Welturaufführung bei den Feuchtwanger Kreuzgangspielen: Intendant und Regisseur Johannes Kaetzler hat mit „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen einen großen Roman der Weltliteratur ganz neu für die Bühne bearbeitet. Am Donnerstagabend war Premiere und das Publikum begeistert.
Das Ensemble habe die Zuschauerinnen und Zuschauer „völlig verzaubert“, in „eine andere Dimension gezoomt“, sagte Bürgermeister Patrick Ruh beim anschließenden Empfang in der Stadthalle Kasten. Die Schauspielerinnen und Schauspieler wurden von den zahlreichen Gästen – darunter Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft – nochmals mit viel Beifall bedacht.
Immer wenn im romanischen Geviert das Geschehen auf der Bühne beginne, könne man in eine „zauberhafte andere Welt eintauchen“, betonte der Rathauschef. Das sei ein Privileg, das Kaetzler und sein Team in jeder Saison Zehntausenden Menschen gewähre, ohne dass es inflationär werden würde.
Ehrengast war der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, der den Feuchtwanger Freilichtspielen seit Jahrzehnten verbunden ist. Seine erste Vorstellung besuchte er 1972 mit seiner heutigen Frau, die damals noch „eine lose Bekannte war“, wie Beckstein mit einem Schmunzeln erzählte. Seitdem hat das Ehepaar „fast kein Jahr ausgelassen“, kommt auch mit seinen Enkeln zu Aufführungen der Kinderstücke in den Kreuzgang.
Das „Stolz und Vorurteil“-Ensemble habe dem Publikum einen „wunderbaren Abend“ beschert, erklärte der ehemalige Ministerpräsident. Die Inszenierung von Intendant Kaetzler, der die Kreuzgangspiele mitgeprägt habe, sei „herzlich, fröhlich und beschwingt“.
Großes Theater sei nicht auf große Städte beschränkt, hob Beckstein hervor. Er verband damit einen Appell an die Politik, nicht nur große, sondern auch kleine Theaterstätten weiterhin finanziell zu unterstützen, um die materiellen Voraussetzungen für ideelle und kreative Arbeit zu schaffen. Dem schloss sich Johannes Kaetzler an. Es sei „ein Geben und Nehmen“. Ein gesundes Land habe eine gesunde Kultur sowie eine gesunde Politik.
Wie der Intendant mitteilte, hat ihn Dr. Maria Wüstenhagen, seine Stellvertreterin und Dramaturgin, auf den Roman von Jane Austen aufmerksam gemacht und gesagt, das wäre ein Stoff für die Kreuzgang-Bühne. Daraufhin habe er „Stolz und Vorurteil“ im Original gelesen und nach 50 Seiten festgestellt: „Das ist große Weltliteratur.“
Der Intendant und Regisseur dankte dem großartigen Ensemble und allen an der Inszenierung Beteiligten. Auf einen Darsteller wies Kaetzler besonders hin: Ulrich Westermann. Denn diese Spielzeit ist dessen 20. bei den Kreuzgangspielen. In „Stolz und Vorurteil“ verkörpert Westermann Lady Catherine de Bourgh (Besprechung des Stücks auf „Westmittelfranken“).