Vincent Maurer ist fasziniert von Animation. Aber nicht nur das, er ist auch noch außergewöhnlich gut darin: Der 26-Jährige aus dem Heilsbronner Ortsteil Weiterndorf (Landkreis Ansbach) hat als Filmemacher einen Nachwuchs-Oscar in New York gewonnen. Im Gespräch mit der FLZ erzählt er von der Preisverleihung und davon, was jetzt ansteht.
Vor etwa einem Jahr schwärmte Maurer gegenüber der FLZ bereits davon, „Sachen zu kreieren, die es so nicht gibt”. Um damit auch Geld zu verdienen, hat er am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Seine Diplomarbeit war ein Kurzfilm, den er als Lead Technical Director gemeinsam mit seinem Team produziert hat. Die Gruppe besteht ansonsten noch aus Tobias Eckerlin (Director), Elias Weber (Lead Character Artist), Lilli-Luisa Heckmann und Jiro Magracia (Lead Animation) und Rebecca Liebelt (Lead Groom & Feathers). Der Film heißt „A Sparrow's Song”.
Es ist ein 3D-Animationsfilm, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Erzählt wird die Geschichte einer älteren Witwe, die während des Zweiten Weltkriegs durch die unerwartete Verbindung zu einem verletzten Spatzen neue Hoffnung schöpft. Gemeinsam verbreiten sie diese neu gewonnene Zuversicht weiter und schaffen es so, auch anderen Menschen in diesen schweren Zeiten etwas Trost zu spenden.
Für diesen Film hat die Gruppe nun in New York einen Preis entgegengenommen: den Student Academy Award in Gold, also einen Studierenden-Oscar. Im August stand die Nominierung fest, im September war dann klar, dass ein Oscar drin ist, jedoch noch nicht, welche Platzierung es sein wird. Und jetzt gab es Gold. „Wir saßen da, haben gewartet, dann wurde Bronze aufgerufen, danach Silber und dann wussten wir es schon”, erzählt Maurer aufgeregt am Telefon von seinem New Yorker Hotelzimmer aus. Mit der höchsten Auszeichnung hatte das Team nicht gerechnet. „Wir waren fassungslos und sehr glücklich.”
Nach der Preisverleihung gab es noch einen Empfang mit vielen in der Filmbranche bekannten Leuten. Ein guter Ort, um zu netzwerken und wichtige Personen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Die sechs Oscar-Preisträgerinnen und -Preisträger sind bereits früher angereist, um New York zu sehen. Maurer bleibt außerdem noch ein paar Tage länger dort.
Die Reise war jedoch nicht seine erste: Vincent Maurer kommt mit seinem Job viel herum. Er war schon bei einem Hollywood-Workshop in Los Angeles, arbeitete in Vancouver oder präsentierte eine Studienarbeit auf Konferenzen in Tokio und London. Dabei hat sich auch noch etwas anderes ergeben: In Japan lernte der 26-Jährige interessante Menschen kennen, unterhielt sich über sein Fachgebiet, und hat dabei einen großen Job an Land gezogen.
Im Januar zieht der Weiterndorfer nach Vancouver und arbeitet dort für einen „großen Streaming-Anbieter” als Lighting Artist. Wer genau es ist, darf Maurer noch nicht sagen, aber er scheint glücklich zu sein. Bereits während seines Studiums hat er ein Jahr in Kanada verbracht. Er arbeitete für die zwei Firmen Industrial Light & Magic (ILM) und Sony Pictures Imageworks in Vancouver. Beteiligt war er an der Serie „Percy Jackson and the Olympians“ und an der Produktion von „Spider-Man: Across the Spider-Verse“. „Auf die Arbeit bin ich sehr stolz“, erzählte Vincent Maurer vor einem Jahr. Nun geht es also erneut nach Vancouver – auf Dauer. Ob er dann immer noch so häufig seine Familie im Landkreis Ansbach sieht? „Ansonsten bin ich virtuell zu Besuch”, sagt er und lacht.
Mit dem Nachwuchs-Preis in New York ist die Kurzfilm-Gruppe jetzt auch automatisch für die „echten” Oscars im März qualifiziert. Und bei ein paar anderen Festivals sei der Film auch noch eingereicht worden. „Es ist gerade alles surreal”, sagt Vincent Maurer dazu. Und wer weiß, vielleicht gewinnt er irgendwann den „echten” Animations-Oscar. Unwahrscheinlich ist es nicht.