Münchhausen kommt ins Theater Kopfüber. Keine Lüge. Den Baron kennen die meisten. Theaterchefin Claudia Kucharski und Regisseur Dominik Nowak haben sich die Geschichten über ihn genauer angesehen und bringen einige unter dem Titel „Die Abenteuer des Barons von Münchhausen“ auf die Bühne. Premiere ist am Ostermontag um 15 Uhr.
„Wir wollten die Geschichten“, so Claudia Kucharski, „nicht einfach nur nacherzählen, sondern ergründen, was für ein Typ hinter dieser Figur stehen könnte, weshalb er anderen so viele irrwitzige Abenteuer auftischt.“
Die Grundidee für das Zweipersonenstück: Münchhausen ist alt geworden, lebt einsam und zurückgezogen in seiner Wohnung. Nur in seiner Erzählerhöhle fühlt er sich sicher, flüchtet sich, quasi als Krisenbewältigung, in seine Phantasiewelt.
Ob es ihm so weit gutgeht, soll eine Sozialarbeiterin, im Rahmen ihres überaus eng getakteten Besuchsplanes überprüfen. „Da prallen Welten aufeinander“, so der Regisseur, „die Kontaktaufnahme verläuft schwierig.“ Wer lange allein lebt, tue sich schwer, sich anderen zu öffnen. Und die Frau vom Amt? Sie hat weder Zeit noch Nerven für diesen komplizierten Klienten. „Es geht zwischen den beiden“, ergänzt die Theaterchefin, „um ganz grundsätzliche Themen, die vermutlich viele Menschen kennen, etwa um Alleinsein, Überforderung oder auch darum, wie man Kontakt zu anderen findet.“
„Die beiden“, so Nowak, „kommen aus ganz unterschiedlichen Welten, prallen aufeinander und verstehen einander nicht.“ Aus seiner Lethargie erwacht der alte Münchhausen immer dann, wenn er, was die Herausforderungen der Kurzzeitbesuche noch steigert, seine Geschichten erzählen kann.
„Unsere Fassung“, so Kucharski, „greift dies als Idee auf. Wir wollen zeigen, wie die beiden allmählich doch eine gemeinsame Sprache finden können.“ Alle Geschichten zu erzählen, hätte den Zeitrahmen absolut überschritten, betont der Regisseur. „Wir haben uns daher einige rausgesucht, die einerseits bekannt sind oder zu den beiden Figuren passen könnten.“
Als Vorlage hat Gottfried August Bürgers Ausgabe „Des Freiherrn von Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer zu Wasser und Lande“ gedient. Die Illustrationen stammen von Gustave Doré, einem berühmten französischen Maler und Grafiker des 19. Jahrhunderts. „Die Sprache“, sagt Kucharski, „wollten wir so gut es ging erhalten.“ Sie sei auch für das junge Publikum ab acht Jahren gut verständlich. Die Musik bringt Darius Gall ins Spiel. Im Bühnenbild möchte Kucharski einen surreal angedeuteten Raum entwickeln, der auch für eigene Gedankenbilder Platz lässt. Die Fassung funktioniere für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, ist sich Kucharskis Spielpartner Thomas Cermak sicher.
Besonders an dieser Inszenierung, die als große Sommer-Produktion auch auf der Freilichtbühne im Hof des Kopfübers zu sehen sein wird, ist auch deren internationaler Charakter. Gemeinsam mit dem polnischen Regisseur Dominik Nowak entsteht diese grenzüberschreitende Neufassung der Münchhausen-Abenteuer. Unterstützt wird dieses Projekt mit 5.900 Euro von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.