Atommüll-Fässer in Krippe: Ausstellung in Bad Windsheim zeigt besondere Exemplare | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.11.2025 14:46

Atommüll-Fässer in Krippe: Ausstellung in Bad Windsheim zeigt besondere Exemplare

Die in Bad Windsheim gezeigten Krippen sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, unseres Alltags und unseres Miteinanders. Das biblische Geschehen wurde in die Neuzeit übertragen. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
Die in Bad Windsheim gezeigten Krippen sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, unseres Alltags und unseres Miteinanders. Das biblische Geschehen wurde in die Neuzeit übertragen. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
Die in Bad Windsheim gezeigten Krippen sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, unseres Alltags und unseres Miteinanders. Das biblische Geschehen wurde in die Neuzeit übertragen. (Foto: Hans-Bernd Glanz)

Was wäre, wenn die Geburt Christi in die heutige Zeit fallen würde? Wie würden Krippen dann aussehen? Antworten auf diese Fragen gibt eine kleine, aber feine Ausstellung in der Spitalkirche in Bad Windsheim.

Das Museum Kirche in Franken zeigt bis zum 6. Januar zeitgenössische Krippen aus der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums München.

Seit Jahrhunderten wird die biblische Geschichte um die Geburt Jesu Christi in einem Stall in Bethlehem mit Krippen künstlerisch dargestellt. Die heilige Familie samt Ochs und Esel, Hirten, die Heiligen Drei Könige und ein Engel gehören zu jeder Darstellung standardmäßig dazu.

Erinnerung an die Kindheit

Offiziell eröffnet wurde die Krippenschau am Samstag. Alle Grußwortredner erinnerten sich gerne an die Zeit ihrer Kindheit zurück, als zur Weihnachtszeit zu Hause die Krippe aufgebaut wurde. Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster gehörte dazu, ebenso der stellvertretende Landrat Reinhard Streng oder Bürgermeister Jürgen Heckel. Genau wie die rund 35 Besucherinnen und Besucher hatten sie mehr oder weniger das gleiche Bild vor Augen, wie eine Krippe die biblische Erzählung abbildet.

Für Forster ist die Ausstellung eine Möglichkeit, Impulse im Umgang mit Kirche und Glaube zu setzen. Jeder und jede möge sich vorstellen, wenn Maria und Josef heute an eine Tür geklopft hätten, mittellos, ein neugeborenes Kind im Arm. Wie hätte man da selbst reagiert?

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Versetzt in die heutige Zeit, zeigt die Ausstellung jedoch die Vorstellung zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler von einer modernen, tagesaktuellen Krippe. Sie beschäftigen sich mit der Frage der Übersetzung in die Gegenwart und übertragen das Weihnachtsgeschehen in unsere Lebenswelt. Mit ihren teils nur wenige zentimeter- bis metergroßen Formaten, überraschenden Schauplätzen und kuriosen Details lassen die Exponate die Besucherinnen und Besucher die traditionelle Weihnachtsgeschichte neu entdecken.

Spiegel der Gesellschaft

Der mitunter kritische Zeitbezug macht die modernen Krippen hochaktuell. Die gezeigten Werke sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, unseres Alltags und unseres Miteinanders. Peter Sauerers Werk aus dem Jahr 2023 mit dem Titel „Epiphania“ hat die Geschichte von der Geburt Jesu eigenwillig interpretiert. Epiphania, das Fest der Erscheinung des Herrn, eine klassische Krippenszene, spielt bei Sauerer in einem Hof mit Atommüll-Fässern, viel Unrat und mehreren Personen mit Gasmasken. Eine postapokalyptische Szenerie, zu der die „Heiligen drei Könige“ mit ihren prall gefüllten Geschenketaschen mit Logos bekannter Unternehmen passen. Neben Umweltverschmutzung gleichzeitig ein Hinweis auf die Gier nach immer mehr.

Rudi Baumwarth versetzt das Geschehen unter dem Namen „Konsumkrippe“ in einen Fernseher oder zeigt in einer 1,40 Meter hohen Szenerie die Geburt Jesu „in einer Baustelle“. Museumsleiterin Dr. Janette Witt betonte, dass „Geborgenheit und die Vorstellung, wie eine Krippe auszusehen“ habe, in der Ausstellung nicht zu finden sei. „Hier im Museum darf die Ausstellung aber irritieren“ und zur Auseinandersetzung mit dem heutigen Alltag beitragen.

Umfangreiches Programm

Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Jeden Sonntag wird um 14.30 Uhr eine Familienführung durch die Ausstellung angeboten. Am ersten Advent tritt bei einer Veranstaltung des Fördervereins Spitalkirche um 18.30 Uhr der „Kleine Chor“ aus Neustadt auf. Am zweiten Advent stimmen sich die Besucherinnen und Besucher mit dem Bad Windsheimer Christkind bei der Familienführung mit einem Adventsliedersingen auf Weihnachten ein. Um 17.30 Uhr folgt dann die „Fränkische Weihnacht“ mit den Windsheimer Sängern und Spielleut.

„Wir drucken Weihnachtskarten“ steht am Samstag, 13. Dezember, auf dem Programm. Von 12 bis 15 Uhr werden mit der Künstlerin Renate Bärnthol, die die Linolschnitte dafür angefertigt hat, individuelle Karten gestaltet. Am Sonntag, 14. Dezember, dem dritten Advent, folgt ein weiteres Konzert im Museum Kirche in Franken. Um 13.30 Uhr tritt das Ensemble „Adventsdamen“ aus Regensburg mit ihrem Programm „Schneeflöckchen“ auf.

Am Dienstag, 6. Januar 2026, folgt schließlich eine offene Führung mit Dr. Janette Witt und Claudia Berwind vom Museumsteam am letzten Tag der Ausstellung – „mit einem Glas Sekt in der Hand“.

Eine Buchung von Gruppenführungen ist unter Telefon 09841/668066 oder per E-Mail an buchungen@freilandmuseum.de möglich. Erweiterte Öffnungstage und Öffnungszeiten und weitere Informationen sind im Internet abrufbar: www.mkf.freilandmuseum.de


Von HANS-BERND GLANZ
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