Mit dem Dirigentenstab vor einer 50-köpfigen Bläserschar zu stehen, das wird Horst Rittsteiger - wie er sagt - schon vermissen. Über 43 Jahre hinweg hat der 73-Jährige den Bezirksposaunenchor im Dekanat Dinkelsbühl geleitet und will nun kürzertreten. Am 4. Advent wird er beim Konzert des Chores in St. Paul in Dinkelsbühl verabschiedet.
Es war 1982, als Rittsteiger das erste Mal in das Ehrenamt auf Dekanatsebene gewählt wurde. Der Sonderpädagoge, ein gebürtiger Schweinfurter, war erst ein Jahr zuvor frisch nach Mönchsroth gezogen, weil er an der Konrad-Biesalski-Schule in Wört eine Stelle antrat. In Mönchsroth übernahm er quasi zeitgleich die Leitung des dortigen Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde und spielte zudem Trompete. Auch heute ist Rittsteiger, der mittlerweile in Weiltingen wohnt, noch Posaunenchorleiter in Mönchsroth. Während er dieses Amt weiterhin ausüben will, gibt er den Posten des Bezirkschorleiters ab.
Der Bezirksposaunenchor formiert sich aus dem Kreis der gut 200 Bläserinnen und Bläser, die in den jeweiligen evangelischen Posaunenchören im Dekanat spielen. Er tritt bei besonderen Anlässen zusammen, etwa bei kirchlichen Jubiläen, Verabschiedungen oder dem traditionellen Konzert am 4. Advent in St. Paul in Dinkelsbühl. Dann sind zwischen 40 und 50 Musikerinnen und Musiker mit dabei.
Es sei durchaus eine Herausforderung, aus den Mitwirkenden, die sonst in den unterschiedlichen Posaunenchören der jeweiligen Kirchengemeinden spielen, einen großen Klangkörper zu formen, erläutert Rittsteiger. „Das ist aber auch der Reiz daran.“ So richtig groß war der Bezirkschor 1988 bei einem Auftritt anlässlich der Landesgartenschau in Dinkelsbühl. Die fast 70 Musikerinnen und Musiker nahmen entsprechend Platz ein. „Das war schon heftig zu dirigieren“, schmunzelt Rittsteiger.
Zu den Aufgaben des Bezirksposaunenchors gehören auch die Schulungen, sei es bei der Einführung in die neuen Bläserhefte oder zu speziellen musikalischen Themen. Rittsteiger kann sich noch gut an die Anfänge seiner Tätigkeit erinnern, als die Bläserliteratur noch sehr übersichtlich gewesen sei. Die folgenden Jahrzehnte waren dann von einer rasanten Entwicklung begleitet, bei der auch Elemente aus der modernen Musik Einzug hielten, beispielsweise aus der Musikrichtung Swing.
Am Sonntag, 21. Dezember, nimmt Rittsteiger nun das letzte Mal in seiner Funktion als Leiter der vereinigten Posaunenchöre den Taktstock in die Hand und dirigiert das Orchester in der Besetzung Trompete, Posaune, Tuba, Tenorhorn sowie Tenor- und Bassposaune. Beginn des Konzertes in der St.-Pauls-Kirche ist um 14 Uhr.
Gespielt wird neben Weihnachtsliedern unter anderem „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz. Anlässlich des 275. Todestages von Johann Sebastian Bach stehen außerdem zwei Choräle des Komponisten auf dem Programm. Mit einem Stück wird an Johann Walter erinnert, der in der Zeit des Bauernkrieges vor 500 Jahren gelebt hat.
Die Konzerte am 4. Advent lagen Rittsteiger stets am Herzen. In den Anfangsjahren seiner Tätigkeit als Leiter des Bezirksposaunenchores fanden diese im Übrigen im Freien statt, und zwar auf dem Platz vor dem Münster St. Georg. Doch nicht immer spielte das Wetter mit. Und so musizierte der Bezirkschor in den 1990er Jahren einige Male im Münster. „Das war natürlich ein tolles Erlebnis, dort zu musizieren“, so Rittsteiger, aber auch nicht ganz einfach, „weil dort der Nachhall sehr groß ist“. Ab dem Jahr 2000 wurde schließlich die Paulskirche genutzt. Diese sei für solche Konzerte in Sachen Klangentfaltung optimal.
Rittsteigers Nachfolger wird Thomas Kandert aus Dorfkemmathen. Mit Inkrafttreten des neuen „Dekanats an Sulzach und Wörnitz“ zum 1. Januar wird dieser sozusagen für die Chöre im Alt-Dekanat Dinkelsbühl zuständig sein.
Ohne den Rückhalt bei den Musikerinnen und Musikern sowie bei Bezirksobmann Rainer Muschler wäre ein Wirken als Leiter des Bezirksposaunenchores über die Jahrzehnte hinweg nicht möglich gewesen, betont Rittsteiger, der in seiner Laufbahn mehrfach in seinem Amt bestätigt wurde. Seiner Freude an der Musik wird der 73-Jährige als Dirigent des Mönchsrother Ensembles weiter nachgehen, und zwar gemäß seinem Konfirmationsspruch: „Diene dem Herrn mit Freuden.”