Sie waren schon eine Art ökologisches Gewissen, als es die Grünen in der Stadt noch gar nicht gab. Die 1977 ins Leben gerufene Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser (BAP) ist seitdem ununterbrochen im Stadtrat vertreten. Und das muss so bleiben, sagen die Polit-Recken vor den Wahlen nächstes Jahr.
Die wallende Mähne hatte Hannes Hüttinger bereits bei der Gründung des Bündnisses, inzwischen sind die Haare ein wenig grau geworden, aber das BAP-Gründungsmitglied setzt sich nach wie vor unverdrossen für die Kernthemen des Bündnisses ein. „Viele Themen haben sich nicht erledigt. Unsere Arbeit ist noch nicht abgeschlossen“, sieht Hannes Hüttinger sein politisches Wirken noch längst nicht beendet.
Waren es zu Beginn ganz konkrete Themen wie der drohende Abriss historischer Häuser in der Altstadt, der Erhalt des Scheerweihers als Naturschutzgebiet und die Verhinderung der Müll-Verbrennungsanlage, „haben wir unser Programm immer fortgeschrieben“, erklärt Hüttinger, nicht stehen geblieben zu sein und durchaus mit der Zeit zu gehen.
Tatsächlich tritt die BAP nach wie vor für umweltpolitische Belange ein, auch bei der anstehenden Renaturierung der Rezat im Bereich der Altstadt kämpfte Hüttinger im Stadtrat wie ein Löwe um beinahe jeden Baum. Daneben sind das soziale Zusammenleben und die Stärkung der Demokratie gegen aufkommende Rechtsaußen-Parteien die Schwerpunkte des Bündnisses im bevorstehenden Wahlkampf.
Elan haben sie nach wie vor, versichern die in den 1980er Jahren vom damaligen CSU-Oberbürgermeister Zumach als „unzuverlässige Spontis“ bezeichneten Hüttinger (68) und sein vier Jahre jüngerer Mitstreiter Dr. Markus Bucka unisono. „Wir wollen aber nicht mit dem Kopf durch die Wand, sind bodenständiger und geduldiger geworden“, findet Bucka, und diese Lebenserfahrung habe Auswirkungen auf die Politik: „Wir arbeiten lieber im Hintergrund und überzeugen die Menschen, als in der Öffentlichkeit zu tönen.“
So ganz deckt sich dieser Ansatz freilich nicht immer mit dem Tagesgeschäft: Als Vorsitzender des Umwelt- und Verkehrsausschusses legte sich Bucka jüngst öffentlichkeitswirksam und emotional mit Leutershausens Stadtoberhaupt Markus Liebich wegen der umstrittenen Zusammenführung der beiden Städte per Radweg an. Dem Rückhalt der CSU mitsamt Oberbürgermeister Thomas Deffner durfte sich die BAP sicher sein.
Aus den einst nahezu verfeindeten Christsozialen und der BAP sind inzwischen in etlichen Aspekten Verbündete geworden. Es sei ein Vertrauensbeweis der CSU, dass Bucka zum Bürgermeister ernannt worden sei. „Wir sind bereit, mit allen Kompromisse zu suchen“, sagt Hüttinger ganz grundsätzlich. Bucka stimmt da zu, sieht aber die derzeitige Besetzung der CSU-Fraktion nicht unkritisch: „Da sind Abnicker dabei.“
Mit einer weiteren Kandidatur Deffners als Oberbürgermeister könnte die BAP ganz gut leben. „Wir sind sicher nicht mit allem einverstanden, was der OB macht“, meint Hüttinger vorsichtig kritisch: „Aber wir begegnen uns auf Augenhöhe.“
Einen eigenen OB-Kandidaten will die BAP nicht nominieren. Als das Bündnis 2008 Carda Seidel aufstellte und sie die Wahl gewann, lief in den Folgejahren längst nicht alles so, „wie wir uns das vorgestellt haben“, räumt Hüttinger ein.
Sein politisches Gewicht möchte das Bündnis bei den 2026 anstehenden Kommunalwahlen natürlich behalten, allerdings waren die Ergebnisse und damit die Mandate im Stadtrat schon bei den zurückliegenden drei Wahlen rückläufig. Von einstmals acht Sitzen im Stadtrat (2002) ging es auf fünf herunter. Das Ziel ist deshalb klar: „Wir wären froh, wenn wir das Ergebnis halten.“