Versöhnliche Worte bei Denkmalschutz-Debatte in Detwang | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 27.11.2024 18:46

Versöhnliche Worte bei Denkmalschutz-Debatte in Detwang

Das Interesse an der Bürgerversammlung in Detwang war groß, Oberbürgermeister Dr. Markus Naser (links) begrüßte. Rund 200 Menschen leben im Einzugsgebiet Detwang, gut 30 waren zur Versammlung gekommen. Dazu kamen noch knapp 20 Mitglieder der Verwaltung und des Stadtrates. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Das Interesse an der Bürgerversammlung in Detwang war groß, Oberbürgermeister Dr. Markus Naser (links) begrüßte. Rund 200 Menschen leben im Einzugsgebiet Detwang, gut 30 waren zur Versammlung gekommen. Dazu kamen noch knapp 20 Mitglieder der Verwaltung und des Stadtrates. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Das Interesse an der Bürgerversammlung in Detwang war groß, Oberbürgermeister Dr. Markus Naser (links) begrüßte. Rund 200 Menschen leben im Einzugsgebiet Detwang, gut 30 waren zur Versammlung gekommen. Dazu kamen noch knapp 20 Mitglieder der Verwaltung und des Stadtrates. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

„Es tut mir leid, dass man das vielleicht ein bisschen unterschätzt hat, das Thema.“ Mit diesen Worten hat Stadtbaudirektor Michael Knappe auf der Detwanger Bürgerversammlung die Wogen spürbar geglättet. Es ging wie erwartet hauptsächlich um den Ensembleschutz, der auf den Ort und dessen nördlichen Außenbereich gelegt werden soll.

Knappe sprach im Rahmen seiner Entschuldigung auch direkt in Richtung Oberbürgermeister und meinte: „Mensch, hätten wir mal die Bürger in Detwang vielleicht breiter informiert.“ Und: „Da müssen wir uns den Schuh anziehen.“

Vorangegangen war dem eine doch recht intensive Diskussion um das Verfahren des Landesamtes für Denkmalpflege. Die Detwanger hielten sich mit Fragen und Meinungen nicht zurück. Ein Bürger sagte, er finde es „schade, dass wir als Anwohner“ vom bevorstehenden Ensembleschutz „nur hinter vorgehaltener Hand“ und zwischen Tür und Angel erfahren hätten. Die Detwanger hätten sich überrumpelt gefühlt – „und zwar allesamt“.

Zwei Treffen zum Thema

Er empfindet es als eine „Frechheit“, dass „mit uns Anwohnern, Besitzern und jahrelangen Fürsprechern für die Stadt Rothenburg, dass mit uns so umgegangen worden ist. Das fand ich eine Schande“. Seine Worte fanden zustimmendes Gemurmel von den geschätzt 30 Anwesenden. Dazu kamen noch knapp 20 Mitglieder der Verwaltung sowie diverse Mitglieder des Stadtrates.

Der Detwanger erzählte von zwei Detwang-internen Treffen. Hier seien alle zusammengekommen und hätten sich gemeinsam erarbeitet, was ein Ensembleschutz überhaupt sei. „Was heißt das überhaupt für uns? Was dürfen wir noch, was dürfen wir nicht mehr?“ Schade findet der Bürger auch, dass eigentlich erst mit der Bürgerversammlung am Montagabend die Detwanger selbst offiziell informiert wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Oberbürgermeister Dr. Markus Naser seinerseits erklärte, dass die Stadt am Verfahren auch „nur beteiligt“ sei. Das entsprechende Schreiben sei erst nach den Sommerferien bei der Stadt eingegangen, bis dahin habe auch die Verwaltung „nur gerüchteweise“ von den Plänen gehört.


„Dann mussten wir uns eben überlegen: Wie gehen wir jetzt damit um?“

Oberbürgermeister Dr. Markus Naser

Doch was das Ergebnis des Prozesses werden würde – dass nämlich Detwang und dessen nördlicher Außenbereich unter Ensembleschutz gestellt würden – habe die Stadt auch erst mit diesem Schreiben erfahren. Naser: „Dann mussten wir uns eben überlegen: Wie gehen wir jetzt damit um?“

Bis zum 2. Dezember hat die Stadt Zeit für eine Stellungnahme zum Thema. Naser: „Wir haben uns dafür entschieden – das dürfen Sie uns jetzt vorwerfen –, dass wir zuerst den Stadtrat informieren.“ Denn der Stadtrat habe ein „Erstinformationsrecht“.

Die Bürgerversammlung vom Montagabend sei als „das ideale Plenum“ gesehen worden, „um darüber zu sprechen“. Diese Erklärung fanden einige Detwanger nicht gut und sprachen den Zeitraum zwischen Eintreffen des Briefes und der Versammlung an. Die Diskussion wogte anschließend ein bisschen hin und her; Stadtbaudirektor und Oberbürgermeister beantworteten alle Fragen mit sanfter Stimme und sehr ausführlich.

Sie versuchten, Sorgen und Ängste zu nehmen, betonten aber auch immer wieder: Der Ensembleschutz kommt so oder so, die Stadt könne das nicht beeinflussen. Obwohl der Stadtrat in seiner Oktober-Sitzung das Benehmen, also sein Einverständnis, nicht erteilt hat. Was die beiden auch immer wieder betonten: Gibt es ein Problem oder ein Thema – bitte einfach anrufen.

Unterschriftenliste ging nur nach München

Auch die Petition beziehungsweise Unterschriftenliste der Detwanger, die auch schon in der Oktober-Sitzung des Stadtrates erwähnt worden war, kam kurz zur Sprache. Hierbei kam heraus: Die Liste war zwar nach München zum Petitionsausschuss des Landtages geschickt worden – aber nicht nach „oben“ ins Rothenburger Rathaus. Hier sagte ein Detwanger ganz offen: „Das war leider mein Verschulden.“ Der Oberbürgermeister meinte: „Wenn wir gewusst hätten, da läuft momentan eine Unterschriftenaktion, dann hätten wir ganz anders reagieren können.“ Dann hätte man sich zusammensetzen und darüber reden können.

Nachdem das Thema langsam abgeflaut war, kam auch anderes zur Sprache. So ging es etwa um Schlaglöcher, Hochwasserschutz und auch das Thema Ortsprecher. Hier zeichnet sich für Detwang eine unbürokratische Lösung ab: Die Detwanger dürfen einen Ortssprecher oder eine Ortssprecherin wählen. Diese Person wird zwar nicht offiziell in dieser Funktion anerkannt – soll dann aber engen Kontakt zur Stadtverwaltung halten und Detwanger Themen ansprechen. Am Ende der Versammlung gab’s Applaus.

north