Kartoffeln aus dem Feuer zu holen, ist seine Spezialität. Auch die Ratsmitglieder in Lichtenau haben Friedrich Bauers Diplomatie geschätzt. Nach 30 Jahren im Gremium – seit 2008 als stellvertretender Bürgermeister – hatte sich der 66-Jährige gegen eine erneute Kandidatur entschieden. Im Gespräch mit der FLZ blickt er zurück.
Wenn Friedrich Bauer das Wort ergriff, gab es von den Gemeinderatskollegen selten Widerspruch. Kaum jemand sonst verstand es so gut, seine Meinung klar zu äußern, ohne Andersdenkende zu verärgern. „Mein Großvater war Bürgermeister in Wattenbach, mein Vater war Gemeinderat in Lichtenau und hat auch viele Ehrenämter gehabt”, bemerkt Bauer, der zuletzt für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Gremium saß. Dass er selbst in die Kommunalpolitik ging, war praktisch vorgezeichnet.
„Persönlich bin ich an den Aufgaben in der Gemeinde gewachsen”, sagt er. „Man bekommt eine Aufgabe gestellt, und dann muss man sich darüber Gedanken machen.” Die größte Herausforderung sei gewesen, zu erkennen, dass man nicht alle Wünsche der Bürgerinnen und Bürger erfüllen könne. Wichtig sei aber, „mit den Menschen respektvoll und ehrlich umzugehen”, sagt er. „Den Bürger muss man einbinden”, auch erklären, warum etwas nicht möglich ist.
Von den vielen Terminen bereiteten ihm Geburtstagsbesuche eine besondere Freude. „Da hat man manchmal Einblicke bekommen, die man sonst nie bekommen hätte.” Einmal habe er einen Mann besucht, der während des Zweiten Weltkriegs auf einem U-Boot eingesetzt war. „Der hat zuvor nie über das Thema geredet, und da hatte ich einfach einen Draht zu ihm. Er hat zwei Stunden lang vom Krieg erzählt.”
Besonders am Herzen lag dem Ballmannshofer all die Jahre eine gelungene Zusammenarbeit im Gemeinderat, aber auch mit der Verwaltung. „Das Wichtigste war, gemeinsam etwas zu erreichen.” Besonders viele Berührungspunkte hatte er mit dem Bauhof, kümmerte sich als Forstexperte zum Beispiel um die Planungen rund um den 70 Hektar großen Gemeindewald. „Wir haben ihn umgebaut von einem fast reinen Fichtenwald zu einem zukunftsfähigen Mischwald – trotz Käfer, trotz Trockenheit und ohne draufzuzahlen.” Federführend organisierte er die Pflege von Feldwegen, Gräben, Banketten, Biotopen und Streuobstbeständen.
Von 1986 bis 2010 gehörte Bauer der CSU an, trat später den Freien Wählern bei, 2012 dann der UWG. Drei Bürgermeister erlebte Bauer während seiner Amtszeit: Andreas Wattenbach (CSU; 1996 bis 2008), Uwe Reißmann (SPD; 2008 bis 2020) und Markus Nehmer (SPD; 2020 bis 2026). Jeder habe die Gemeinde auf seine Weise geprägt. Für ihn persönlich habe am besten die Zusammenarbeit mit Reißmann funktioniert, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen sei, erzählt er. „Das hat menschlich einfach gepasst.”
Und das, obwohl Bauer bei den Kommunalwahlen 2008 selbst als Bürgermeisterkandidat angetreten und Reißmann knapp unterlegen war. Als guter Verlierer nahm er anschließend die Wahl zum stellvertretenden Bürgermeister an – und füllte diese Rolle bis zum Ende der Wahlperiode 2026 mit Leidenschaft aus. Eigentlich sei er sogar froh gewesen, dass es so gekommen sei, verrät er heute. „Als Stellvertreter hat man doch mehr Eigenständigkeit und ist nicht dauernd in der Öffentlichkeit.”
Als spannendste Entwicklung während seiner Amtszeit betrachtet Bauer die Entwicklung des Industriegebiets. Gestartet worden sei dieses Projekt bereits unter Bürgermeister Andreas Wattenbach. Nach einem jahrelangen Stillstand sei es dann erneut zum Leben erweckt worden, als Uwe Reißmann an der Spitze der Gemeinde stand. Zunächst habe eine amerikanische Firma den gesamten Grund erwerben wollen. „Aber der Traum ist zerplatzt.” Zum Glück, wie man im Nachhinein feststellen musste, denn die Firma ging pleite. Mittlerweile sei das Industriegebiet auf einem sehr guten Weg. „Wir haben zwar noch einen knappen Hektar, aber das ist ein Filetstück”, um das sich schon mehrere Interessenten beworben hatten. „Wir brauchen aber auch für unsere eigenen Firmen etwas, wenn sie erweitern wollen.”
Auch abseits des Gemeinderats war und ist Friedrich Bauer vielfältig engagiert – insgesamt in über 20 Vereinen, Organisationen und Zusammenschlüssen. Er ist zweiter Vorsitzender des Maschinenrings Ansbach, war fast 40 Jahre lang Kassier in der Fortsbetriebsgemeinschaft und 15 Jahre Obmann des Bauernverbands. Er wirkte als ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht in Ansbach und engagierte sich aktiv bei der Feuerwehr in Wattenbach. Für herausragende Waldbewirtschaftung bekam er 2005 den Bayerischen Staatspreis, weil er Kindergartenkindern über ein Vierteljahrhundert spielerisch den Wald nähergebracht hatte. 2022 initiierte er die Gründung des Freibad-Fördervereins.
Mit seiner Entscheidung, sich aus dem Gemeinderat zurückzuziehen, hadert Friedrich Bauer nicht. „Mein Opa hat immer gesagt, man muss aufhören, wenn es schön ist, da hat er recht gehabt.” Ein bisschen Kommunalpolitik macht er trotzdem noch – als Kreisrat. Aber auch abseits davon wird es ihm sicher nicht langweilig. „Ich habe neun Enkelkinder. Opa ist ein schöner Beruf, wenn er auch manchmal ein wenig teuer ist”, sagt Friedrich Bauer und lacht. Darüber hinaus betreibt seine Familie in Ballmannshof einen Getränkehandel samt kleinem Laden mit regionalen Produkten.
Im Lichtenauer Gemeinderat wird Friedrich Bauers Stimme sicher fehlen – vielleicht sorgt dort aber auch in Zukunft noch ein Quäntchen Bauer'sche Diplomatie für Frieden: Schließlich verstärken Bruder Erwin und Sohn Martin künftig die Reihen der UWG-Fraktion.