Die Neustädter Kirchenbibliothek ist zurück: Nach über fünf Jahren Auslagerung stehen alle Bücher wieder an ihrem angestammten Platz in der evangelischen Stadtpfarrkirche Sankt Johannes. Die Begeisterung der Mitglieder des Förderkreises Neustädter Kirchenbibliothek war deutlich zu erkennen.
Wie der Vorsitzende des Förderkreises, der Neustädter Alt-Bürgermeister, Historiker und Autor Dr. Wolfgang Mück erinnerte, war der Bücherschatz wegen baulicher Mängel seines Aufbewahrungsraumes und der unzureichenden Sicherung des kostbaren Bestandes vor einem halben Jahrzehnt zur sicheren Aufbewahrung in das landeskirchliche Depot nach Nürnberg gebracht worden. Viele hielten eine Rückkehr damals für ausgeschlossen, oder – wie es Mück ausdrückt – „der Schatz schien damit für Neustadt für immer verloren”.
Grund: Die erforderlichen Maßnahmen zur sicheren Aufbewahrung des wertvollen Bestandes schienen schlichtweg zu umfangreich, als dass die Ehrenamtlichen des Förderkreises sie stemmen könnten. Einziges Trostpflaster seinerzeit: Dank des Engagements des langjährigen Betreuers der Bibliothek, Reinhold Ohlmann, war der Zugriff für Forschende auch in Nürnberg möglich gewesen, auch wenn dies jeweils einen großen Aufwand erforderte.
Doch nun ist die Rückholung dennoch gelungen. Mit Unterstützung des 2019 gegründeten Förderkreises Neustädter Kirchenbibliothek, der in den vergangenen Jahren Fördergelder und Spenden requiriert hatte, sowie durch den Einsatz der Mitgliedsbeiträge konnten die erforderlichen Maßnahmen mit Unterstützung der Kirchengemeinde vorgenommen werden. Dabei kamen ausschließlich Firmen aus dem Landkreis zum Einsatz.
Wie Mück aufzählt, wurde zunächst die Elektrik aus dem Inneren des Receptaculums, in dem die Bücher seit Jahrhunderten standen, nach außen verlegt und eine neue Beleuchtung installiert. Die beiden gotischen Fenster des Raums erhielten eine engmaschige Vergitterung. Umfangreich und teuer war auch die Brandschutzsicherung: So wurde eine feuerhemmende zusätzliche Türe zum Kirchenschiff hin eingebaut und der Fußboden zwischen dem Bibliotheksraum und der Empore so gestaltet, dass im Brandfall ein Übergreifen der Flammen vom Kirchenraum her verhindert würde.
Glücklicherweise konnte das Regalsystem, das sich durch das enorme Gewicht der Bücher im Laufe der Jahrhunderte verformt hatte, nach einem kostensparenden Vorschlag von Professor Erwin Emmerling und einer Begutachtung durch das Landesamt für Denkmalpflege stabilisiert werden. Zusätzlich musste dann noch die Raumschale vom Staub der Jahrhunderte gereinigt werden.
Um ganz sicherzugehen, dass von einer vor gut fünf Jahrzehnten stattgefundenen Begasung der Bücher keine schädlichen Rückstände für Nutzer und Besucher zurückgeblieben waren, wurde schließlich auch noch eine Schadstoffuntersuchung vorgenommen, deren Ergebnisse laut Mück alle Befürchtungen zerstreuen konnten
Wie Mück in seiner ausführlichen Pressemitteilung weiter schreibt, habe man durch den Arbeitseinsatz der Mitglieder des Förderkreises enorme Kosten eingespart. So habe beispielsweise die aufwendige Säuberung der historischen Regale unter Anleitung von Restauratormeister Stefan Achternkamp aus Obernzenn durch Mitglieder des Vorstandes stattgefunden, die auch bei der Reinigung der Raumschale mithalfen.
Nachdem all dies abgeschlossen war, hatte man ursprünglich gehofft, den Bücherbestand im Jahr 2025, also im Jubiläumsjahr der Bibliothek, zurückholen zu können. Leider jedoch verhinderte der vorzeitige Wintereinbruch diese Aktion, denn das nicht beheizbare Receptaculum zur Aufbewahrung der Bücher wies nur noch acht Grad Celsius auf. Dies hätte einen Kälteschock für die aus Pergament bestehenden Handschriften und die aus handgeschöpftem Papier bestehenden Inkunabeln und die weiteren frühen Druckwerke bedeutet, so dass man gezwungen gewesen sei, auf höhere Temperaturen zu warten.
Übrigens: Auch beim kürzlich erfolgten Rücktransport der Bücher habe man noch einmal Geld gespart: Das Transportfahrzeug wurde von einem Neustädter Autohaus kostenfrei zur Verfügung gestellt, das Verpacken der Bücher, den Rücktransport und das Tragen der knapp 100 zum Teil sehr schweren Umzugskartons auf die Empore bewältigten wiederum Mitglieder des Förderkreises, die auch beim Aufstellen der Bücher halfen. Insgesamt waren dabei zehn Helferinnen und Helfer im Einsatz.
Die Leitung der letzten und höchst diffizilen Aufgabe – die Wiederherstellung der originalen Anordnung der Bücher – geschah unter Anleitung und Mitwirkung von Reinhold Ohlmann, dem langjährigen Betreuer der Neustädter Kirchenbibliothek, sowie durch Thilo Liebe, dem Sachgebietsleiter für das Bibliothekswesen im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg.
Ein entscheidendes Etappenziel sei laut Mück erreicht. Jetzt gelte es noch, den Zugang für interessierte Gäste besucherfreundlich zu gestalten. Dafür hofft man unter anderem auf Unterstützung der anderen Mitglieder der im Entstehen begriffenen Bayerischen Bibliothekenstraße, in der neben Neustadt/Aisch auch historische Bibliotheken von Coburg über Bamberg, Schweinfurt, Bad Windsheim und Ansbach bis Neuburg an der Donau vertreten sein werden. Durch diese neue Einrichtung, im Konzept der berühmten „Romantischen Straße” nicht unähnlich, erhoffe man sich seitens des Förderkreises, so Mück abschließend, „fachliche Unterstützung und größere Aufmerksamkeit”.