Einen Ort der Ruhe und Besinnung in einer hektischen Zeit will die Dorfgemeinschaft in Feuchtwangens Stadtteil Aichau schaffen: Dazu planen die Bürger den Bau einer Kapelle. Deren Standort oberhalb einer Böschung am westlichen Ortseingang ist schon abgesteckt. Über alle weiteren Details entscheidet dann ein Verein. Der wird am Montag, 2. Oktober, gegründet.
Ein erstes Accessoire für die Innenausstattung ihrer künftigen Andachtsstätte besitzen die Aichauer bereits: Das ist eine Kerze, die die Dorfgemeinschaft von der Stadt Feuchtwangen anlässlich des 50. Jubiläums der Gebietsreform im Vorjahr erhalten hat. Sie soll an die Eingemeindung der ehemals selbstständigen Gemeinde im Jahr 1973 erinnern. Diese Kerze bekomme ihren endgültigen Platz später in der Kapelle, sagten Felix Gundacker, Tamara Perske und Edith Geißler sowie Daniel und Martin Gögelein, als sie das Vorhaben jetzt stellvertretend für die rund 65 Einwohner von Aichau erläuterten.
Die Idee, in dem evangelisch geprägten Dorf, das zur Kirchengemeinde Wieseth gehört, eine Kapelle zu bauen, hat ihre Ursprünge im Jahr 2010: Auf der Rückfahrt von einer Kroatien-Reise besuchten damals einige Bürger von Aichau das gleichnamige Dorf in Österreich. In einer Heurigen-Wirtschaft entstand dann der Erstkontakt, aus dem sich eine Freundschaft zwischen den Bewohnern der beiden ähnlich strukturierten Ortschaften entwickelt hat: Auf Besuche folgten Gegenbesuche.
Als 2013 einige fränkische Aichauer mit dem Bus zu den österreichischen Aichauern fuhren, um deren 750. Jubiläum dort gemeinsam zu feiern, durften zwei der Besucher die Glocke der Kapelle läuten, die schon im Jahr 1883 von der Bevölkerung errichtet worden ist. Und da stellte sich bei den Gästen die Frage: „Warum haben wir keine Glocke?“
Am wöchentlichen, Generationen übergreifenden Stammtisch wurde das Thema dann weiter diskutiert – und es entwickelte sich daraus die Initiative, hier ebenfalls eine Kapelle zu bauen. Nun suchten die Aichauer zusammen mit der Stadt Feuchtwangen einen geeigneten Bauplatz – und wurden fündig. Sie verständigten sich auf ein Grundstück, das unweit des „Flurbereinigungssteins“ liegt und der Kommune gehört.
Wie die Kapelle später aber genau aussehen und wie groß sie tatsächlich wird, ist noch ebenso offen wie alle weiteren Einzelheiten. Denn darüber sollen später die Mitglieder des Vereins „Kapelle Aichau“ nach dessen Gründung ausführlich diskutieren und Punkt für Punkt demokratisch entscheiden.
Gleichwohl haben die Aichauer bereits im Vorfeld einige Arbeitskreise gebildet, die Ideen sammeln. Da geht es um die Architektur sowie die Ausführung der Bauarbeiten, um Möglichkeiten für die Ausstattung des Innenraums, die geistliche Ausrichtung und die weltliche Nutzung des Gotteshauses sowie um die Finanzen. Zudem liegt schon der Entwurf für eine Satzung vor, über die die Mitglieder des Kapellenbauvereins bei dessen Gründungsversammlung am Montag, 2. Oktober, um 19.30 Uhr im Ferienhof „Im Stall“ von Familie Gögelein abstimmen werden.
Darüber hinaus haben Mitglieder der Dorfgemeinschaft bereits anderenorts einige Kapellen besichtigt, um sich für ihr Projekt inspirieren zu lassen. „Interessant dabei war, dass keine Kapelle wie die andere ist“, erklärten die beim Gespräch mit der FLZ anwesenden Bürger. Sowohl von der Optik wie auch von der Größe her sei jedes der besuchten Gotteshäuser anders.
Wenngleich die Aichauer erst nach der Gründung ihres Vereins über Detailfragen entscheiden, zeigten sich die Gesprächsteilnehmer zuversichtlich, dass das Vorhaben umgesetzt wird. Zwar müssten gegensätzliche Auffassungen sehr wohl diskutiert werden, aber die Gemeinschaft im Ort sei intakt. In diesem Sinn solle die Kapelle nicht nur zum geistlichen Mittelpunkt, sondern auch zum Symbol für den Zusammenhalt der Einwohner Aichaus werden. Davon abgesehen solle sie allen Menschen – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit – offen stehen.