Klöster und Bier: Das süffige Getränk, so heißt es, war den Mönchen und Nonnen in allen Jahreszeiten ein beliebter Kalorienbringer. Für Ordensfrau Doris Engelhard, letzte Bier brauende Nonne Bayerns, gehört das süffige Getränk jedenfalls ganzjährig auf einen ausgewogenen Speiseplan.
Die gebürtige Herriederin ist die Chefin der Klosterbrauerei Mallersdorf im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen. Die 74-Jährige ist dort seit fast 50 Jahren für helles Vollbier, Maibock, Weihnachtsbock und Doppelbock für die Fastenzeit zuständig. 300.000 Liter braut sie im Jahr, unterstützt von zwei Angestellten.
Etwa 20 Prozent sind für den Eigenbedarf des Klosters, in dem 500 Personen versorgt werden. Der Rest wird in Bügelflaschen regional an die weltliche Kundschaft verkauft. Und dazu, das Internetzeitalter hat auch vor den Klostermauern nicht Halt gemacht, wird das Bier weltweit verschickt.
Dass sie ins Kloster eintreten würde, war für die als Walburga Engelhard geborene Herriederin früh klar. „In meiner Kindheit war das noch nichts Besonderes, Nonne zu werden“, erinnert sie sich. Den ersten Kontakt zum katholischen Orden der Armen Franziskanerinnen von der heiligen Familie zu Mallersdorf hatte sie, als ihre Mutter krank wurde und eine Ordensschwester zur Pflege kam. 1962, mit 13, ging sie ins Internat nach Niederbayern, wo das Kloster Mallersdorf zwischen Landshut und Straubing in der Hügellandschaft liegt.
Nach ihrem Realschulabschluss machte sie in der Klosterbrauerei eine Lehre, „das hat sich so ergeben“. Ihre Gesellenzeit verbrachte sie einige Jahre in einer weltlichen Groß-Brauerei im Saarland, bevor sie in „ihr“ Kloster nach Niederbayern zurückkehrte. 1971 trat sie in den Orden der Armen Franziskanerinnen ein, wählte den Ordensnamen Doris und absolvierte 1975 die Meisterprüfung als Jahrgangsbeste – „allein unter Männern“.
Die Kirche sind schließlich wir und nicht die Bischöfe.
Seither braut sie Bier. Und wurde mit der Zeit überregional bekannt. „Darauf bilde ich mir nichts ein“, stellt sie klar. Sie sagt deutlich, was sie denkt, fürchtet nicht, anzuecken. Sie hat auch eine klare Haltung zu ihrer in Schieflage geratenen katholischen Kirche: „Die Kirche sind schließlich wir, nicht die Bischöfe.“
Ihren Schritt, Nonne zu werden, hat sie nie bereut. Das klar strukturierte Leben hinter den Klostermauern sagt ihr zu. Um 5.30 Uhr startet der getaktete Tag, dann treffen sich die Nonnen in der Kirche zum Gebet. Anschließend bringt sich jede nach ihren Fähigkeiten ein, auch diejenigen, die im Seniorinnenheim des Ordens leben. „So weit sie es eben noch können“, meint Schwester Doris.
Wenn Kommunismus funktioniert, dann im Kloster.
Diese Arbeitsteilung bedeutet, dass die Braumeisterin sich nie um ihre Wäsche kümmern muss, nie selbst kochen muss. „Wenn Kommunismus funktioniert, dann im Kloster“, schmunzelt sie. Und sie ist eben für das Sudhaus zuständig.
Dass sie die letzte bierbrauende Nonne Bayerns ist und ihre Nachfolge im Klostersudhaus ungeklärt ist, bereitet ihr keine schlaflosen Nächte: „Das ist halt so.“ Irgendwie werde es mit dem Mallersdorfer Bier schon weitergehen, ist sie überzeugt. Die das entscheiden könnten, würden schon die richtige Lösung finden, ist sie sich sicher.
Noch fehlt die patente Ordensfrau verlässlich einmal in der Woche beim Morgengebet, wenn sie im Sudhaus ihren Dienst verrichtet. Dabei braut sie nicht einfach ein alkoholisches Getränk. Für sie ist Bier ein hochwertiges Lebensmittel, das wegen seiner Inhaltsstoffe – in Maßen – zu einer gesunden Ernährung dazugehört.