Auf einem langen Weg voller Hürden und überraschender Wendungen hat das geplante zweite Bürgerwindrad in Strüth einen vorentscheidenden Etappensieg verbucht. Der Bauausschuss gab grünes Licht für das Projekt, nun fehlt nur noch die formelle Zustimmung des Ansbacher Stadtrates diesen Montag.
Eine negative Überraschung ist in dem Gremium allerdings nicht zu erwarten, weshalb Bürgerwind-Geschäftsführer und CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer als Initiator des Vorhabens nach der Sitzung im Bauausschuss befreit aufatmen durfte. „Nach dem langen Hin und Her bin ich sehr erleichtert. Es hat sich ausgezahlt, dass wir einen langen Atem bewiesen und die Flinte nicht gleich ins Korn geschmissen haben.“
Tatsächlich zweifelten zwischenzeitlich nicht wenige Menschen an der Umsetzbarkeit des Projekts, das vor rund drei Jahren erstmals öffentlich wurde und sich seitdem mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert sah. Auf 300 Seiten haben sich die Akten dazu inzwischen summiert, berichtet Sauerhammer mit einem augenzwinkernden Hinweis auf ausufernde Bürokratie.
Zunächst hatten Einsprüche der Luftfahrtbehörde die Genehmigung in die Länge gezogen. Demnach hätte die Höhe des zweiten Windrades in dem Areal auf 180 Meter begrenzt werden sollen. „Damit ist der Betrieb aber nicht wirtschaftlich möglich“, hatte Sauerhammer damals argumentiert. Deshalb ruhte das Bauleitplanverfahren seit Ende Juni 2023.
Bei dem daraufhin ins Auge gefassten Standortwechsel hätten die ausladenden Rotorblätter aber ein paar Meter auf Lehrberger Grund hineingeragt, weshalb die Nachbargemeinde ein Stück vom Kuchen abhaben wollte. Letztlich war die damit verbundene Aufteilung der Gewerbesteuer aber doch nicht nötig.
Als sich Sauerhammer nach dem Rückzug des Einspruchs der Luftfahrtbehörde dann auf der sicheren Seite wähnte, kam allerdings ein privater Archäologe dazwischen. Der Sondengänger, der mit Erlaubnis eines Landwirts dessen Äcker südlich des vorgesehenen Areals des geplanten Windrades begutachtete, förderte mit einem Metalldetektor „mehrere Buntmetallgegenstände“ zutage, die laut dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) „überwiegend in das Mittelalter datieren“.
Um was es sich dabei genau handelt, gab das BLfD bislang aber nicht bekannt. Auch eine Anfrage der FLZ beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege blieb bislang ohne Antwort. Das Stadtoberhaupt brachte keltische Münzen ins Spiel. „Ich hoffe, dass beim Ausschachten Regenbogenschüsselchen zum Vorschein kommen“, befand Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) nicht ganz ernst gemeint.
Wegen der Hinterlassenschaften, die von der Bronzezeit bis ins Mittelalter einzuordnen sind, hatten zwei Behörden bei der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange nicht unerhebliche Auflagen eingefordert. Das Landesamt für Denkmalpflege wies auf „zu vermutende Bodendenkmäler“ hin, die Naturschutzbehörde mahnte an, dass an die Maßnahmen zum Rückbau der auf 20 Jahre plus 10 ausgelegten Anlage bereits bei der Umsetzung gedacht werde.
Eine Steilvorlage in Sachen Bürokratie, die CSU-Co-Fraktionschef Jochen Sauerhöfer verwundert zur Kenntnis nahm. „Erneuerbare Energien sind doch wichtig. Und jetzt müssen wir schon vor dem Bau der Anlage vom Rückbau sprechen.“
Allerdings sind die Bedenken der genannten Behörden aus Sicht der städtischen Verwaltung entweder bereits behandelt, im beschlossenen Durchführungsvertrag geregelt oder als nicht besonders schwerwiegend eingestuft. „Das überragende Interesse ist höher zu gewichten als der unvermeidbare Eingriff ins Landschaftsbild“, relativierte Stadtplanerin Andrea Heinlein.
Wenn heute, Montag, auch noch der Stadtrat grünes Licht gibt, spielt dann auch die angekündigte Änderung im Regionalplan keine Rolle. Demnach soll der vorgeschriebene Abstand zur nächsten Wohnbebauung auf 800 Meter ausgeweitet werden. Das aber sollte nun keine Rolle mehr spielen. „Mein Dank gilt der Verwaltung, die hat super gearbeitet“, meinte Sauerhammer befreit.