Das KulturKino Feuchtwangen stellte junge Talente vor | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.09.2024 07:00

Das KulturKino Feuchtwangen stellte junge Talente vor

Präsentierte in Feuchtwangen seinen kurzen Animationsfilm „Drainspotting“: Vincent Maurer aus Heilsbronn. (Foto: Thomas Wirth)
Präsentierte in Feuchtwangen seinen kurzen Animationsfilm „Drainspotting“: Vincent Maurer aus Heilsbronn. (Foto: Thomas Wirth)
Präsentierte in Feuchtwangen seinen kurzen Animationsfilm „Drainspotting“: Vincent Maurer aus Heilsbronn. (Foto: Thomas Wirth)

Was junge Filmschaffende bewegt, was sie können – am Freitag vermittelte das KulturKino Feuchtwangen einen starken Eindruck davon. Zum ersten Mal richtete es unter dem Titel „Jugendfilmfestival“ einen Abend mit preisgekrönten Filmen junger Talente aus. Alle hatten einen Bezug zur Hochschule Ansbach oder stammten aus der Region.

Das Programm mit seinen Beiträgen aus Stadt und Landkreis Ansbach war eine Art regionale Sonderausgabe zum 36. Mittelfränkischen Jugendfilmfestival, das im April in Nürnberg stattfand. Für das KulturKino-Team, daran ließ der Vorsitzendes Vereins, Wolfgang Grebenhof, keinen Zweifel, ist es eine Verpflichtung, jungen Talenten eine Leinwand und ihr Kino anzubieten, um sich und ihre Filme vorzustellen.

Das klappte allerdings beim ersten Mal nicht ganz so, wie sich das der Verein erhofft hatte. Der Kinoabend lag in den Semesterferien, niemand von den Ansbacher Studenten konnte kommen, die einen waren verhindert, die anderen erkrankt. So übernahm der Vereinsvorsitzende die Aufgabe, in vier der fünf Filme einzuführen.

Trickreiche Gullydeckel

Einzig Vincent Maurer aus Heilsbronn, der am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg studiert, hatte Zeit gefunden, um selbst von seinen Projekten und seinem Studium zu erzählen. Das führte den 25-Jährigen schon nach Kanada, wo er unter anderem bei dem berühmtesten Unternehmen für visuelle Filmeffekte arbeitete, bei Industrial Light & Magic. George Lucas hatte es 1975 für seinen ersten Star-Wars-Film gegründet.

In Feuchtwangen setzte Vincent Maurer mit seinem Animationsfilm „Drainspotting“ den Schlusspunkt. Über drei Monate hinweg hat er an seinem zweiminütigen Film gearbeitet, erzählte er. Maurer hat dafür den „Franken Fernsehen Kurzfilmpreis“ erhalten. Seine Stars sind Gullydeckel. Er bringt sie zum Klappern, zum Tanzen, Fliegen und Explodieren. Was scheinbar realistisch beginnt, steigert sich zu einer rasanten, surrealen Choreographie und endet mit einem Schachtdeckel, der hoch ins All steigt.

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Tief in die Krisen der Gegenwart führte der erste Film des Abends, „Zimmer 111“, mit dem Saher Iskaf den Publikumspreis beim Mittelfränkischen Jugendfilmfestival gewann. Iskaf lenkt den Blick auf den Bürgerkrieg in Syrien. Hoch emotional erzählt er in 21 Minuten aus der Perspektive eines jungen Geflüchteten, der seine Familie nachholen und retten will und daran verzweifelt, wie lange es dauert, bis sein Antrag genehmigt wird. Als es soweit ist, hat eine Bombe das Haus seiner Familie getroffen.

David Pohlus’ „Grau“ erzählt packend in 19 Minuten und in Schwarz-Weiß samt eindrucksvoller Musik eine Episode aus dem Zweiten Weltkrieg. In den Wirren an der Ostfront treffen zwei feindliche Soldaten aufeinander. Der eine erkennt im anderen sich und seine Hoffnungen. Die große Urfrage, warum Menschen sich bekämpfen, statt miteinander in Frieden zu leben, treibt den Film voran. Honoriert wurde „Grau“ in der Kategorie „Professional“ mit einer „Lobenden Erwähnung“

Romantische Komödie im Kleinen

Den zweiten Platz in der Kategorie „Professional“ erhielt Nikolaos Bakousis und sein Team ANsicht für „Lukas“: Nikki quatscht nachts an der Bushaltestelle solange Lukas voll, bis der darauf einsteigt und ein langer gemeinsamer Spaziergang beginnt – unbeschwerte 13 Minuten, gemacht wie für eine romantische Komödie.

Erik Hellfeiers „Margherita“ errang den ersten Platz in der Kategorie „Professional“. Er dreht sich um den Pizzaboten Lars und verarbeitet nicht ohne Poesie die Probleme des Protagonisten. Der hat Ärger im Job und Familie. Der Vater ist gewalttätig und respektlos. Die Mutter hat die Familie längst verlassen. Erinnerungen an glückliche Momente tauchen auf. Am Ende tanzt Lars in der Pizzaküche mit dem Schrubber – vielleicht kein Happy End, aber ein Hoffnungsbild.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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