Über Windenergie und die Kombination von Hochwasserschutz und Naturschutz informierte sich Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) in Flachslanden.
Er zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Gemeinde und sagte, „Flachslanden ist gesegnet.“ Damit spielte er auf das gute Miteinander und die Verwirklichung innovativer Ideen an.
Bürgermeister Hans Henninger (Freie Wähler) stellte im ersten Teil des zweistündigen Besuchs des Staatsministers im Sitzungssaal des Rathauses seine Gemeinde vor. Er berichtete von der Initialzündung für das Engagement der Marktgemeinde in Sachen regenerativer Energie. Schon 2010 wurde der Beschluss gefasst, erneuerbare Energien auszubauen. Es gebe in der Marktgemeinde eine Freiflächenphotovoltaikanlage in der Hand eines kommerziellen Unternehmens. Diese Erfahrung ließ die Idee reifen, nur noch Bürgeranlagen zuzulassen, um die Wertschöpfung in der Region zu belassen und dadurch die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu erhöhen.
Gemeinsam mit der Kommunalen Allianz NorA wurde dann der NorA-Bürgerwindpark mit vier Windrädern aus der Taufe gehoben. Seit Dezember 2015 wird nachhaltiger Strom produziert. „Der NorA-Bürgerwindpark Birkenfels ist ein Musterbeispiel einer gelungenen Energiewende von unten“, stellte Bürgermeister Henninger fest; Staatsminister Glauber stimmte ihm voll zu.
Bisher wurden knapp 170 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und damit 87.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden, so die Bilanz des Windparks. An die 215 Gesellschafter wurden bisher 5,425 Millionen Euro ausgeschüttet. Es seien nun zwei Freiflächenphotovoltaikanlagen in Planung, ebenfalls als Bürgeranlagen.
Informiert wurde Thorsten Glauber auch über die Hochwasserschutzmaßnahmen. Aufgrund der Hochwasserkatastrophe im Mai 2016 sei die Bevölkerung sehr sensibilisiert, so Henninger, und unterstütze alle Maßnahmen, die dem Schutz vor weiteren Überschwemmungen dienten. Es wurde ein integrales Hochwasserschutzkonzept erarbeitet, und mit dem Programm „boden:ständig“ werden kleinere Maßnahmen umgesetzt.
Dem Hochwasserschutz, aber auch der Rückhaltung von Wasser in der Fläche und damit dem Naturschutz, diene die Neuanlage sowie die Aufwertung von Kleingewässern, berichtete Gemeinderatsmitglied Ulrich Meßlinger. Seit 2010 wurden rund 200 Kleingewässer mit einem Rückhaltevolumen von 2000 Kubikmeter angelegt. Es seien dadurch nur Kosten von fast 10.000 Euro angefallen. Mit Hilfe örtlicher Vereine und ohne Planungsaufwand wurden alte Weiher reaktiviert sowie Gräben an einigen Stellen vertieft, sodass Wasser nicht abläuft, sondern versickern kann. Im nächsten Schritt, so Meßlinger, sollten begradigte Bachläufe renaturiert werden. Dafür erhalte die Marktgemeinde eine 90-prozentige Förderung durch das Wasserwirtschaftsamt.
Dieses Modell der kombinierten Wasserrückhaltung mit Naturschutz sei beispielgebend für andere Kommunen im Freistaat, so Glauber. Eines der größten Probleme in Franken sei die Trockenheit, diese könne durch die Kleinmaßnahmen ein wenig bekämpft werden. Viele Kommunen, so der Minister, nutzten die 90-prozentige Förderung nicht. Flachslanden hingegen habe ein fertiges Konzept und nutze die Möglichkeiten, um die Klimaveränderungen abzumildern.
Nach der Information im Rathaus machte sich der Minister zusammen mit den Abgeordneten Dr. Peter Bauer, der den Minister eingeladen hatte, und Wolfgang Hauber vor Ort ein Bild von den durchgeführten Kleinmaßnahmen zur Wasserrückhaltung und vom NorA-Windpark bei Birkenfels.