Landestheater Dinkelsbühl: Eine Reise durch die Welt der Gedichte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.03.2026 20:30

Landestheater Dinkelsbühl: Eine Reise durch die Welt der Gedichte

Christian Muggenthaler bei einer Veranstaltung der Lyrik-Reihe am Landestheater Dinkelsbühl: Er ermutigt das Publikum, sich einzulassen, und regt zur Mitarbeit an. (Foto: Martina Kramer)
Christian Muggenthaler bei einer Veranstaltung der Lyrik-Reihe am Landestheater Dinkelsbühl: Er ermutigt das Publikum, sich einzulassen, und regt zur Mitarbeit an. (Foto: Martina Kramer)
Christian Muggenthaler bei einer Veranstaltung der Lyrik-Reihe am Landestheater Dinkelsbühl: Er ermutigt das Publikum, sich einzulassen, und regt zur Mitarbeit an. (Foto: Martina Kramer)

Seit rund einem halben Jahr erfreut sich ein neues Format des Landestheaters in Dinkelsbühl wachsender Beliebtheit. „Lyrik ist nicht schwyrik“ heißt diese Reihe, die dazu einlädt, „eine gemeinsame Reise in die Welt der Gedichte“ zu unternehmen. Der Reiseführer ist Christian Muggenthaler.

Er ist der persönliche Referent von Jasmin Meindl, die zur Winterspielzeit 2025/2026 die Nachfolge des langjährigen Intendanten Peter Cahn angetreten hat. Von ihr stammt auch die Anregung zur neuen Lyrik-Serie, die mit Christian Muggenthaler einen erfahrenen Moderator gefunden hat.

Als interaktive Veranstaltung im Carl-Fortunat-Haus, die stark auf die Mitwirkung des Publikums setzt, ist dieser Ausflug in die Welt der Gedichte gedacht. „Sie sollen erfahrbar und auf diese Weise zu neuem Leben erweckt werden“, sagt Muggenthaler. Dieses Konzept hat er aus seiner Zeit als Berufsschullehrer in Parsing mitgebracht, wo er Deutsch unterrichtete. „Ich war erschüttert, wie groß die Abneigung gegen Gedichte war, und musste mir etwas ausdenken“, erklärt er.

Also wagte der Germanist und Historiker, der in Regensburg studiert hat, einen anderen Weg. „Grundsätzlich ist nichts falsch, ist jeder Gedanke, jede Idee, die sich auftut, berechtigt“, sagte er damals im Unterricht – und tut es auch heute bei der Veranstaltung. Das ermutigt und regt zur Mitarbeit an.

Unvoreingenommen an die Verse

Spontane Empfindungen, Vorschläge und manches Hintergrundwissen dürfen in die Betrachtungen einfließen. Das Beispiel des jüngsten Goethe-Gedichtnachmittags, des letzten in dieser Spielzeit, zeigt es. Der Olympier ist so fern gar nicht, wagt man sich ganz unvoreingenommen an seine Poeme. Die Auswahl reicht vom Sturm und Drang bis in die reifen Jahre und macht einen Dichter erfahrbar, der über ein unfasslich weites Spektrum verfügt, dessen Sprache gewaltig ist, der Essenzielles in Bilder fasst und ebenso unverwüstlich wie unvergänglich ist. Zu Recht also der Dichterfürst schlechthin. Doch bei dieser Veranstaltung ohne Podest, sondern nahbar, menschlich, anrührend.

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Das liegt viel an Muggenthaler, der sein Publikum mit sanfter Hand führt, Vorschläge macht, Anregungen bietet und offen ist für die Ideen seiner Zuhörer. Die Zeit verfliegt. Schon eine Stunde ist vorbeigezogen, da sind erst zwei Poeme verhandelt. Es macht Spaß, die Gedanken wirbeln zu lassen.

Auch Muggenthaler macht diese Arbeit sichtbare Freude. Ebenso wie die langjährige Zusammenarbeit mit Intendantin Jasmin Meindl. Rund 20 Jahre sind es inzwischen. Einst hat er sie kennengelernt, als er beim Straubinger Tagblatt tätig war. „Wir haben uns auf Anhieb verstanden und schnell beschlossen, etwas gemeinsam zu machen.“ Ein modernes Bauerntheater-Stück mit dem Titel „Die Erobermeierung“ war die Folge, uraufgeführt am Stadttheater Brauneck. Viele weitere Gemeinschaftsprojekte folgten.

Ein Faible für die Bühne entwickelt

Ursprünglich hatte Christian Muggenthaler eine Karriere als Journalist im Fokus: Landshut, Berlin und Regensburg waren die Stationen. In der Regierungshauptstadt arbeitete er für den „Musikexpress“, was ihm viel Spaß machte und ihn in die Welt hinausführte. Dennoch entwickelte Muggenthaler mit der Zeit ein Faible für das Theater und schwenkte allmählich zum Theaterkritiker um. In Regensburg führte er diese Tätigkeit fort und organisierte daneben zahlreiche Kulturveranstaltungen. Zudem wirkte er an verschiedenen Theaterprojekten mit.

Nun also ist er in Dinkelsbühl. Und offensichtlich sehr zufrieden. „Unsere erste Spielzeit ist wirklich gut aufgenommen worden“, freut er sich. Das liege vor allem an der Intendantin, sagt er, für die er voll des Lobes ist. Selbiges gilt für das Dinkelsbühler Publikum. „Sehr aufgeschlossen, interessiert, engagiert“, erlebe er die Leute. So auch bei seiner „schwyriken“ Lyrik, die bei der nächsten Tranche unter anderem Ingeborg Bachmann, Annette von Droste-Hülshoff und Heinz Erhardt anbietet. Als seinen persönlichen Lieblingsdichter nennt er Bertolt Brecht – der war auch schon dran.


Von MARTINA KRAMER
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