Die Szenerie ist wildromantisch. Nur ein paar Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, spiegelt sich die Abendsonne auf dem Scheerweiher. Der Wind fängt sich im nahen Wald und erzeugt zum bunten Vogelgezwitscher ein stimmungsvolles Ambiente. Doch das einzige Naturschutzgebiet innerhalb Ansbachs Stadtgrenzen leidet unter illegalen Müllablagerungen.
Die Wasserfläche mit ihrem ausladenden Schilfgürtel und dem alten Baumbestand im Umgriff ist Lebensraum für viele geschützte und seltene Tiere. Wilde Orchideen und seltene Pflanzen finden sich ebenfalls dort. Über 60 Vogelarten brüten in dem Gebiet. Ein Schauspiel für Naturfreunde ist es auch, wenn Ende Februar bis Mitte März Molche und Erdkröten ihre Winterquartiere verlassen und sich aufmachen zu ihren Laichplätzen. Rund um den Scheerweiher leben etwa 5000 Erdkröten – die größte Population dieser Gattung in Westmittelfranken.
Besucher stehen häufig auch auf einer Aussichtsplattform, von der aus sich die Wasserfläche gut beobachten lässt. Der Landesbund für Vogelschutz bietet spezielle Führungen an. „Noch intensiver ist das Naturerlebnis bei einem Spaziergang am Uferweg entlang“, so lautet das werbewirksame Versprechen auf einigen Tourismusseiten der Region. Eine gute Stunde ist man für den 3,8 Kilometer langen Rundweg unterwegs. Das „intensive Naturerlebnis“ stellt sich derweil oft getrübt dar.
FLZ-Leserin Isolde Feldmann berichtet von einem Erlebnis, in dem eine „fast leblose Kröte“ in einer weggeworfenen Plastiktüte gefangen war und das Tier ohne ihre Hilfe mutmaßlich verendet wäre. Das sei beileibe kein Einzelfall, ist bei einem Besuch vor Ort auch von Spaziergängern zu hören. Das insgesamt rund 53 Hektar umfassende Naturschutzgebiet nordwestlich von Schalkhausen, das nach der Initiative der BAP-Fraktion im Stadtrat bereits seit 1990 als solches ausgewiesen ist, leidet unter zunehmender Vermüllung.
Der städtischen Verwaltung ist das Problem achtlos entsorgten Abfalls bekannt, wie Anne Ziegler vom Geschäftsbereich Oberbürgermeister bestätigt: „Leider kommt es dort, gerade auch am Parkplatz, immer wieder zu illegalen Hausmüllablagerungen.“ Dabei befinden sich dort zwei Mülleimer, die „regulär einmal pro Woche“ von Mitarbeitern des Betriebsamtes geleert werden. Wenn „Hinweise auf erneute Müllablagerungen eingehen, sind die Kollegen auch zweimal in der Woche vor Ort“, versichert die Stadt.
Nicht weit vom Parkplatz entfernt stünden an den Bushaltestellen an der Leutershäuser Straße weitere Möglichkeiten bereit, Müll seiner Bestimmung zuzuführen. Allein es bleibt allzu oft beim Konjunktiv. Offensichtlich sind neben den von der Stadt bestätigten bewussten Müllablagerungen auch achtlos weggeworfene Bonbonpapierchen, Einwegzigaretten, Chipstüten – „gefährliches Kleinplastik“, ärgert sich wohl nicht nur FLZ-Leserin Isolde Feldmann.
Für Tiere und für die Umwelt stellt das wie die vielen Zigarettenstummel nachweislich ein Risiko dar, noch dazu in einem unter speziellen Schutz gestellten Gebiet. Bereits im Mittelalter waren die Zuflüsse zu Fischteichen aufgestaut worden. Wer dort seinen Müll wegwirft, wird zur Kasse gebeten, es droht ein Bußgeld. „Sofern die Verursacher ermittelt werden können“, schränkt die Stadt ein.
Grundsätzlich ist das kein Bagatelldelikt. „Die Höhe des Bußgeldes hängt von der Müllmenge und der Müllart ab, es kann bis zu mehreren tausend Euro hoch sein.“