Ein bekanntes Paar der Weltliteratur spielen zu dürfen, „ist schon eine Ehre, etwas Besonderes“, sagt Michael Grötzsch. Seine Kollegin Kirsten Schneider nickt zustimmend. In „Stolz und Vorurteil“ stehen sie als Elizabeth „Lizzy“ Bennet und Fitzwilliam Darcy auf der Bühne im Feuchtwanger Kreuzgang.
Intendant und Regisseur Johannes Kaetzler hat den Roman von Jane Austen eigens für die Festspiele dramatisiert. Sie sei gespannt auf die Fassung gewesen, vor allem, nachdem sie das Buch gelesen hatte, erzählt Kirsten Schneider. Was wird wohl gestrichen werden? Aber ebenso wie Michael Grötzsch war sie sich sicher: „Das wird gut.“ Da vertrauten sie Johannes Kaetzler.
Für die ausgebildete Musicaldarstellerin Kirsten Schneider ist es bereits die vierte Inszenierung in Folge im romanischen Geviert unter Kaetzlers Regie, für Michael Grötzsch die dritte. Die Vorfreude auf eine erneute Zusammenarbeit sei groß gewesen, sagt der 37-Jährige. Der Kreuzgang sei für ihn inzwischen ohnehin „ein Ort des Vertrauens“ geworden. Erstmals im romanischen Geviert auf der Bühne standen beide im Jahr 2022.
Elizabeth „Lizzy“ Bennet und Fitzwilliam Darcy als Figuren haben sie gereizt. Elizabeth sei „emanzipiert und früh-feministisch veranlagt“, vorlaut, frech und spitzzüngig, zudem konsequent in ihrer Meinung, erklärt Kirsten Schneider. Dass Elizabeth in der damaligen Zeit gegenüber Männern höheren Standes sagt, was sie denkt und nicht nur nickt und still ist, findet die 33-Jährige „unfassbar stark“.
Im Stück durchlebe Elizabeth eine Achterbahn der Gefühle. Diese ganzen Emotionen zu spielen, davor habe sie größten Respekt gehabt, bekennt Kirsten Schneider. Zumal sie, abgesehen von ein paar Minuten, durchgehend auf der Bühne stehe. Sich zu sammeln, während das Stück läuft, sei eine Herausforderung, die aber als Schauspielerin weiterbringe.
Für Michael Grötzsch ist es bei Darcy der Wandel, den dieser durchlebt, dessen Veränderung um 180 Grad. Am Anfang sei Darcy sehr verschlossen, stolz, lege sehr viel Wert auf Ehre und Familie. Als Darcy Elizabeth trifft, wisse er sofort, dass sie anders als die anderen ist, „die ist schlau und tough“. Sie fordere ihn heraus, signalisiere ihm, dass er nicht alles haben könne. Elizabeth verkaufe nicht ihr Herz, nur um ihre Zukunft zu sichern.
Darcy lege seinen falschen Stolz ab, bereue Dinge, erkenne seine Fehler. Gesellschaftliche Unterschiede spielten keine Rolle mehr. Er öffne sich, fühle und verliebe sich. Diesen Weg mit der Figur zu gehen, diese Entwicklung zu spielen, sei für ihn sehr interessant, sagt Michael Grötzsch.
Eine „wichtige, tragende Rolle“ hat Kirsten Schneider auch im zweiten Abendstück der diesjährigen Saison, „Sherlock Holmes – ein Skandal“, dessen Bühnenfassung von Regisseur Lennart Matthiesen stammt. Die 33-Jährige verkörpert Irene Adler, die Gegenspielerin von Sherlock Holmes. Sie habe sich sehr gefreut, dass sie für die Rolle angefragt wurde. Irene sei eine „sehr starke Persönlichkeit“. Trotz Parallelen seien Elizabeth und Irene in ihren Herangehensweisen völlig anders. Irene sei wesentlich radikaler in ihrem Tun, ihr gehe es um Vergeltung.
Michael Grötzsch ist in „Sherlock Holmes“ ebenfalls zu sehen – in fünf kleinen Rollen. „Die machen mir alle Spaß. Aber ganz besonders die des Opernsängers“, so der 37-Jährige, der seine Ausbildung an der Freien Schauspielschule Hamburg absolvierte. Er ist glücklich und dankbar, dass er in der zweiten Abendproduktion die Gelegenheit bekommt, noch andere Facetten von sich zu zeigen.
Kirsten Schneider, die in Kaiserslautern aufgewachsen ist, und der gebürtige Dessauer Michael Grötzsch leben beide in Hamburg. Ihre Zeit in Feuchtwangen genießen sie, sagen beide. In der Stadt an der Sulzach fühlen sie sich wohl. Es sei für sie inzwischen wie nach Hause kommen.
Karten für die Aufführungen von „Stolz und Vorurteil“ und „Sherlock Holmes – ein Skandal“ gibt es im Kulturbüro unter der Telefonnummer 09852/90444 und unter www.kreuzgangspiele.de.