Wie Melodien Weihnachten bereichern: Erinnerungen von Musikern aus der Region | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.12.2025 08:30

Wie Melodien Weihnachten bereichern: Erinnerungen von Musikern aus der Region

Für Anne Barkowski und Hans Hauptmann hat das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier” eine besondere Bedeutung. (Foto: Anna Franck)
Für Anne Barkowski und Hans Hauptmann hat das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier” eine besondere Bedeutung. (Foto: Anna Franck)
Für Anne Barkowski und Hans Hauptmann hat das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier” eine besondere Bedeutung. (Foto: Anna Franck)

Für Musikerinnen und Musiker wie Hans Hauptmann, Ulrike Bergmann und Anne Barkowski ist die Musik im Alltag ein stetiger Begleiter. Eine besondere Rolle nimmt sie für viele zur Weihnachtszeit ein. Musik verbindet, kann aber auch Erinnerungen an vergangene Zeiten erwecken und tiefe Emotionen auslösen.

„Musik durchströmt schon seit vielen Jahren meinen Tages-, Wochen- und Jahresablauf”, sagt Hans Hauptmann, der den JohannisChor in Burgbernheim leitet und bei den Windsheimer Sängern und Spielleut mitwirkt. Musik war in seiner Familie fest verankert, Singen gehörte zum Alltag. Gerade in der Adventszeit verdichtet sich das auch durch feste Rituale in der Familie, das gemeinsame Musizieren mit unterschiedlichen Instrumenten und durch gesungene Lieder.

Während Ulrike Bergmanns Kindheit in den 1960er Jahren spielte Musik ebenso eine wichtige Rolle in der Familie. Zwar hatte man einen Schallplattenspieler, aber nur wenige Schallplatten, berichtet die Vorsitzende des Vereins Kultur in der Scheune in Ermetzhof, die dort regelmäßig Veranstaltungen organisiert. Deshalb wurde viel gesungen – und an Weihnachten erst recht. „Vor der Bescherung standen wir alle um den Christbaum herum und sangen die traditionellen Weihnachtslieder. Für uns Kinder dauerte das immer zu lang, denn wir fieberten ja schon darauf, welches Geschenkpäckchen wohl für jedes von uns Kindern bestimmt war.” Bis heute ist Singen an Weihnachten für sie nicht wegzudenken.

Von der Flöte zur Orgel gewechselt

Kaum verändert hat sich die Bedeutung der Musik am Weihnachtsfest im Vergleich zur Kindheit für Anne Barkowski, Kantorin in Bad Windsheim. „Schon als kleines Kind ging es los mit Flötenspiel, an Orffinstrumenten im Gottesdienst und in Gesangsrollen im jährlichen Krippenspiel. Als Jugendliche begleitete ich dann jedes Jahr Gottesdienste am Klavier oder wir sangen als Engel in der Christmette nachts. Meistens war ich dadurch an Heiligabend in drei Gottesdiensten.” Dazwischen gab es Bescherung, Essen und man sang gemeinsam Weihnachtschoräle. „Das meiste davon ist gleich geblieben, nur dass ich jetzt vor allem die Orgel spiele und das Krippenspiel mit anleite, statt selbst mitzuspielen”, erzählt Barkowski.

Weihnachten ohne das Spielen im Gottesdienst? Für die Kantorin fast unvorstellbar. Dass sie an Heiligabend immer arbeiten muss, ist für sie kein bisschen traurig. „Das gehört zu meiner Weihnachtstradition von klein auf, das Musizieren an Heiligabend in der Kirche, inklusive Stress und Anspannung vorher, die dann in den Gottesdiensten langsam abfällt.”

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Die Flachgauer „Stille Nacht” ist kaum bekannt

Umfangreich ist heutzutage die stilistische Bandbreite in Weihnachtsliedern. Ulrike Bergmann liebstes ist die kaum bekannte Flachgauer „Stille Nacht”. Sie hat eine ähnliche Melodie wie die allseits bekannte „Stille Nacht” von Joseph Moor. „Aber die Melodie ist einfacher gehalten, sie ist eher ein Volkslied, und ich mag den Text sehr gern.”

Bergmann singt die traditionellen Weihnachtslieder zur Drehleier. Diese und der Dudelsack verfügen über liegende Basstöne, sagt sie. Die alten Melodien strahlen dadurch eine große Ruhe aus. Unberührt bleibt Bergmann dagegen bei modernen Weihnachtsliedern. „Schon gar nicht, wenn sie in Kaufhäusern als Hintergrundmusik aus Lautsprechern dudeln. Dadurch wird in meinen Augen Weihnachten entwertet und banalisiert.”

Zwei mit gleichem Geschmack

Ganz unterschiedliche Musik hört Hans Hauptmann zur Weihnachtszeit. Traditionelles mischt sich da unter Modernes. Und auch verschiedene Instrumente kommen zum Einsatz: Gitarre, Klavier, Schlagwerk, Flöten oder Stabspiele. „Ich steh an deiner Krippen hier” – das ist das Lieblingsweihnachtslied von Hans Hauptmann und Anne Barkowski. „Den Bach-Satz haben wir von Kindesbeinen an rauf und runter gesungen”, erzählt die Kantorin. Anders als bei vielen moderneren Weihnachtsliedern, wird bei diesen älteren Chorälen oftmals der Tod und das Leid an Weihnachten nicht ausgeklammert. „Aber die Hoffnung auf Trost und Licht steht direkt daneben.”

Als sie ihre Mutter einmal in der Christvesper bei „Oh du fröhliche” weinen sah, weil der Mann einer Freundin im Sterben lag, „da fing mein Bewusstsein dafür an, dass Weihnachten nicht für alle ein frohes Fest ist”. Und wie wichtig Strophen in Weihnachtschorälen sind, die das Leid mit ansprechen. Als sie selbst schlimme Todesfälle erlebte, „da war mir das Lied ein besonderer Trost und hat nochmal viel an Bedeutung für mich gewonnen”.

„Bis heute tief berührt”

Eine besonders schöne musikalische Weihnachts-Erinnerung versetzt Ulrike Bergmann zurück in ihre Jugend. Damals habe sie begeistert Geige gespielt und durfte eine der beiden Solostimmen in Arcangelo Corellis Weihnachtskonzert im Schulorchester spielen. „Das berührt mich bis heute zutiefst.” Bei Hans Hauptmann hat sich vor allem das gemeinsame Singen am Weihnachtsabend vor dem Baum in ganz unterschiedlichen Lebensphasen eingebrannt.

Gemeinsames Singen verbindet und „verbreitet nach meiner Erfahrung ein Gefühl der Harmonie. Singen erdet die im Alltag oft so getriebenen, gestressten Menschen und kann die Seele berühren”, beschreibt Bergmann einen möglichen Grund, warum vielen Menschen Musik beim Weihnachtsfest wichtig ist. „Musik erreicht die Seele”, betont zudem Hans Hauptmann. „Sie baut ein Gefühl der Gemeinsamkeit auf.”

Emotionen und Erinnerungen werden hervorgerufen

„Ich erlebe bei Musik oft so, dass sie Erinnerungen und starke Emotionen hervorruft und vermute, dass das ein Grund dafür ist, warum man sie besonders an Weihnachten um sich haben möchte”, sagt Anne Barkowski. „ Auch weil es etwas ist, was stabil ist bei allen Veränderungen im Leben. Sie kehren jedes Jahr wieder, die Weihnachtslieder.”


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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