Nach 45 Jahren: Schaustellerfamilie ist beim Bad Windsheimer Weihnachtsmarkt raus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.10.2025 15:31

Nach 45 Jahren: Schaustellerfamilie ist beim Bad Windsheimer Weihnachtsmarkt raus

Statt dieses Karussells wird heuer in der Adventszeit eine Eisbahn am Marktplatz aufgebaut. (Archivbild: Katrin Merklein)
Statt dieses Karussells wird heuer in der Adventszeit eine Eisbahn am Marktplatz aufgebaut. (Archivbild: Katrin Merklein)
Statt dieses Karussells wird heuer in der Adventszeit eine Eisbahn am Marktplatz aufgebaut. (Archivbild: Katrin Merklein)

Eine Eislaufbahn am Marktplatz und Glühweinstimmung an allen Wochentagen im Advent. Es gibt ein neues Konzept für den Reichsstädtischen Weihnachtsmarkt in Bad Windsheim, der am 28. November eröffnet wird. Kritik gibt's aber auch: Nach fast 50 Jahren ist die Schaustellerfamilie Krzenck/Straetemans raus.

Birgit Grübler, Geschäftsführerin der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT), beantwortete die Anfrage unserer Redaktion schriftlich. Schon im vergangenen Jahr hatte sie angekündigt, den Weihnachtsmarkt umstrukturieren zu wollen. Gebrannte Mandeln, Bratwürste und Glühwein seien „die DNA des Marktes”, das sei ihr bewusst. Aber: Ihre Veranstaltungsleiter Jochen Schauer und Daniela Übler hatten „den klaren Auftrag, einen ganz neuen Akzent zu setzen, der den Markt auch für die nächsten Jahre ein nachhaltiges Stück attraktiver macht”, schreibt Grübler.

Familien länger am Marktplatz halten

Ihrer Ansicht nach habe immer „ein Aspekt gefehlt, wie man Familien gemeinsam über die Tasse Glühwein hinaus auf den Markt bringen und länger halten kann”. Die Aufenthaltsdauer sei für die Aussteller wichtig. „Jede Viertelstunde bringt mehr Umsatz.” Die Verweildauer zu strecken, sehe sie als Aufgabe des Veranstalters.

„Neidisch” habe man auf Rothenburg und Uffenheim geblickt, so Grübler, „die eine Eislaufbahn hatten”. In der Branche sei eine solche „unstrittig das thematische Highlight. Eislaufbahnen bestellen Sie nicht bei Amazon, da müssen Sie extrem viel Überzeugungsarbeit leisten und brauchen Glück”, heißt es in Grüblers Schreiben. Die Bahn finanziere sich für den Schausteller nur, wenn er Glühweinstand oder „die klassische Vesperbude” auch betreibt. Das sei der Grund, warum man den Krzencks für Glühweinstand, Süßwarenstand und Karussell heuer keine Zusage gegeben habe, sondern sich für Florian und Lisa Kirschbaum aus Burgbernheim entschieden habe.

Eislaufbahn ist nicht einfach zu finden

„Wenn es mehrere Anbieter für das geforderte Angebot gibt, dann muss man auch eine Entscheidung treffen. Eine Eislaufbahn finden Sie aber auf dem Markt nicht so einfach, vor allem nicht in der Primetime zur Weihnachtszeit”, so Grübler. Zudem habe man erreicht, dass der Weihnachtsmarkt anstatt wie bisher nur von Donnerstag bis Sonntag heuer die ganze Woche über seine Pforten öffnet. „Ich bin mir sicher, dass die eine oder andere Familie auch außerhalb des Marktes die Gelegenheit nutzt, Leben in die Altstadt zu bringen. Wir möchten damit das Einkaufserlebnis in der Weihnachtszeit noch attraktiver machen.”

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Denis Krzenck und Sonja Straetemans kritisieren, dass sie erst sechs Wochen vor der Eröffnung eine Absage auf ihre Bewerbung für heuer erhalten haben und das nach gut 45 Jahren Treue. Denis Krzencks Mutter Waltraud war Gründungsmitglied des Marktes und in all den Jahren habe man viel in den Bad Windsheimer Weihnachtsmarkt investiert und bekomme nun einen „Arschtritt”, so Denis Krzenck. Das Kinderkarussell hätten Waltraud und Jürgen Krzenck vor ein paar Jahren sogar extra für den Weihnachtsmarkt angeschafft. Die Stadt habe unbedingt ein Karussell gewollt. „Da haben wir eines gekauft. Und jetzt sind wir raus”, bedauert Waltraud Krzenck im Telefongespräch mit unserer Redaktion.

Hintergründe für Entscheidung werden gefordert

Birgit Grübler betont auf Nachfrage unserer Redaktion, dass sie die Eisbahn nur inklusive Glühweinstand bekommen habe. Der Marktplatz habe nur begrenzt Platz, denn auch die Eislaufbahn soll dort platziert werden, ein zweiter Glühweinstand passe dort nicht mehr hin. Denis Krzenck habe immer ein „Glühweinmonopol” eingefordert, erklärt Grübler. Er wiederum sagt, dass auch andere neben ihm „selbstverständlich” Glühwein verkaufen dürfen.

Diese Information nehme Grübler mit, könne aber nicht versprechen, dass sie eine Lösung findet. Selbst wenn sie eine finden würde, bezweifle sie, dass Krzenck und seine Familie zufrieden sein werden. Sowohl beim Frühlingsfest, bei der Kirchweih als auch beim Weihnachtsmarkt habe sie von ihm immer nur negative Rückmeldungen bekommen. Seine Meinung dazu habe er immer auch öffentlich kundgetan und Fehler habe er stets bei der KKT gesucht, so Grübler. Für den Markt 2026 nehme sie aber mit, Verträge deutlich früher zu schließen, für Planungssicherheit auf beiden Seiten.

Massive Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Medien wurde die KKT-Entscheidung, ohne die Bad Windsheimer Schausteller zu planen, bereits massiv kritisiert. „Krzencks Glühweintreff gehört einfach zum Weihnachtsmarkt” ist in einer Bad Windsheimer Gruppe auf facebook zu lesen. Einige Mitglieder fordern, die Gründe offenzulegen. Andere ziehen eine Unterschriftensammlung in Betracht oder gar ein Bürgerbegehren, um die Schausteller wieder auf den Markt zu holen. Ein paar Kommentatoren sehen den Stadtrat in der Pflicht, sich für die hiesigen Schausteller starkzumachen. Bürgermeister Jürgen Heckel sagt auf Nachfrage unserer Redaktion dazu, dass die KKT eine eigene Firma ist. Der Stadtrat könne da nichts machen. Als Geschäftsmann könne er aber sagen: „Es gibt nun mal eine freie Marktwirtschaft und nur, weil etwas 30 Jahre lang so war, heißt es nicht, dass es auch weiter so ist. Damit muss ich einfach rechnen. Da gibt es keine Garantie.”


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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