Ein junger Syrer fand ein Zuhause bei Christian Soldner in Dentlein | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.04.2025 13:08

Ein junger Syrer fand ein Zuhause bei Christian Soldner in Dentlein

Christian Soldner und sein 15 Jahre alter Pflegesohn: Die beiden lachen viel zusammen. Bei Verständigungsschwierigkeiten schafft eine Übersetzungsapp Abhilfe. (Foto: Jasmin Kiendl)
Christian Soldner und sein 15 Jahre alter Pflegesohn: Die beiden lachen viel zusammen. Bei Verständigungsschwierigkeiten schafft eine Übersetzungsapp Abhilfe. (Foto: Jasmin Kiendl)
Christian Soldner und sein 15 Jahre alter Pflegesohn: Die beiden lachen viel zusammen. Bei Verständigungsschwierigkeiten schafft eine Übersetzungsapp Abhilfe. (Foto: Jasmin Kiendl)

Christian Soldner erinnert sich. Vor drei Jahren machte ihn eine seiner Töchter darauf aufmerksam, dass das Amt für Jugend und Familie des Landkreises Ansbach Pflegefamilien für unbegleitete minderjährige Geflüchtete sucht. „Ich habe mir gedacht: Warum nicht?“, sagt der Dentleiner. Er entschied sich, einen dieser jungen Menschen bei sich aufzunehmen.

Der erste Pflegesohn von Christian Soldner war Kurde. Er lebt inzwischen in Nürnberg, macht dort eine Ausbildung. Die beiden haben immer noch Kontakt. „Ich bin für ihn ‚Papa Christian‘“, erzählt Soldner. Wenn der junge Mann etwa einen Rat braucht, dann ruft er den 74-Jährigen an. Seit Anfang November 2024 hat Soldner jetzt seinen zweiten Pflegesohn bei sich, einen 15-jährigen Syrer.

Der Glaube spielt eine Rolle

Er sei jemand, der etwas bewegen, der aktiv etwas machen möchte, sagt der Dentleiner von sich selbst. Eine große Rolle bei seinem Handeln spielt für den Christen auch sein Glaube. Wobei Glaube für ihn „über Religionszugehörigkeit hinausgeht“.

Bevor er sich entschied einen unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten bei sich aufzunehmen, gingen ihm mehrere Gedanken durch den Kopf, schildert der Dentleiner. Kein Mensch könne es sich aussuchen, wo er geboren werde. Er fragte sich zudem, was er tun würde, wenn er in einem Land leben würde, in dem Krieg, Unterdrückung und Armut herrschen.

Integration gelingt nur im Familienalltag

Nach Soldners Meinung gelingt die Integration von geflüchteten jungen Menschen nur dann, wenn sie auch wirklich integriert werden, wenn sie in Familien den Alltag in Deutschland kennenlernen, wenn sie teilhaben können am gesellschaftlichen Leben, wenn sie gefördert werden.

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Der vierfache Vater war schon immer ein sozial engagierter Mensch. Er war mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Marion etwa in der Jugendarbeit beim örtlichen Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) tätig, half beim Bau eines Waisenhauses in Spanien mit. Auch beruflich orientierte sich der Maurermeister, der zuvor eine Firma in Dentlein leitete, in den sozialen Bereich um. Er arbeitete 13 Jahre lang als Fachlehrer und stellvertretender Schulleiter im Kloster Creglingen-Frauental mit jugendlichen Intensivstraftätern, unterstützte diese im Rahmen des Projekts „Chance“, das er als erster Mitarbeiter mit aufgebaut hatte, „ihr Leben noch auf die Reihe zu kriegen“.

Wertschätzung und Respekt für alle Menschen

Es sei wichtig, allen Menschen Wertschätzung und Respekt entgegenzubringen, betont der 74-Jährige. Man müsse offen sein für andere Kulturen und andere Religionen, offen dafür sein, sich gegenseitig kennenzulernen. Nur dann könne man Verständnis füreinander entwickelt. Das sei „eine unheimliche Bereicherung“.

Er könne nachvollziehen, wenn Menschen Angst vor dem Fremden haben, sagt Christian Soldner. Doch: „Wenn wir die Menschlichkeit aus unserem Leben verbannen, was haben wir dann noch?“

Der Dentleiner wünscht sich, dass sich mehr Familien bereit erklären, unbegleitete minderjährige Geflüchtete bei sich aufzunehmen. Wie die Pressestelle des Landratsamts Ansbach auf FLZ-Nachfrage mitteilt, ist das im Landkreis Ansbach bislang eher die Ausnahme. Die jungen Menschen würden überwiegend in stationäre Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe aufgenommen.

Umfangreicher Überprüfungsprozess

Aktuell sei das Amt für Jugend und Familie für 78 unbegleitete minderjährige Geflüchtete zuständig. Von diesen seien zum jetzigen Zeitpunkt sieben in Pflegefamilien untergebracht, wobei bei fünf verwandtschaftliche Beziehungen zu den Pflegefamilien bestehen. Nur bei zweien sei das nicht der Fall.

Vor der Aufnahme eines Pflegekindes finde ein umfangreicher Überprüfungsprozess durch das Amt für Jugend und Familie statt, informiert die Pressestelle weiter. Beispielsweise müsse ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden, die Finanzlage solide und ausreichend Wohnraum vorhanden sein. Daneben werde aber vor allem auch die Fähigkeit zur Erziehung intensiv thematisiert. Hier erfolgten mehrere Gespräche über die Erfahrungen der Familie und deren Erziehungsverhalten.

„Ein ganz dickes Lob” für das Jugendamt

Christian Soldner findet es „vollkommen richtig“, dass das Amt für Jugend und Familie so genau hinschaut. Den Mitarbeitenden der Behörde spricht der 74-Jährige „ein ganz dickes Lob“ aus. Er könne sich bei Fragen stets melden.

Laut Pressestelle ist während der Unterbringung in einer Pflegefamilie die sozialpädagogische Fachkraft des Amts für Jugend und Familie des Landkreises Ansbach für den Fallverlauf durchgängig zuständig. Neben regelmäßigen Treffen stehe die Fachkraft jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Außerdem habe der unbegleitete minderjährige Geflüchtete einen Vormund, der für alle rechtlichen Angelegenheiten zuständig sei und die Pflegefamilie in diesem Bereich unterstütze.

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