Ansbacher Puppenspiele: Eine Kasperlgeschichte mit unrasiertem Witz | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.02.2025 07:00

Ansbacher Puppenspiele: Eine Kasperlgeschichte mit unrasiertem Witz

Ende gut, alles gut. Die Großmutter hat ihre gestohlene Kaffeemühle zurück und singt mit Kasperl und Seppel, eine Szene mit Nando Seeberger, Stefan Kügel und Benjamin Seeberger (von links). (Foto: Thomas Wirth)
Ende gut, alles gut. Die Großmutter hat ihre gestohlene Kaffeemühle zurück und singt mit Kasperl und Seppel, eine Szene mit Nando Seeberger, Stefan Kügel und Benjamin Seeberger (von links). (Foto: Thomas Wirth)
Ende gut, alles gut. Die Großmutter hat ihre gestohlene Kaffeemühle zurück und singt mit Kasperl und Seppel, eine Szene mit Nando Seeberger, Stefan Kügel und Benjamin Seeberger (von links). (Foto: Thomas Wirth)

Beim Theater Kuckucksheim hat nicht bloß der Räuber Hotzenplotz einen ordentlichen Bart. Die Fee Amaryllis trägt auch einen. Soll also niemand behaupten, dass in der Geschichte von Otfried Preußler keine Überraschungen mehr stecken. Tun sie doch, so wie die drei Theatermacher aus Heppstädt (Landkreis Erlangen-Höchstadt) sie spielen.

Stefan Kügel, seit je ein Stammgast bei den Ansbacher Puppenspielen, wuchtete mit seinen Söhnen Benjamin und Nando Seeberger den „Hotzenplotz“ auf die Bühne im Kleinen Haus des Ansbacher Theaters. Die Vorstellung am Samstag war ausverkauft, das junge Publikum ganz und gar bei der Sache.

Zauberschloss von Petrosilius Zwackelmann

Die Kinder gingen mit, gaben Tipps, lachten über Kasperls freche Namenswitze, saßen gebannt da, als es im Zauberschloss von Petrosilius Zwackelmann düster wurde und Nebelschwaden durch den Raum zogen. Kasperltheater funktioniert auch im Digitalzeitalter. Die drei Kuckucksheimer spielen so etwas wie einen Gegenentwurf dazu.

Urwüchsig ist dieser „Hotzenplotz“, erdig, voll unrasiertem Witz, aber immer nah an Preußlers Original. Wer den Kinderbuchklassiker kennt, erkennt alles wieder. Was gar nicht so unwichtig ist. Kinder sind in solchen Sachen sehr konservativ.

Doppelte Figuren: Handpuppen und Menschen

Das Unverwechselbare des Heppstädter „Hotzenplotz’“ ist, dass Dietmar Staskowiak in seiner hintergründigen Inszenierung Kasperltheater mit bodenständigem Schauspiel mischt. Handpuppen und Menschen teilen sich die Rollen. So gibt es die Figuren doppelt, in klein und in groß. Der Wechsel klappt geschmeidig.

Und weil hier gestandene Mannsbilder nicht bloß dem Räuber, dem Kasperl, dem Seppel, dem Wachtmeister und dem Zauberer, sondern auch der Großmutter und der Fee Amaryllis ihre fränkischen Prachtkörper leihen, hat das Ganze nicht nur einen angeschrägten Charme, sondern auch eine schöne Selbstverständlichkeit und einen lakonischen Ernst.

Lässig spielen die Kuckucksheimer mit weiblichen Rollenklischees und heften ihnen ein Fragezeichen an, mindestens eins.

Ein Krokodil gibt die Unke

Wer mag, sieht in diesem „Hotzenplotz“ nebenbei außerdem eine versteckte Geschichte mitlaufen, eine Hommage an all die Puppenspielfamilien, die früher mit ihrem Wagen von Dorf zu Dorf gezogen sind und in bescheidenen Verhältnissen lebten. Die selbstgeschnitzten, rohen, schon ein wenig abgenutzten Handpuppen dieser Familie scheinen seit Jahrzehnten in Kasperlstücken aufzutreten. Gespielt wird mit dem, was vorhanden ist.

Bloß die Unke, die für die verzauberte Fee nötig wäre, gibt es nicht im Fundus. Stattdessen bekommt jenes Tier seinen Auftritt, das sowieso zu jedem zünftigen Kasperl-Ensemble gehört: das Krokodil. So ist das hier: Männer spielen Frauen, und ein Krokodil gibt die Unke. Warum auch nicht.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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