Idee mit Hindernissen: Passt ein Pferdehof ins Rügländer Gewerbegebiet? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.09.2024 20:00

Idee mit Hindernissen: Passt ein Pferdehof ins Rügländer Gewerbegebiet?

Die Gewerbegebietsfläche hat die Gemeinde erworben. Doch die Planungen dafür stehen noch am Anfang, weshalb vor der Ansiedlung weiterer Betriebe erst einiges zu klären ist. (Foto: Florian Pöhlmann)
Die Gewerbegebietsfläche hat die Gemeinde erworben. Doch die Planungen dafür stehen noch am Anfang, weshalb vor der Ansiedlung weiterer Betriebe erst einiges zu klären ist. (Foto: Florian Pöhlmann)
Die Gewerbegebietsfläche hat die Gemeinde erworben. Doch die Planungen dafür stehen noch am Anfang, weshalb vor der Ansiedlung weiterer Betriebe erst einiges zu klären ist. (Foto: Florian Pöhlmann)

Die Idee findet Bürgermeister Wolfgang Schicktanz „eigentlich ganz charmant“. Da fragt ein ehemaliger Gemeinderat im aktuellen Gremium an, ob er sich denn nicht mit einem Pferdehof ansiedeln dürfte. Im Gewerbegebiet Rosenberg. Wie sich nun zeigt, offenbart diese Offerte ein Dilemma, in dem die Vertreter Rüglands stecken.

„Wir machen schon jahrelang damit herum. Wir haben mehrere Anfragen, an den Grundstücken besteht Interesse“, leitete der Bürgermeister den Tagesordnungspunkt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates ein. Aber der Reihe nach. Denn die Vorgeschichte hat durchaus Anteil an den Fallstricken, mit denen sich die Rügländer Bürgervertreter nun herumplagen müssen.


Ich finde die Idee ganz charmant.

Wolfgang Schicktanz

Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde das Areal von Baron Wolfgang von Crailsheim erworben. Rund 2,5 Hektar umfasst das oberhalb des Kernorts Rügland gelegene Gebiet. Zuvor hatten sich weitreichende Pläne eines ursprünglichen Investors zerschlagen. Eine leerstehende Reithalle zeugt heute noch davon. Daneben befinden sich bereits zwei Betriebe in dem inzwischen als Gewerbegebiet deklarierten Areal, das seinen blumigen Namen dem nahen Gemeindeteil verdankt.

Die restlichen Grundstücke sind allerdings noch nicht komplett erschlossen und die von der Gemeinde angedachten Abmessungen noch nicht amtlich. „Das müssen wir endlich abschließen“, mahnte Armin Pfister, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde, en passant.

Keine einfache Situation

Das könnte auch dem einstigen Gemeinderat und Pferdefreund Rainer Reif zupasskommen – oder auch nicht. Denn die Situation ist nicht eben einfach. Auf einem etwa 3000 Quadratmeter großen Grundstück, das nordwestlich zur Gewerbefläche und neben der Staatsstraße liegt, will Reis „einen kleinen, aber feinen Reiterhof“ errichten. „Mit etwa zehn Tieren“, führte er aus und präsentierte flugs eine erste Entwurfsskizze.

Ein Gebäude mit zwei Wohnungen soll das Angebot von Reiterferien in Rügland ermöglichen. Stallungen bieten Platz für die Vierbeiner, eine Reithalle (20 x 30 Meter) sowie ein ähnlich dimensioniertes Heulager sind vorgesehen. Ein Wohnhaus für die eigene Familie gehört laut Reifs Plänen ebenfalls dazu – auch um immer schnell da zu sein und helfen zu können, wenn eines der Pferde nachts etwa von einer bei den Tieren lebensbedrohlichen Kolik heimgesucht wird.

Ein Puffer zum Ortsteil?

„Es ist nicht so, dass da tagtäglich Dutzende Menschen oder Kunden vorbeikommen. Das wird kein Rundum-die-Uhr-Betrieb“, bemühte sich Reif, auf etwaige Bürger-Bedenken in Sachen Lärm einzugehen. Würde der von ihm angedachte Betrieb umgesetzt, befände sich die Anlage zwischen den ersten Wohnhäusern am Rosenberg und dem eigentlichen Gewerbegebiet. „Das könnte eine Art Puffer sein zum Ortsteil. Deswegen finde ich das eigentlich ganz charmant“, zeigte sich Bürgermeister Schicktanz offen für die Idee: „Völlig abwegig ist das nicht.“

Doch der Gegenwind und die nicht wegzudiskutierenden juristischen Hürden sind nicht unerheblich: In der jüngeren Vergangenheit war die Anfrage eines Bauunternehmers, der auf einem Wohnhaus am Gewerbegrundstück bestand, abgelehnt worden. Ratsmitglied René Bogenreuther erhob die neuerliche Offerte deshalb zu einer „moralischen Frage“. Man könne dem einen nicht gestatten, was dem anderen verwehrt worden war. Etliche Ratskollegen teilten diese Auffassung.

Zwischen Moral und Gesetzeslage

Auch und gerade wegen der bestehenden Gesetzeslage. In Gewerbegebieten sind Wohnhäuser „nicht genehmigungsfähig“, wie das im Verwaltungsdeutsch heißt und in der Sitzung zur Sprache kam. Ebenfalls ausgeschlossen sind Ferienwohnungen. „Für uns macht das Projekt aber nur mit einem Wohnhaus Sinn“, stellte Rainer Reif seine Sicht klar.

Wie könnte eine Lösung aussehen? Womöglich den angefragten Teil des Gewerbegebietes in ein Mischgebiet umwandeln? „Früher war alles Mischgebiet in so einem Ort. Da hat der Schmied neben deinem Haus gehämmert, das war ganz normal“, bemühte sich Bürgermeister Schicktanz um einen Vergleich, der – wie er weiß – längst hinkt.

Der Lärmschutz ist in diesem Fall immer zu beachten und fraglos ein limitierender Faktor. Das gelte dann auch für einen Reiterhof mit Ferienangeboten, wenn er in direkter Nachbarschaft von Industriebetrieben angesiedelt wäre. „Es ist schwer, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen“, ahnt der Bürgermeister bereits vor einem noch nicht festgelegten Termin vor Ort.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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