Teilzeitbetreutes Wohnen in Neustadt: Eine neue Heimat für junge Menschen | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 04.02.2026 19:00

Teilzeitbetreutes Wohnen in Neustadt: Eine neue Heimat für junge Menschen

Andrea Pieczyk (rechts vorne, stehend) und Julia Bonengel (links daneben) begrüßten die Gäste bei der Eröffnungsfeier im teilzeitbetreuten Wohnen in Neustadt. (Foto: Mirko Fryska)
Andrea Pieczyk (rechts vorne, stehend) und Julia Bonengel (links daneben) begrüßten die Gäste bei der Eröffnungsfeier im teilzeitbetreuten Wohnen in Neustadt. (Foto: Mirko Fryska)
Andrea Pieczyk (rechts vorne, stehend) und Julia Bonengel (links daneben) begrüßten die Gäste bei der Eröffnungsfeier im teilzeitbetreuten Wohnen in Neustadt. (Foto: Mirko Fryska)

Ein neues Angebot gibt es mit dem teilzeitbetreuten Wohnen in Neustadt. Dort wurde ein neuer Lebensraum für sechs junge Menschen geschaffen. Sie haben ihre individuellen Lebensgeschichten, ihre Stärken, Fragen und Träume, stellte Andrea Pieczyk, Leiterin im Bereich Jugendhilfe des Diakonischen Werkes, bei der Eröffnungsfeier fest.

Dort finden die 16- bis 21-Jährigen einen Ort, um zur Ruhe zu kommen. Sie erfahren Unterstützung und Vertrauen. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Jede und jeder habe die Möglichkeit, im eigenen Tempo zu wachsen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Die seit Dezember im Haus lebenden sechs jungen Männer gehen noch zur Schule oder befinden sich bereits in der Ausbildung, erzählten sie bei einer kleinen Vorstellungsrunde den Gästen.

Ein Zuhause auf Zeit bietet das teilzeitbetreute Wohnen auch jungen Frauen, betonten später bei der Besichtigungsrunde Landrat Dr. Christian von Dobschütz und Kreisjugendamtsleiter Christoph Eder. Auch wenn derzeit nur junge Geflüchtete im teilzeitbetreuten Wohnen in Neustadt leben, so ist das Angebot für alle gedacht, die es benötigen – unabhängig von Herkunft und Geschlecht, unterstrichen sie.

Ein großer Schritt ins eigene Leben

Die Jugendlichen benötigen zumindest für ein paar Stunden am Tag Betreuung durch pädagogisches Fachpersonal. Gruppenleiterin Julia Bonengel wünscht allen ein gutes Miteinander, inspirierende Begegnungen und eine gute Gemeinschaft. Die Bewohnerinnen und Bewohner fänden in ihrem Zuhause auf Zeit einen Ort, an dem sie so sein dürften, wie sie sind.

Dort beginne für sie ein großer Schritt in ein eigenes Leben, merkte Dekanin Ursula Brecht im Rahmen ihres geistlichen Impulses an. Die dort Lebenden seien zwar selbstständig, aber nicht allein. Freiheit, Verantwortung, so manche Unsicherheit, aber auch viel Wachstum erlebten sie in der Zeit ihres Aufenthaltes. „Entwicklung braucht Freiheit”, stellte Brecht fest. Sie dankt allen, die das Haus planten, und den Mitarbeitenden, die viel Herzblut investierten.

Das könnte Sie auch interessieren
Wieso es im Jakobsschulhaus in Rothenburg wieder Unterricht gibt„Wärmewinter“ in Uffenheim: Leberkloßsuppe und gute GesprächeDiakonieverein startet in Wilhermsdorf sein soziales Bauprojekt in der Hauptstraße„Zuspruch war Bombe”: So lief der etwas andere Weihnachtsmarkt in FeuchtwangenJugendhilfeausschuss in Neustadt: Weniger Geld für mehr Krisen bei jungen MenschenAls Kleinkind in Pflegefamilie, später stirbt die Pflegemutter: Finn benötigt GeldNeuer Leiter der Hospitalstiftung in Bad Windsheim: Wie Jürgen Förster ticktVR Bank spendet 15.000 Euro an den Diakonieverein Dietenhofen und Umgebung100 Jahre Diakonissen-Dienst in Merkendorf: Von Kinderbetreuung bis KrankenpflegeDie „Filmriss”-Reihe geht weiter: In Neustadt/Aisch wird „Vena” gezeigtWas Bürgermeister Schmoll über das Ende des Förderzentrums in Neuendettelsau denktSoziales Quartier in Windsbach: Infoveranstaltung war gut besuchtNeues Angebot: Kurzpflege „Zeitinsel” in Feuchtwangen startet im OktoberThüringer Diakone auf der Walz landen in BurgbernheimAm 6. August in Feuchtwangen: Die Theatergruppe Rampenlicht spielt „Pumuckl”

„Es ist spannend, was hier passiert”, stellte Landrat Dr. Christian von Dobschütz in seinem Grußwort fest. Das Angebot sei auf Initiative des Jugendamtes entstanden. Der Landkreis fungiere als Träger. Mit Hilfe der Diakonie kann man es nun realisieren. „Sie sind die Möglichmacher.” Das neue Angebot entspreche einer Mittelstellung zwischen stationärer und ambulanter Heimat, biete Stabilität und Verlässlichkeit. Es gibt Hilfe, die stärkt, aber nicht bevormundet. Es entsteht Heimat, man findet Geborgenheit und kann sich ausprobieren. In der WG erlebten sie Teilhabe und Nächstenliebe. „Wir wollen ein Landkreis sein, wo man gerne lebt.” Dies gelte auch für junge Leute während des Erwachsenwerdens, eventuell mit Begleitung.

Wandel in der Integration

Gerade darin sehen die Diakonie-Vorstände Frank Larsen und Matthias Jung eine große Chance. Die Einrichtung kennzeichne den Wandel in der Integration von Jugendhilfe in das Gemeinwesen und sei eine Chance für alle Beteiligten: die Jugend, die Stadt und den Landkreis. Die Zeiten, in denen Jugendeinrichtungen auf dem freien Feld gebaut wurden, seien seit den 1980er Jahren vorbei. In der Stadt könnten die jungen Leute Angebote nutzen.

„Geht in Vereine und unter Menschen, engagiert euch ehrenamtlich”, appellierte Bürgermeister Klaus Meier an die sechs jungen Männer. Wenn man dies mache, erhalte man schnell Anerkennung und werde ins Vereinsleben integriert. „Der Standort Neustadt ist ideal”, fand Meier und übergab anschließend die Neustadtuhr als Geschenk.

„Ein Ort, der Halt und Freiheit gibt”

Larsen erinnerte anschließend noch kurz an die Einrichtung für minderjährige unbegleitete Geflüchtete, in der die Bewohner des Neustädter Angebotes bisher gelebt hatten. Er hob hervor, dass man schnell Mitarbeitende gefunden habe. Jung dankte für das Vertrauen, das man ihnen entgegengebracht habe: „Wir haben gesehen, was entstehen kann, wenn alle das gleiche Ziel haben. Das haben wir auch in Bad Windsheim festgestellt.” Das neue Angebot schließe eine Lücke zwischen Voll- und Nichtbetreuung. Jung: „Wir haben einen Ort, der Halt und Freiheit gibt, der begleitet, ohne zu begrenzen.”

Beim Rundgang durch die Villa der ehemaligen Brauereibesitzer Burkart konnten die Gäste einen Blick in die Zimmer der jungen Leute werfen, denen bereits jeder seine persönliche Note gegeben hat. Auch Küche und Aufenthaltsbereiche waren Teil des Rundgangs. Klaus Meier hatte zuvor angemerkt, dass die früheren Eigentümer sicherlich stolz gewesen wären auf das, was hier entstand: ein Ort zum Wohlfühlen, ein schönes Zuhause auf Zeit.

north