In der Gemeinde gibt es Widerstand gegen das mögliche Vorhaben eines landwirtschaftlichen Betriebes, die bestehenden Anlagen mit Biogas- und Hackschnitzel-Heizkraftwerken an der Wippendorfer Straße zu erweitern. Anwohner des zirka 300 Meter entfernten Wohngebietes Papiermühle haben 70 Unterschriften dagegen im Rathaus eingereicht.
Mittelfristig entstehen könnten ein weiterer Fermenter plus Gärrestelager sowie eine Lagerhalle und ein Batteriespeicher. Der Fermenter erzeugt das Biogas, das Gärrestelager sorgt dafür, dass auch nach der Vergärung noch Gas genutzt wird und der Betrieb stabil und gesetzeskonform läuft.
Die Bürgerinnen und Bürger äußern Sorgen vor einer Zunahme der Lärm- und Geruchsbelästigung, einem erhöhten Verkehrsaufkommen, einer Wertminderung der Immobilien und der Beeinträchtigung von Natur und Landschaftsbild. Außerdem wird ein Standort in größerer Entfernung zum Wohngebiet gefordert. Die Verfasser kritisieren, dass eine Erweiterung auf Seiten der Wohnbebauung geplant werde. Der Fermenter ist im Südwesten, das Gärrestelager im Südosten des Hofkomplexes vorgesehen.
Die Annäherung ist den Entwürfen zufolge zwar minimal. „Bereits jetzt kommt es zu erheblichen Betriebsgeräuschen, die die Ruhe im Wohnumfeld beeinträchtigen“, heißt es jedoch in dem Schreiben. Die Ausbau-Pläne sind noch recht unkonkret. Zwar läuft das Verfahren zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans und der Änderung des Flächennutzungsplans. Dies soll den Betrieb aber zunächst nur planungsrechtlich gesehen zukunftsfest machen, teilen die Vorhabenträger mit. Konkrete Bauentscheidungen seien damit noch nicht verbunden.
Auf der Tagesordnung des Gemeinderats standen die Beratung und Fassung der entsprechenden Abwägungsbeschlüsse. Dabei stellten sich Bürgermeister Gerhard Kraft und der Gemeinderat hinter das Vorhaben. „Wir unterstützen die Nahwärmeversorgung und befürworten eine Erweiterung“, sagte Kraft. Auch die Notwendigkeit, durch den Anschluss eines Batteriespeichers ein Plus an Flexibilität bei der Einspeisung oder Selbstnutzung des Stroms zu erreichen, könne man nachvollziehen. „Weihenzell ist in vielen Bereichen der Energieerzeugung führend. Wir können uns nicht leisten, nicht zuzustimmen“, so auch Bernhard Popp (Freie Wählergemeinschaft-Umland).
Vorhabenträger ist der Familienbetrieb Schneider, der durch Gemeinderat David Schneider (CSU) im Gremium vertreten ist. Aufgrund persönlicher Beteiligung war dieser von den Beratungen und Beschlüssen ausgeschlossen. Am Standort Wippendorfer Straße werden derzeit sieben Biogas-Blockheizkraftwerke sowie ein Hackschnitzelheizwerk betrieben. Gemeinsam mit weiteren Anlagen im Industriegebiet wird eine Leistung von rund sechs Megawatt bei Strom und acht Megawatt bei Wärme erreicht.
Über ein Nahwärmenetz werden etwa 230 Anwesen im Kernort versorgt, darunter auch kommunale Liegenschaften wie das Schulzentrum, das Freibad, die Kindertagesstätte, der Bauhof, das Feuerwehrhaus und die Hans-Popp-Halle. Nach Angaben der Betreiber werden damit 600.000 Liter Heizöl und rechnerisch rund 1.600 Tonnen Kohneldioxid im Jahr eingespart.
Wie David Schneider erläuterte, seien der zusätzliche Fermenter und das Gärrestelager allerhöchstens Zukunftsmusik. Ziel des laufenden Verfahrens sei es, unabhängig von möglichen Änderungen der politischen Rahmenbedingungen Planungssicherheit zu erhalten.
Vor der Gemeinderatssitzung hatte das Planungsbüro die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Stellungnahmen gesichtet. Wesentliche Änderungen ergaben sich daraus nicht. Fragen des Lärm- und Geruchsschutzes seien nicht Bestandteil des Bauleitverfahrens, sondern würden im späteren Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz geprüft. Da es sich um eine Erweiterung eines bestehenden Betriebs handele, seien Standortalternativen nicht gegeben.
Um Transparenz zu schaffen und die Sorgen der Bevölkerung abzubauen, regten Mitglieder des Gemeinderats gemeinsam mit Bürgermeister Kraft relativ nachdrücklich eine Betriebsführung für die Unterzeichner der Petition an. Diese soll zeitnah stattfinden. Die Abwägung der Einwände und Stellungnahmen sowie die erneute öffentliche Auslegung der Planunterlagen wurden schließlich einstimmig beschlossen.