Neuhof-Trautskirchen: Noch mal kurz in den Traumjob | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.07.2023 16:52

Neuhof-Trautskirchen: Noch mal kurz in den Traumjob

Eigentlich ist Soraya Ade schon im Ruhestand. Nun wird sie bis Ende 2023 als Krankheitsvertretung in der VG Neuhof-Trautskirchen noch ein wenig aushelfen. (Foto: Ute Niephaus)
Eigentlich ist Soraya Ade schon im Ruhestand. Nun wird sie bis Ende 2023 als Krankheitsvertretung in der VG Neuhof-Trautskirchen noch ein wenig aushelfen. (Foto: Ute Niephaus)
Eigentlich ist Soraya Ade schon im Ruhestand. Nun wird sie bis Ende 2023 als Krankheitsvertretung in der VG Neuhof-Trautskirchen noch ein wenig aushelfen. (Foto: Ute Niephaus)

„Hier hatte ich meinen Traumjob“, schwärmt Soraya Ade. Rund 40 Jahre war sie in der Verwaltungsgemeinschaft Neuhof-Trautskirchen aktiv. Vor zwei Jahren hatte sie die Altersteilzeitphase angetreten, nun ist sie seit Juni offiziell im Ruhestand. Eigentlich: Doch inzwischen ist alles anders. Bis Ende 2023 hilft sie in der VG noch aus.

Dies geschieht als Krankheitsvertretung. „Das ist für uns ein Geschenk. Ich bin so froh darüber“, erklärt Neuhofs Bürgermeisterin Claudia Wust begeistert. Soraya Ade hat damit – wenn auch ungeplant – ihren Traumjob für ein paar Monate wieder. Was gefiel ihr so daran? Viele, viele Jahre fungierte sie als Geschäftsleiterin. Ihr machte es Freude, in einer kleinen Verwaltung tätig zu sein. „Hier musste man alles können. Nur Baurecht habe ich nicht gemacht. Ich hatte hier das Gefühl, für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein, ihnen in allen Lebenslagen helfen zu können. Diese Bürgernähe ist toll.“

Die Abwechslung war schön

Was der 65-Jährigen einfach Spaß machte, war, alles machen zu können – anders als in großen Kommunen oder bei Behörden, wo es gilt, sich zu spezialisieren. „Die Abwechslung war schön, oft war alle zehn Minuten etwas anderes zu tun“ erzählt die sympathische Ansbacherin.

Geboren wurde sie in Australien. Dorthin waren ihre Eltern ausgewandert. An das ferne Land in Übersee kann sie sich nicht mehr erinnern. Als sie neun Monate alt war, kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland zurück. Drei Jahre lebten sie in Stadtallendorf, einer Kommune im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf, danach ging es in die Kleinstadt Homberg.

Nach ihrem Abitur begann sie eine Ausbildung im gehobenen Dienst beim hessischen Landesamt für Ernährung, Landwirtschaft und Landentwicklung. Von ihrem anfänglichen Plan, Lehrerin zu werden, verabschiedete sich sich rasch, nachdem 15 ihrer 17 Mitschüler ein Lehramtsstudium begannen. Auf die Idee, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen, brachten sie ihre Eltern. „Ich habe immer schon gern mit Formularen gespielt. Papier und Stifte wurden mir quasi in die Wiege gelegt“, sagt sie und lacht.

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Jungvolk musste damals aufs Land

Nach der Ausbildung verschlug es sie nach Lauterbach zum Flurbereinigungsamt. „Ich wäre lieber in Kassel geblieben“, gibt die zweifache Großmutter offen zu. Doch damals hieß es: „Das Jungvolk muss aufs Land.“ Im Nachhinein war es gut, traf sie dort doch ihren späteren Mann, der im Ort die Meisterschule besuchte. Später zog sie zu ihm nach Ansbach. In Bayern begann sie in der Gemeinde Neuhof zu arbeiten. „Damals musste der Geschäftsleiter ein Beamter des gehobenen Dienstes sein.“ Dieses Kriterium erfüllte Soraya Ade.

Dankbar ist sie immer noch dem damaligen Bürgermeister Ewald Doßler, der sie und ihren Mann auch traute, dass sie nach der Geburt ihrer beiden Söhne und nach der Elternzeit ihren Job in Teilzeit ausüben konnte. Möglich wurde dies, nachdem sie in Neuhof zwei Plätze im Kindergarten für ihre Jungs bekam. Die 18 Wochenstunden, die Ade arbeitete, waren passgenau auf die Betreuungszeiten in der Kita abgestimmt. Später besuchen die Kinder die Neuhöfer Grundschule, ihre Mutter stockte ihre Stunden sukzessive auf. Dass ihr Ewald Doßler diese Stundenregelung so ermöglichte, sei sehr fortschrittlich und für die damalige Zeit nicht üblich gewesen, resümiert Ade.

Insgesamt arbeitete sie mit etlichen Bürgermeistern zusammen. Neben Doßler waren dies Bruno Thürauf (beide Neuhof) sowie Hans Stoll und Friedrich Pickel (Trautskirchen). Aktuell sind es Claudia Wust und Werner Wirth.

Als Standesbeamtin zahlreiche Ehen geschlossen

Gern denkt sie an die zahlreichen Eheschließungen zurück, die sie als Standesbeamtin vornehmen durfte. In Erinnerung geblieben sind ihr vor allem zwei Paare: Die einen kamen nebst Gästen in Mittelaltergewändern, beim anderen Paar handelte es sich um zwei Senioren. Im reiferen Alter hatte der Mann seine einstige Jugendliebe in der Klinik wiedergetroffen, wo er als Patient lag und sie als Krankenschwester arbeitete.

Es funkte zwischen den beiden erneut, und so gaben sie sich doch noch das Ja-Wort – ein Happy-End. „Es ist schön, bei den Trauungen in so strahlende Gesichter zu schauen.“ Sie habe immer versucht, persönlich auf die Brautpaare einzugehen, ihre Geschichte in ihrer Rede aufzugreifen. „ Das kam gut an.“

Dies trifft auch auf das von Soraya Ade entworfene Gemeinde-Logo zu, das Briefköpfe und den oberen Teil der Ortseingangsschilder ziert. Nun wird die 65-Jährige, die mehr als 46 Jahre berufstätig war, noch bis Ende des Jahres regelmäßig in ihre alte Wirkungsstätte kommen, nicht nur zum Friseurbesuch, oder um sich mit Kollegen zu treffen. Nun hat sie ihren Traumjob eine Zeit lang wieder, bevor dann endgültig die Rente lockt.

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