Zum dritten Mal hat das Beyond-Filmfestival im Feuchtwanger Kulturkino stattgefunden. „Wahrheit – Licht und Schatten“ lautete heuer das Thema der viertägigen Festspiele, die Medienkünstler und Filmemacher Ludger Pfanz und Regisseurin Gülsel Özkan ins Leben gerufen haben.
Das Interesse an den Feuchtwanger Filmfestspielen ist sichtbar gewachsen. Gut besetzt war der Kinosaal bereits am Eröffnungs-Donnerstag, an dem es den Kurzfilm von „Sie sind auch einfach schön“ von Julia Flachmann und die Langfilm-Deutschlandpremiere von „Menschen, Götter und andere Kreaturen“ der russischen Filmemacherin Svetlana Strelnikova zu sehen gab. Beide waren zur Präsentation angereist und auch an der anschließenden Gesprächsrunde beteiligt.
Gülsel Özkan, die „Beyond“ gemeinsam mit Pfanz vor vielen Jahren in Karlsruhe gegründet hatte, ergriff als Erste das Wort: „Das Kino ist ein Ort, an dem Bilder sprechen und wo die Wahrheit und Imagination miteinander tanzen.“ Dabei sei das Publikum die wichtigste Jury. „Wer, wenn nicht die Kunst, kann Brücken bauen?“, fragte Ludger Pfanz in seinen kritischen Betrachtungen hinsichtlich der zunehmenden Digitalisierung, die mit der künstlichen Intelligenz einen vorläufigen Höhenpunkt erreicht hat.
Welche Probleme dies für die Filmschaffenden bedeutet, wurde nicht nur an diesem Abend deutlich, sondern auch immer wieder an den Folgetagen thematisiert. Dabei war man sich einig, dass KI zwar im Technischen nützlich sein könne, im kreativen Bereich jedoch nur ein unzulängliches Hilfsmittel darstelle.
Das Programm, so Pfanz weiter, sei „regional und international, aber keinesfalls national.“ Dies zeigte sich auch am Freitag, der ganz im Zeichen der Komödie stand. Deutschland, Russland, die Schweiz, Hongkong und die USA waren hier vertreten. Besonderer Akzent lag auf den Kurzfilmen, derer insgesamt acht gezeigt wurden.
Und es gab eine Weltpremiere: Die russische Regisseurin Aleksandra Hobs präsentierte ihren Langfilm „Just Live“. Eigentlich wollte auch sie persönlich anwesend sein, doch aus bisher noch unbekannten Gründen konnte sie nicht nach Deutschland einreisen. Und das, obwohl alle Konditionen nebst Visa erfüllt und die Finanzierung gesichert waren. Das Rätseln, die Sorge und die Enttäuschung waren gleichermaßen spürbar.
Was an diesem so netten, positiven, humorvollen und feinsinnigen Film so aufrührerisch für die Entscheidungsträger sein mochte, war nur in Ansätzen erklärbar. Es geht um die Botschaft „Lebe einfach“ oder etwas salopper ausgedrückt „Mach dein Ding“. Ein hochdotierter Professor verdingt sich als Paketausträger, um einem seiner Studenten zu zeigen, dass man sogar aus dem niedersten Job etwas machen kann. Und es gelingt ihm, obwohl er zunächst aufgrund seines Alters von seinen Kollegen gemobbt wird.
Die Kurzfilme, ein Genre für sich, waren abwechslungsreich, unterhaltsam und hintergründig. Leider treten sie zunehmend in der Filmlandschaft in den Hintergrund, werden oft als nicht gleichwertig zum Langfilm empfunden. Ein Festival kann ein Forum sein und auch manches geraderücken. Vielleicht wird es zumindest in Feuchtwangen wieder Kurzfilme vor dem Hauptfilm geben.
Das wäre schön, denn sie haben es mitunter in sich. Ob sechs oder fünfzehn Minuten, sie folgen ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und sind mehr als ein Anreißer für längere Werke. Dies bestätigten auch die vier Ansbacher Hochschulstudenten, die in ihrem Beitrag „Zeit für Veränderung“ ein originelles Gedankenspiel visualisierten: Wie wäre es, wenn man die Chance bekäme, einen gravierenden Fehler noch einmal rückgängig machen zu können? Über ihre Arbeit berichteten der Feuchtwanger Regisseur Oliver Tomandl und sein Team anschließend.
Die Möglichkeit, Filmschaffende einmal live zu erleben, macht den zusätzlichen Reiz eines solchen Festivals aus. In Feuchtwangen umso mehr, da sich auf engem Raum viel Kontakt pflegen lässt.