Gastspiel im Theater Ansbach: Richard III. und die Logik der Macht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.02.2026 12:22

Gastspiel im Theater Ansbach: Richard III. und die Logik der Macht

Gekrönter Erzschurke: Michael Miensopust als Richard III. (Foto: Thomas Wirth)
Gekrönter Erzschurke: Michael Miensopust als Richard III. (Foto: Thomas Wirth)
Gekrönter Erzschurke: Michael Miensopust als Richard III. (Foto: Thomas Wirth)

Ein Mann. Ein Schurke. Ein König. Ach was, ein ganzes Königsdrama. Michael Miensopust wuchtet „Richard III.” auf die Bühne des Ansbacher Theaters. Allein. Shakespeare, leicht gekürzt. Eine starke Stunde reicht dem Mimen. Danach schaut man die Tagesschau mit anderen Augen.

Die Produktion stammt aus Reutlingen. Das Theater Tonne spielt sie am Theater Ansbach. Ihr Titel ist zur Hälfte neu: „Richard III – great again”. Oha. Ein Fingerzeig Richtung America. Das auch. Vor allem ein Fingerzeig: in alle Himmelsrichtungen. Richtung Autokratien. Dorthin, wo sich jemand an die Spitze kämpft – kommt auch in Firmen vor – und über Leichen geht.

„England first”

In der Regel tut er's, tut sie's nur metaphorisch, bei William Shakespeare tut es der Herzog von Gloucester wortwörtlich. Er kommt damit durch. Steigt und steigt in der Thronfolge, bis er sich – ah, endlich – die Krone aufs Haupt drücken darf. Was er als König will? Kein Plan, keine Vision. Nur Lust an der Macht. Immerhin, einen Slogan posaunt der Reutlinger Richard hinaus: „England first.” Und schiebt nach: „Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt.” Eben.

„Richard III” – ein Ewigkeitsstück über Karriere, Herrschaft und die Gesetze der Macht. Michael Miensopust holt's in die Gegenwart. Er spickt's mit Anspielungen.

Michael Miensopust, sein eigener Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, hat für Richard, den maßlosen Egozentriker, eine maßlos egozentrische Form gefunden. Statt 30, 40 Leuten auf der Bühne nur einer: Miensopust. Er schultert sein Monospektakel allein. Vom Dramenpersonal, von den Figuren, sind, auf Stühlen drapiert, nur Klamotten und Perücken übrig.

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Zwischen Groteske und Meta-Theater

Das Ergebnis: halb grobe Groteske, halb Solo-Großdrama. In den Ritzen steckt noch ein blutiges Kasperstück und ein Meta-Theater, in dem der Schauspieler sich selbst und seine Zunft bespiegelt. Passt auch. Gloucester ist ein begnadeter Schauspieler. Ein Selbstdarsteller sowieso.

Miensopusts Richard: Anfangs hingebuckelt, schiefschultrig. Das Sakko kneift und zwickt. Die Krawatte glänzt trump-rot. Richard charmiert, intrigiert, lügt, heuchelt und meuchelt. Twittert Unsinn. Und ist happy, wenn wieder was geklappt hat. Miensopusts tanzt dann. Hüftschwung, weit ausgestreckte Arme. Grinst breit. Selbstverliebt, weil ihn sonst niemand geliebt hat. Miensopusts Nebenfiguren: Typen, ironisch, parodistisch. Behende wechselt er die Rollen. Sogar Will Shakespeare taucht als Puppe auf. Richard pfeffert ihn ins Eck. Weil er am Ende sterben muss. Was für eine Schmach. Nix Longevity.

Weitere Vorstellung: Samstag, 7. Februar, 19.30 Uhr, im Theater Ansbach.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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