig aus der Luft gegriffen sei ferner das Gerücht, wonach es Überlegungen gebe, im Dorf bis zu 60 Geflüchtete unterzubringen. Unter den Anwesenden gab es zu diesen Erklärungen keinen weiteren Redebedarf.
In seinem allgemeinen Bericht zur Lage der Gesamtgemeinde Adelshofen hatte Schneider unter anderem zum Thema Verschuldung Stellung genommen. Freilich sei eine Belastung von knapp 900.000 Euro (pro Kopf 1011 Euro) für eine kleine Gemeinde „nicht ohne”. Aber diese Schulden ließen sich erklären. So habe die Kommune den Abwasserpreis zugunsten der Bürgerinnen und Bürger lange Zeit relativ niedrig gehalten und dadurch in zehn Jahren zulasten der Gemeindekasse ein Defizit von über 700.000 Euro eingefahren.
Überdies seien vor einigen Jahren sechsstellige Summen für Grunderwerb ausgegeben worden. Dieses Land habe die Gemeinde zur Verfügung, wenn attraktive Betriebe oder Hausbau-Interessierte anklopften. „Da ist also Gegenwert da”, so Schneider.
Emotional wurde der Rathauschef beim Auftakt zur letzten von ihm im Amt absolvierten Serie von Bürgerversammlungen auch. 24 Jahre lang sei er für „einen respektvollen Umgang miteinander” eingetreten und habe stets versucht, „die ganze Gemeinde zu sehen”. Sein Dank gelte dem Gemeinderat, den Verwaltungskräften und allen ehrenamtlich engagierten Leuten, so Schneider: „Ich hab's gern gemacht.”