Gegenseitige Anschuldigungen und eine zum Teil hitzige Debatte prägten die erneute Vorstellung der „Planungsidee” eines ökologischen Solarparks bei Unterntief im Bad Windsheimer Rathaus. Informiert werden sollten dabei die Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils.
Warum wurde diese Bürgerversammlung notwendig? Investor und Planer hatten in einer Sitzung des Stadtrats im Oktober ihr Projekt eines rund 17 Hektar großen, zu zwei Dritteln mit Platten bebauten, ökologischen Solarparks nördlich des Bad Windsheimer Ortsteils vorgestellt. Vom Rat wurde der Aufstellungsbeschluss genehmigt. Im Nachgang der Sitzung wurde jedoch bekannt, dass der Ortsbeirat Unterntief nicht in die Pläne eingeweiht worden war – normalerweise ein Muss. Bürgermeister Jürgen Heckel hatte im Stadtrat hingegen betont, der Ortsbeirat sei im Vorfeld informiert worden, woraufhin ihm dieser „Manipulation des Stadtrats” vorwarf.
74 Personen aus Unterntief und den Nachbarortsteilen Oberntief und Berolzheim und etliche Mitglieder des Stadtrats waren in den Sitzungssaal gekommen. Zunächst stellte Planer Constantin Rühl das Projekt vor – bislang nur eine „Planungsidee”. „Es ist ein Konzept, auf dessen Basis man in eine Planung einsteigen kann. Es ist noch kein Bauleitverfahren.” Erst in einem solchen werden die Bevölkerung und die Träger öffentlicher Belange beteiligt.
Man wolle, so Rühl, zwei „ökologisch hochwertige” Flächen im Norden und Süden von Unterntief miteinander verbinden. Auf der Ackerlandschaft dazwischen könne bislang „kein Leben stattfinden”. Teile der Fläche würden eingezäunt werden, dazwischen entstünden grüne Korridore, quasi als Straßen für kleine Tiere.
Auf wenig Begeisterung stieß Rühl damit bei Herbert Dehner vom Ortsbeirat. Der Ackerboden auf der betroffenen Fläche sei nämlich keineswegs so schlecht, wie er dargestellt werde, so Dehner. Im Gegenteil: Dieser zähle im generell nicht mit guten Böden gesegneten Mittelfranken sogar zu den besten Arealen. Der Standort sei zudem nicht im aufwendig erarbeiteten Standortkonzept der Stadt vorgesehen. Auch Schäfer Gerd Egelseer meldete sich zu Wort. Zu einer Zusammenarbeit, wie es in der Präsentation stehe, sei er nie gefragt worden.
Warum diese Anlage mit „40.000 Platten“ bei ihnen stehen soll, konnten die anwesenden Unterntiefer nicht verstehen. „Kein Stadtrat würde das vor seiner Haustür haben wollen“, sagte ein Bürger. „Der Stadtrat wurde manipuliert“, sagte Florian Dornhöfer, dabei bleibe er. Er selbst sei in der besagten Sitzung nicht anwesend gewesen – wäre er da gewesen, hätte er aufklären können, dass der Ortsbeirat eben nicht mit der Anlage einverstanden sei.
Bürgermeister Jürgen Heckel betonte, dass er Petra Hauschka, die Grundstückeigentümerin, „ausdrücklich damit beauftragt“ habe, den Ortsbeirat in Kenntnis zu setzen. „Sonst hätte ich das Thema überhaupt nicht auf die Tagesordnung genommen.“ Das wollte Dritte Bürgermeisterin Alexandra Horst so nicht stehen lassen. „Das ist eindeutig eine Aufgabe des Bürgermeisters. Das kann man nicht an eine Frau Hauschka abschieben.“
Es folgte ein verbaler Schlagabtausch zwischen Hauschka (ebenfalls aus Unterntief), Dornhöfer, Egelseer und Dehner. Hauschka betonte, sowohl mit Egelseer als auch Dornhöfer Gespräche geführt zu haben, beide stritten dies ab. Dornhöfer warf sie vor, dass dieser lieber auf der Oberntiefer Kirchweih „im Wirtshaus gesessen“ habe, statt an der Stadtratssitzung teilzunehmen, woraufhin dieser konterte, dass Hauschka nicht die Energiewende fördern, sondern sich bereichern wolle.
Zur Sprache kam zudem eine E-Mail von Karin Eigenthaler, der Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz (BN). Planer Matthias Rühl hatte in der Stadtratssitzung betont, dass der BN begeistert sei von dem Projekt. Das wiederholte er in der Versammlung erneut. „Wenn man Frau Eigenthaler kennt, ist sie nur schwer zu begeistern“, betonte er zusätzlich. Dehner hatte sich im Nachgang der Stadtratssitzung an Eigenthaler gewandt. Sie habe auch an Bürgermeister Heckel geschrieben und um Weiterleitung an den Stadtrat gebeten. Das bestätigte Eigenthaler auf Nachfrage unserer Redaktion. Sie betont, dass sie sich „nicht begeistert gezeigt“ habe, sondern wie bei allen PV-Projekten, zu denen sie befragt werde, „sachlich eine Einschätzung abgegeben“ habe.
Die Forderung, das Projekt „einzustampfen“, erhielt Applaus. Man wolle sich der Energiewende zwar nicht verschließen, aber es gebe genügend andere Flächen. Stadträtin Annemarie Bruckert hatte zuvor darauf hingewiesen, dass man dran bleiben und etwas tun müsse für die Energiewende, aber dass man „nicht über den Kopf der betroffenen Bürger hinweg“ entscheiden solle. Ebenso sahen dies Matthias Oberth (SPD) und Dritte Bürgermeisterin Alexandra Horst, die sich sicher waren, für ihre Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. Horst betonte, dass es so keinen Sinn mache, weiter zu diskutieren. Argumente seien ausgetauscht und der Stadtrat wisse nun auch, was die Bürgerinnen und Bürger wollen. Sie forderte Heckel dazu auf, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu nehmen.
Das aber werde er nicht tun, sagte Heckel am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion. Er habe stattdessen mit Herbert Dehner vereinbart, dass dieser einen Antrag auf erneute Behandlung des Themas im Stadtrat stellen soll. Aus der „unschönen Sache“ habe er gelernt, solche „großen Dinge“ künftig bei Bürgerversammlungen bekanntzugeben. Heckel betonte zudem: „Gegen den Willen eines ganzen Dorfes wird niemand ein solches Projekt umsetzen.“