Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bereitet sich auf Wasserstoffleitung vor | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.11.2025 17:21

Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bereitet sich auf Wasserstoffleitung vor

Wasserstoffleitungen sollen bald ein Kernnetz in Deutschland bilden. (Foto: Jan Woitas/dpa)
Wasserstoffleitungen sollen bald ein Kernnetz in Deutschland bilden. (Foto: Jan Woitas/dpa)
Wasserstoffleitungen sollen bald ein Kernnetz in Deutschland bilden. (Foto: Jan Woitas/dpa)

2032 soll Wasserstoff durch das deutschlandweite Kernnetz fließen. Die Leitung führt durch den Nordosten des Landkreises. Der sieht das als große Chance, auch wenn noch lange nicht alle Rahmenbedingungen klar sind. Um einen Anschluss an dieses Leitungsnetz zu ermöglichen, muss man sich jetzt schon in Stellung bringen.

Momentan ist Wasserstoff noch teuer, so Bertram Bröse vom Energie-Team des Landratsamts. Man gehe aber davon aus, dass ähnlich wie bei Photovoltaikanlagen und Energiespeichern die Preise bald rutschen werden.

Das Büro „ife” hatte einen Energienutzungsplan erstellt und darin aufgezeigt, dass der Landkreis bis 2040 trotz steigendem Strombedarf für Wärme und Mobilität in der Lage sein kann, fast ohne Energieimporte auszukommen. Das bedeutet aber gleichzeitig einen hohen Stromüberschuss, denn wenn man den Bedarf bei jedem Wetter decken will, müssen die Kapazitäten insgesamt um einiges höher sein als der durchschnittliche Bedarf.

Übriger Strom aus erneuerbaren Energien und die Nähe des Wasserstoffkernnetzes bringen den Landkreis nach der Aussage der Experten in eine günstige Ausgangsposition für die Erzeugung von Wasserstoff – auch wenn da noch sehr viele dicke Bretter zu bohren sind, wie Landrat Dr. Christian von Dobschütz gleich mehrfach betonte.

Im Südwesten gibt es Potenzial

Das Büro machte Vorschläge, wo man sich eine Wasserstofferzeugung und wo Gewerbegebiete vorstellen könnte. Für die Wasserstofferzeugung schlug man den Südwesten des Landkreises vor –die Gegend um Burgbernheim bis Marktbergel und Custenlohr. Der erwogene Elektrolyseur in Uffenheim stehe da nicht schlecht. Ein weiterer Vorteil: Dasselbe Büro hat den Energienutzungsplan für den Landkreis Ansbach erstellt und direkt benachbart, von Rothenburg in Richtung Norden, eine weitere Potenzialfläche für die Energieerzeugung festgestellt.

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Gedacht wird dabei nicht nur an Wasserstoff. Durch die hohe Dichte an Biogasanlagen – in beiden Landkreisen zusammen mehr als 250 – empfiehlt das Büro ein landkreisübergreifendes Projekt zur Erzeugung von Biomethan aus Biogas beziehungsweise synthetischem Methan aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid. Es sei denkbar, das erzeugte Methan ins Gasnetz einzuspeisen.

Warum der Südwesten des Landkreises im Fokus?

Die dezentrale Wasserstofferzeugung im Südwesten ist das eine. Aber auch im Nordosten, wo die Leitung des Wasserstoffkernnetzes verläuft, wurden drei Suchkreise für mögliche (interkommunale) Gewerbegebiete erstellt: Der größte davon umfasst Neustadt/Gutenstetten/Emskirchen, ein zweiter Markt Bibart und ein dritter Markt Taschendorf. Auf diesen Flächen könnte man wasserstoffaffine Unternehmen ansiedeln – sowohl für den Bezug als auch für die Produktion von Wasserstoff.

Jürgen Riedel (CSU) wunderte sich, dass das Büro sich den Südwesten des Landkreises für die dezentrale Wasserstofferzeugung ausgeguckt hatte: „Wäre das nicht sinnvoller in der Nähe der Wasserstoffkernleitung?”, wollte er wissen. Das Büro hatte mit vielen Unternehmen, die bereits im Landkreis ansässig sind, gesprochen und weitere Faktoren einbezogen: Wo sind potenzielle Abnehmer des Wasserstoffs? Wo kann die Abwärme eines Elektrolyseurs verwendet werden? So sei man auf die Vorschläge gekommen.

Ein Anschluss an die Kernleitung soll her

Das Konzept muss jetzt in konkretes Handeln umgesetzt werden. Bertram Bröse stellte drei Projekte vor, die die Grundlage für eine regionale Wasserstoffwirtschaft schaffen sollen. Das Ziel sei, bis 2032 eine verlässliche Wasserstoff-Absatz- und Einspeisemenge zu schaffen – und damit den Anschluss ans Wasserstoffkernnetz wahrscheinlich zu machen.

Das erste Projekt ist eine landkreisübergreifende Wasserstoff-Veranstaltung, vermutlich in Bad Windsheim. Erste Abstimmungen mit den Landkreisen Ansbach, Erlangen-Höchstadt und Kitzingen fanden bereits statt. Fachvorträge, Best-Practice-Beispiele und eine Wasserstoff-Fahrzeugausstellung sind geplant. Das Ziel: Dem Gewerbe und dem Mobilitätssektor die Hemmschwelle für Pilotprojekte mit Wasserstoff nehmen.

Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis

Das zweite Projekt ist ebenfalls ein Kooperationsprojekt, zusammen mit dem Landkreis Ansbach, dessen Klimaschutzmanagerin Lena Navarro Ortiz an der Sitzung teilnahm. Es greift die Empfehlungen des Büros für dezentrale Energieerzeugung im Südwesten des Landkreises aus. Ziel sei der Aufbau eines interkommunalen Wasserstoff und Power-to-Methan-Netzwerks. Eine Machbarkeit soll die technischen, wirtschaftlichen und förderrechtlichen Grundlagen erarbeiten und prüfen, ob eine Pilotanlage zur SNG-Erzeugung aus grünem Wasserstoff und biogenem CO2 möglich ist.

Schließlich, Nummer 3, soll zusammen mit der Wirtschaftsförderung ein Konzept für die Ansiedlung von Ankerkunden und Produzenten von Wasserstoff erarbeitet werden. Ziel ist die Anbindung des Landkreises an das Wasserstoff-Kernnetz zu rechtfertigen.

Der Kreisentwicklungsausschuss sprach sich einstimmig für diese Projekte aus und stellte 100.000 Euro dafür bereit. Auch Walter Prechtel (UWG), der den Energienutzungsplan selbst noch abgelehnt hatte, sprach sich dafür aus, die Chancen zu ergreifen, die sich durch das Wasserstoffkernnetz ergeben.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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