Nach vier Tagen, die prall gefüllt waren mit Filmen aller Art, ist im Feuchtwanger KulturKino das Beyond-Festival zu Ende gegangen. Zum Abschluss wurden die Preisträger in fünf Kategorien bekannt gegeben. Das Finale bildete ein Frankenabend mit einer Podiumsdiskussion über Produktionsbedingungen für Filmschaffende in der Provinz.
Mit der Resonanz auf die jüngste Ausgabe von „Beyond” zeigten sich die Organisatoren sehr zufrieden. Die Zuschauerzahl sei im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen, heißt es in einer Pressemitteilung. Und die teils von weit her angereisten Gäste – unter anderem kamen Filmschaffende aus Moskau und Paris – hätten die Festival-Atmosphäre im gemütlichen KulturKino sehr geschätzt, berichtete Beyond-Leiter Ludger Pfanz (Schopfloch).
Viermal vergab die vierköpfige Jury den aus Glas gestalteten Preis des Beyond-Festivals. „Die Entscheidung war nicht leicht“, stimmte das Quartett überein. Es hatte mehr als 30 Beiträge zu bewerten, die unter über 100 Bewerbungen aus aller Welt vorausgewählt worden waren. Die Jury setzte sich zusammen aus der Regisseurin und Beyond-Mitgründerin Gülsel Özkan, der Filmemacherin Alena Pfanz, dem Ansbacher Hochschulprofessor Dr. Stephan Hilpert und dem Vorsitzenden des Feuchtwanger KulturKino-Vereins, Wolfgang Grebenhof.
In der Sparte Langfilm ging die Auszeichnung an den deutschen Regisseur Adrian Schwartz. In „We all go up” („Wir gehen alle nach Oben“) setzt er sich mit einer höchst aktuellen Thematik auseinander. Ein junger, an der Realität verzweifelter Mann überlegt, ob er sich in eine virtuelle Welt flüchten soll. Doch er zögert und macht damit sichtbar, welchen Wert Menschlichkeit und Glück bedeuten und wie hoch der Preis des Fortschritts in einer zunehmend digitalen Welt ist.
Als bester Kurzfilm wurde das 17-minütige Werk „Captured“ („Gefangen”) des deutschen Filmemachers Knut Kuhles ausgezeichnet. Darin geht es um eine junge Musikerin, die sich ein virtuelles Double erschafft. Sie erliegt dem Reiz der Selbstoptimierung, was sie schließlich zur Verzweiflung treibt. Spannend der Dialog, den sie mit den zwei Versionen ihrer selbst hält. Für die Jury ein „beeindruckend inszeniertes Musical mit einer emotionalen Reise durch Musikgenres und einer intensiven Choreografie”.
Ein weiterer Kurzfilm erhielt den Beyond-Jury-Preis. Im achteinhalb-minütigen Streifen „Building Bridges“ („Brücken bauen”) des portugiesischen Regisseurs Filipe Caeiro spielt eine marode Rheinbrücke bei Köln die Hauptrolle. Sie ist nicht nur Dauerbaustelle, sondern zugleich eine interessante Allegorie auf die Zeitspanne von der Errichtung über die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bis heute. Im „Off“ werden dabei aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen erörtert.
Als beste Dokumentation wurde der 25-minütige Film „Macula“ von Mariana Xochiquétzal Rivera aus Mexiko bewertet. Während eine Mutter allmählich erblindet, werden lange totgeschwiegene seelische Verwundungen hochgeschwemmt. Der Film zeigt, dass einzelne Biographien eng mit Kollektivem verbunden sind. Die Jury würdigte die komplexe, berührende Geschichte, die auch darauf aufmerksam macht, wie relevant die Aufarbeitung persönlicher Traumata ist – in einer Welt, in der Diktaturen wieder an Kraft gewinnen.
Dem Beyond-Publikum gefiel Adrian Sagollas 30-minütiger Beitrag „Spiegelberg“ am besten. Der Dokumentarfilm fängt behutsam den Geist des Lebens im Mikrokosmos eines Dorfes im Schwäbischen Wald ein, portraitiert anhand von fünf Protagonisten. Das Kernthema, die Angst vor dem Verlust vitaler und essentieller Infrastruktur im ländlichen Raum, passt bestens zu Feuchtwangen, das seit den 1990er Jahren als Keimzelle der Regionalbewegung in Deutschland gilt.
Beim anschließenden Frankenabend standen – außerhalb des Wettbewerbes – fünf weitere Kurzfilme auf dem Programm. In einer daran anschließenden Podiumsdiskussion machten sich die Teilnehmenden unter der Leitung von Ludger Pfanz Gedanken vor allem darüber, wie sich Filmschaffende in Franken besser vernetzen können. „Beyond”, so die Idee, könne hier auch als wichtige Kontaktbörse fungieren.