„Deutlich positiv“ antwortet Jürgen Nägelein auf die Frage, wie seine persönliche Bilanz nach 18 Jahren als Arbergs Bürgermeister ausfällt. „Ich kann stolz zurückblicken.“ Am 1. Mai gehen die Amtsgeschäfte von dem 64-Jährigen, der bei der Kommunalwahl am 8. März nicht mehr kandidiert hatte, auf seinen Nachfolger Marco Friedel über.
Als Jürgen Nägelein anfängt, die Maßnahmen aufzuzählen, die in seiner Amtszeit umgesetzt wurden, wird schnell klar: Die Liste ist lang. So wurde etwa die Kindertagesstätte saniert und erweitert. Auch wurden Krippengruppen eingeführt. Die Eichelbergschule ist für Nägelein nach der Sanierung „eine Vorzeigeschule“. Das Gebäude verfügt über eine Belüftungsanlage, die Unterrichtsräume sind mit einem Internetzugang und Smartboards ausgestattet.
Ein Anliegen war ihm, das Rathaus instand zu setzen und barrierefrei zugänglich zu machen sowie den Marktplatz optisch aufzuwerten. Ein Großprojekt war die Errichtung des neuen kommunalen Bauhofs. Das alte Bauhofareal wird nun neu gestaltet. Entstehen soll ein Platz der Begegnung, der der südmährischen Partnergemeinde Dolni Dunajovice gewidmet wird.
Neue Baugebiete wurden ausgewiesen. Und auch künftig soll es Bauwilligen laut Nägelein möglich sein, sich in der Gemeinde niederzulassen. Denn die Kommune hat bereits Flächen erworben.
Der ortsbildprägende Torturm, der ebenfalls saniert wurde, ist ein Baustein im Projekt zur Menschenrechtsbildung Nürnberg-Arberg-Hesselberg. In diesem Zusammenhang weist Nägelein auf die Bronzestatue hin, die auf dem Marktplatz an Kreszentia Hummel erinnert. Sie hat Charlotte Knobloch vor den Nazis gerettet.
Dass er Charlotte Knobloch kennenlernen durfte, zählt Nägelein zu den besonderen Momenten seiner Amtszeit. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sei eine beeindruckende Persönlichkeit, sagt er. Außerdem freut er sich über die Partnerschaft mit Dolni Dunajovice. Am schönsten seien oft „die kleinen Momente“ gewesen. Der 64-Jährige erzählt von „leuchtenden Kinderaugen“, wenn er etwa am Schuljahresanfang den Erstklässlerinnen und Erstklässlern jeweils Obstbäumchen überreichte.
„Weniger schön“ hingegen seien „persönliche Angriffe“ im Gemeinderat gewesen, einige davon „unterste Schublade“. Das habe ihn getroffen, bekennt Nägelein. Er habe zwar versucht, souverän damit umzugehen und sich nicht aus der Reserve locken zu lassen. Aber „die Haut ist dünner geworden“. Mit der Zeit „sind viele Dinge an mir abgeprallt“. Ob das gut oder schlecht war, lässt Nägelein dahingestellt.
Wichtig war es dem scheidenden Bürgermeister, seinem Nachfolger und dem neuen Gemeinderat geordnete Finanzen zu hinterlassen. Das sei „sehr gut gelungen“, meint der diplomierte Verwaltungswirt, der zuvor beim Landesamt für Finanzen gearbeitet hatte.
Einen Blick wirft Nägelein auf laufende beziehungsweise anstehende Maßnahmen, wie die Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße von Kemmathen nach Großlellenfeld, die Sanierung der Arberger Ortsdurchfahrt sowie die Erweiterung des Gewerbegebiets in Arberg mit Schaffung einer weiteren Zufahrt, um den Ort vom Schwerlastverkehr zu entlasten. „Stillstand gibt es keinen.“ Das neue Ratsgremium habe Zeit, sich zu überlegen, welche Schwerpunkte es setzen möchte, welche Projekte angepackt werden sollen.
Seinen Nachfolger Marco Friedel bindet Nägelein bereits mit ein, arbeitet ihn ein, will ihm „viel Wissen“ mitgeben. Er habe angeboten, dass sich Friedel in Zukunft bei Fragen gerne an ihn wenden könne, erklärt Nägelein. Wenn nicht, sei das für ihn völlig in Ordnung. Friedel müsse ohnehin „seinen eigenen Weg finden“.
Vermissen werde er sicherlich das Rathaus-Team, sagt Nägelein. Schließlich habe man täglich eng zusammengearbeitet. Zum Abschied werde er die Mitarbeitenden auf eine Weinfahrt einladen.
Wie Nägelein berichtet, werde er, bevor er in den Ruhestand geht, noch ein halbes Jahr zu seinem „alten Dienstherrn“, dem Freistaat Bayern, zurückkehren. Danach freut er sich dann auf mehr Zeit für Familie und Freunde sowie für seine Hobbys Wandern und Radfahren. Außerdem „wollen meine beiden Enkeltöchter bespaßt werden“, erzählt er lachend.