Neben der Flagge der Ukraine weht vor dem Bezirksrathaus in Ansbach als Zeichen der Solidarität nun auch die Fahne Israels. Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster hisste sie gemeinsam mit Dr. Ludwig Spaenle, dem Antisemitismus-Beauftragten der bayerischen Staatsregierung.
Spaenle, der Ende des vergangenen Jahres in seinem Amt bestätigt worden war, war zu einem Antrittsbesuch beim neuen Bezirkstagspräsidenten nach Ansbach gekommen. Offiziell lautet die Bezeichnung des Amts des früheren Kultusministers „Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe“.
Bei seiner Visite im Ansbacher Bezirksrathaus schilderte er seine Erfahrungen bei einem Besuch in Israel vor wenigen Wochen. „Dramatisch“ sei gewesen, was er in einem von Hamas-Terroristen überfallenen Kibbuz gesehen und gehört habe.
So seien in dem nahe der Grenze zum Gaza-Streifen gelegenen Ort eine behinderte Frau und ihre Mutter erschossen worden. Den „mordenden Horden“ sei ein „plündernder Mob“ mit Frauen und Kindern gefolgt. Die jetzige Situation sei schwierig. Jüdinnen und Juden in Deutschland hätten Angst im Alltag, was in seiner Qualität neu sei.
Spaenle ist dankbar, dass sich die Bezirke bei diesem Thema engagieren. Dies sei ein „langfristig wirksames Momentum“, um Wissen zu vermitteln. Unter anderem werden die jüdischen Friedhöfe dokumentiert. Eine Tourismusbroschüre zum jüdischen Franken sei „sehr gut geworden“.
Die Archive der ehemaligen jüdischen Gemeinden würden digitalisiert und das Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg erschließe die jüdische Geschichte. Dazu komme die regionale Netzwerkarbeit.
Als positives Beispiel nannte er das Dokumentationszentrum „Familiengeschichten – Jüdisches Leben in Colmberg“ als Teil des Projekts „Jüdisches Leben in Mittelfranken“. Es müsse an solchen Lernorten in Erinnerung gerufen werden, dass Juden bis in die Nazizeit hinein Nachbarn waren. Spaenle hat den Eindruck, dass die Wahrnehmung der jüdischen Geschichte als selbstverständlicher Teil der eigenen Identität wächst. Gleichzeitig gebe es auch ein Interesse der jüdischen Familien, die nach ihren Wurzeln suchen.
Ein weiterer solcher Lernort sei die Synagoge, die ins Fränkische Freilandmuseum transferiert wurde und zeige, dass das Landjudentum 1000 Jahre lang Teil der regionalen Geschichte gewesen sei.
Um aus der Geschichte zu lernen, müsse diese immer wieder vermittelt werden.„Das Bewusstsein ist eine Waffe gegen das, was sich gerade abspielt“.
Bezirkstagspräsident Forster sagte, er habe an mehreren Gedenkveranstaltungen mit Vertretern der israelitischen Kultusgemeinden teilgenommen. Jeder solle seinen Glauben leben, aber „Hass und Hetze haben keinen Platz in unserem Land“.
Kein Kind komme als Menschenhasser zur Welt, deshalb müssten Kinder – gerade auch mit Migrationshintergrund – in die Geschichte eingebunden werden. „Die Milieuprägung ist oft dramatisch“, meinte Ludwig Spaenle.