Kriege, Arbeitslosigkeit und Wohnungsmangel: All das kann den Kinderwunsch junger Menschen beeinflussen. Welche Rolle das spielt, hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung untersucht.
Der Kinderwunsch ist nach der Untersuchung des Bundesinstituts erstmals seit vielen Jahren gesunken. Demnach liegt er bei Frauen rechnerisch bei 1,7 Kindern und bei Männern bei 1,6 Kindern.
Höher liegt die Vorstellung der „idealen Kinderzahl“ – also der Anzahl an Kindern, die Menschen unabhängig von Hindernissen als ideal ansehen. Sie sei relativ konstant geblieben, hieß es. Frauen und Männer zwischen 18 und 39 Jahren sehen demnach etwa 2,2 Kinder als ideal an. Und: 92 Prozent der Frauen und 93 Prozent der Männer halten ein Leben mit Kindern für ideal.
2025 lag die Geburtenrate laut Statistischem Bundesamt bei 1,32 Kindern pro Frau und damit nochmal etwa drei Prozent niedriger. „Der seit 2017 zu beobachtende und nur im Jahr 2021 im Kontext der Corona-Pandemie unterbrochene Rückgang der Kinderzahl je Frau verstärkte sich seit 2022 deutlich und setzt sich auch im Jahr 2025 fort“, schrieb das Amt. Junge Erwachsene bekommen also weniger Kinder, als sie eigentlich möchten und auch, als sie für ideal halten.
Die Geburtenrate beschreibt, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt bekommen würde, wenn das Geburtenverhalten eines bestimmten Jahres während ihres gesamten gebärfähigen Alters gleich bleiben würde. Die Berechnung berücksichtigt alle Frauen von 15 bis 49 Jahren. Es handelt sich um einen theoretischen Wert und nicht um die tatsächliche Kinderzahl einer einzelnen Frau.
„Die Geburtenrate in der Europäischen Union ist von 1,53 Kindern pro Frau im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2024 gefallen“, schreibt das Institut. „Dies ist der tiefste Wert seit der Gründung der EU.“
Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und Mitautor, sagte, Deutschland sei im europäischen Mittelfeld. Aber in ganz Europa sei die Geburtenrate in den vergangenen vier Jahren eingebrochen. Und: Länder, die nahe an der Ukraine seien, hätten niedrige Geburtenraten. In Polen, dem Baltikum und Finnland liege der Wert zwischen 1,1 bis 1,2 Kindern.
Die größten Sorgen junger Erwachsener sind laut Untersuchung militärische Konflikte und Kriege. „Deutlich zugenommen haben zudem Sorgen um eine mögliche Schwächung der Demokratie“, hieß es.
Zukunftssorgen stünden im Zusammenhang mit der Familienplanung, sagte Miriam Trübner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut. Für Männer und Frauen hänge etwa die Sorge vor einer möglichen Schwächung der Demokratie und dem Klimawandel mit einem geringeren Kinderwunsch zusammen. Bei Menschen, die sich große Zukunftssorgen machten, sänken die Kinderwünsche statistisch um 10 Prozent, erklärte Mitarbeiterin Carmen Friedrich.
Es habe auch immer etwas damit zu tun, wie Dinge wahrgenommen würden und wie das Medienverhalten sei, sagte Bujard. „Es sind die Krisen, letztlich sind es aber auch die Wahrnehmung der Krisen und die Wahrnehmungen, die über die Medien verbreitet werden.“
Für diese Frage wurden 21- bis 31-Jährige befragt. Sie gaben an, etwa mit der Naturerholung in ihrer Umgebung besonders zufrieden zu sein. In Ostdeutschland wiederum sei die Zufriedenheit mit der Kinderbetreuung höher als in Westdeutschland, erklärte Trübner. Deutlich verhaltener seien die Menschen im Schnitt allerdings mit den Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten und dem Wohnungsangebot gewesen.
„Die Zufriedenheit mit den regionalen Angeboten steht in einem positiven Zusammenhang mit der Familienplanung“, sagte Trübner. Heißt: Je zufriedener die Menschen mit diesen Angeboten waren, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den nächsten drei Jahren Kinder planen.
Besonders komme es dabei auf die Arbeitsmöglichkeiten und das Wohnungsangebot an. „Es sind allerdings auch die Bereiche, bei denen die Befragten angegeben haben, besonders unzufrieden zu sein.“
Es gebe natürlich mehrere Faktoren, die den Kinderwunsch beeinflussen, sagen die Expertinnen und Experten. „Wir haben uns jetzt auf die Zukunftssorgen und die Angebote vor Ort konzentriert“, sagte Trübner. „Das heißt natürlich nicht, dass es nicht noch andere Faktoren gibt oder Ursachen, die da mit reinspielen.“
Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums ist in Deutschland etwa fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. „Für die Erfüllung des Kinderwunsches sind diese Paare auf medizinische Hilfe angewiesen.“
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