Drogen, Gewalt, Obdachlosigkeit: Manche junge Menschen sind schon früh mit solchen Problemen konfrontiert. Für ihren Bildungsweg sind das miserable Voraussetzungen.
Trotzdem will die Robert-Limpert-Berufsschule auch die ganz harten Fälle nicht aufgeben. Ein Spezialangebot wird es aber im nächsten Schuljahr wohl nicht mehr geben.
Der Bildungsausschuss des Bezirkstags lehnte es mit großer Mehrheit ab, das kooperative Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) Neustart im nächsten Schuljahr fortzusetzen. Wichtigstes Argument war, dass es sich nicht um eine Pflichtaufgabe des Bezirks handle, der auf Sparkurs ist.
Die Schüler, die für eine Teilnahme am Neustart-Projekt in Frage kämen, besuchen dann voraussichtlich eine BVJ-Klasse „Berufliche Grundlagen” ohne die ergänzende soziale Betreuung. Das BVJ Neustart war 2023 eingeführt worden. Das BVJ besuchen Jugendliche, die berufsschulpflichtig sind, aber keinen Ausbildungsplatz haben.
Das Neustart-BVJ dient darüber hinaus dem Zweck, das Bildungs- und Ausbildungspotential benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener zu erschließen, die ohne besondere, auch sozialpädagogische Unterstützung mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen oder einen unter ihren Möglichkeiten liegenden Schulabschluss oder Ausbildungsabschluss erreichen würden.
Neben den Schulstunden gibt es mindestens 15 Unterrichtsstunden pro Woche mit „zielgruppenbezogenen Angeboten” und 24 volle Stunden an intensiver sozialpädagogischer Betreuung durch Mitarbeitende des Berufsbildungswerks.
Aber bringt das auch was? Die Antwort hängt davon ab, wie hoch man die Messlatte anlegt. Von den 15 Schülerinnen und Schülern im BVJ Neustart 2023/2024 sind laut der Sitzungsvorlage im Bezirks-Bildungsausschuss aktuell zwei in Ausbildung, vier haben die Ausbildung vorzeitig abgebrochen, fünf sind weiterhin im BVJ-Bereich, drei sind arbeitslos und einer im Gefängnis.
Für die 19 Schülerinnen und Schüler im aktuellen Schuljahr gibt es eine Prognose. Vier sind bereits in ein anderes BVJ gewechselt, zwei sind so gut wie nie da und einer im Gefängnis. Von den übrigen zwölf planen sechs eine Ausbildung, einer will eine Tätigkeit aufnehmen und der Rest bleibt wahrscheinlich im berufsschulischen Bereich. In der Verwaltungsvorlage heißt es allerdings, angesichts der vielen Fehlzeiten erschienen die Planungen „jedoch sehr ambitioniert”.
So war ein Schüler zwei Tage anwesend, einer drei, einer zehn und einer 14 Tage. Teilweise wurden die Schüler zu Hause von den Sozialpädagogen abgeholt, damit sie überhaupt erscheinen. Aus der Sicht der Berufsschule handelt es sich aber zum Beispiel bereits um einen Erfolg, wenn schulferne Jugendliche ein 14-tägiges Praktikum durchstehen oder noch in die Schule kommen, obwohl gegen sie strafrechtlich ermittelt wird. Deshalb hätten Schulleiter Johannes Strobl und seine Stellvertreterin Susanne Gries das Projekt gern fortgesetzt.
Es sei häufig unrealistisch, so schwierige Schüler nach einem Jahr in eine Ausbildung oder eine weiterführende berufsschulische Maßnahme zu bringen. Die Bezirksverwaltung hält dem entgegen, dass genau dies der Zweck laut den Förderrichtlinien sei. Die Erfolgsquote müsse ermittelt und im Verwendungsnachweis mitgeteilt werden.
Die zusätzlichen Kosten für das BVJ Neustart betrugen 2024 rund 116.000 Euro. Das Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds mit 80.000 Euro gefördert, sodass der Bezirk Mittelfranken rund 36.000 Euro pro Jahr zuzahlen muss.
Ab dem Schuljahr 2025/26 erhält die ganze Robert-Limpert-Berufsschule dann zehn Jahre lang je 830.000 Euro aus dem Startchancen-Programm. Es soll die Chancengerechtigkeit der schulischen Bildung verbessern und den Bildungserfolg von sozialer Herkunft weiter entkoppeln. Dafür werden Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler unterstützt.